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Tolles Miteinander bei Zirkusprojekt

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Drei Poi-Schwingerinnen zauberten mit ihren Tüchern Atmosphäre. (Foto: Fembacher)

Marquartstein – Wer in der vergangenen Woche zum Pädagogischen Zentrum Niedernfels kam, traute seinen Augen nicht. Statt Ferienruhe herrschte rege Betriebsamkeit: In der Halle purzelten Clowns durcheinander, Einradfahrer bogen rasant ums Eck und Zauberer in Glitzerkostümen übten konzentriert mit ihren Requisiten.


Gut 50 Kinder zwischen vier und 15 Jahren aus Marquartstein und einigen umliegenden Gemeinden waren gekommen, um beim Zirkusprojekt des Marquartsteiner Kinder- und Jugendfördervereins »Stoamandl« eine unvergessliche Ferienwoche zu erleben und gemeinsam eine Zirkusvorstellung auf die Beine zu stellen. Die Idee zum Projekt hatte Katrin Entfellner: Für das Sommerferienprogramm wurde der mobile Zirkus »Toussini« engagiert. Das Projekt in Marquartstein leitete die Pädagogin und Künstlerin Andrea Heller mit Unterstützung von Claude Toussaint, dem Gründer von »Toussini«.

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Ohne ehrenamtliche Hilfe wäre das aber nicht zu leisten gewesen: Acht Mamas, ein Papa und ein Mitglied der »Stoamandl«-Vorstandschaft waren als Betreuer vor Ort und hatten sich zudem Zeit für eine Schulung genommen. »Wir mussten ja selbst erst einmal lernen, wie Zirkus geht,« meinte eine Mama.

Am Ende der Woche hieß es: »Manage frei für die Kinder«. Während der fast eineinhalbstündigen Vorstellung hielten sich Projektleiter und Betreuer dezent im Hintergrund. Der Abend gehörte den Kindern. Sie traten als Artisten auf, schlüpften in die Rolle der Ansager und sorgten als Musiker für die richtige Zirkusstimmung. Das Publikum staunte: »Unglaublich, was die Kinder in nur einer Woche gelernt haben«.

Die Vorstellung war durchweg professionell; die Darbietungen erfolgten in atemberaubender Geschwindigkeit und man merkte, dass die Nachwuchskünstler Sprechunterricht bekommen hatten. Zu Beginn eroberte eine farbenfrohe Klasse kleiner Clowns die Herzen der Zuschauer, indem sie ihre Lehrerin ganz genau beim Wort nahmen und am Ende zu elft auf einem Stuhl saßen. Dann traten die Tellerdreher in die Manege und zeigten mit ihren Stöcken und Tellern, zu welch konzentrativen Meisterleistungen schon die Jüngsten in der Lage sind. Bei den Einradfahrern stockte den Zuschauern der Atem und beim Kreisel mit vier Fahrern fragte sich manch einer, ob das wirklich das Ergebnis von nur fünf Probentagen sein konnte.

Den krönenden Abschluss des Abends bildete der Auftritt der Akrobaten. Die gut zwanzigköpfige Gruppe überraschte mit Überschlägen, Handständen, Menschenpyramiden und den unglaublichsten Verrenkungen, die das Publikum zu immer neuen Beifallsstürmen veranlassten.

Gar nicht enden wollte der Applaus, als am Ende des Abends noch einmal alle Künstler zum Finale in die Manege einzogen. Ein Blick in die strahlenden und stolzen Gesichter der Kinder zeigte: Diese Woche hat ihnen nicht nur neue artistische Fertigkeiten gebracht. Sie waren gewachsen – wer es schafft, sich bei einem Zaubertrick aufs Äußerste zu konzentrieren, bei einer Akrobatikübung seinen Körper zu beherrschen oder vor einer vollen Halle frei zu sprechen, der gewinnt enorm an Selbstvertrauen. Und sie waren zusammengewachsen als Gruppe. Organisatorin Katrin Entfellner staunte: »Das Miteinander. Große Kinder und kleine Kinder, Jungs und Mädchen, talentierte Kinder und Kinder, denen nicht alles zufliegt. Sie alle haben sich zusammengefunden und gemeinsam eine tolle Show erarbeitet.«

Unterstützt wurde das Projekt von der Gemeinde Marquartstein, dem TSV und dem Pfarrgemeinderat sowie dem Pädagogischen Zentrum Schloss Niedernfels, das seine Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellte. Den Löwenanteil finanzierten die »Stoamandl« aus der Vereinskasse. fem