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Das Pädagogische Zentrum Schloss Niedernfels in Marquartstein erhält einen »Hortplus«. Die neue Gruppe ist für Kinder gedacht, die aufgrund von individuellen Defiziten oder Problemen in ihrem sozialen Umfeld pädagogische Hilfe bedürfen – und die damit einen erhöhten Betreuungsaufwand einfordern.

Schloss Niedernfels bekommt einen »Hortplus«

Marquartstein – Der Landkreis Traunstein erweitert das Angebot der Kinder- und Jugendhilfe im Pädagogischen Zentrum Schloss Niedernfels in Marquartstein. Einstimmig hat der Jugendhilfeausschuss am Donnerstag beschlossen, einen »Hortplus« einzuführen. Geplant ist eine Gruppe. Der Landkreis rechnet mit jährlichen Kosten in Höhe von rund 100.000 Euro.


Dem »Hortplus« liegt ein neues Konzept der Betreuung zugrunde. In die Maßnahme aufgenommen werden Kinder, die die Jahrgangsstufen eins bis fünf besuchen, aufgrund von individuellen Defiziten oder Problemen in ihrem sozialen Umfeld pädagogische Hilfe bedürfen und in ihrer altersgemäßen Persönlichkeitsentwicklung bereits beeinträchtigt sind. Grundlegend für die Arbeit im »Hortplus« ist ein klar strukturierter Gruppenalltag. Neben regelmäßigen Gesprächen beinhaltet die Betreuung unter anderem fachdienstliche Einzelförderungen, das situationsorientierte Aufgreifen und Bearbeiten von auftauchenden Fragen, Problemen und Konflikten sowie Spielangebote zum Umgang mit Gefühlen und Konflikten.

»Das Pädagogische Zentrum Schloss Niedernfels ist eine Einrichtung, die neben dem schulischen Bereich seit vielen Jahren unterschiedliche Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe anbietet«, berichtete Landrat Siegfried Walch (CSU). Seinen Angaben zufolge werden Angebote sowohl im stationären Bereich der Heil- und sozialpädagogischen Wohngruppen wie auch im teilstationären Bereich der Heilpädagogischen Tagesstätten und Horte unterbreitet.

»Im Hortbereich werden bereits seit vielen Jahren auch integrative Plätze für Kinder mit seelischer oder drohender seelischer Behinderung vorgehalten«, so der Landrat weiter. Die Nachfrage nach regulären Hortplätze sei allerdings in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Die Nachfrage nach integrativen Plätzen sei dagegen seit Jahren konstant bei acht bis zwölf Kindern. Laut Walch muss man davon ausgehen, dass es im nächsten Jahr noch zwei reguläre Hortgruppen gibt.

»In Zukunft werden nicht mehr alle Kinder mit einem höheren Betreuungsbedarf in einer regulären Hortgruppe untergebracht werden können«, führte der Landrat weiter aus. Eine Unterbringung in einer Heilpädagogischen Tagesstätte sei für diese Kinder aber nicht sinnvoll und zielführend, da der Betreuungsbedarf hierfür nicht ausreichend ist. Eine Möglichkeit, diese Kinder adäquat betreuen zu können, biete der »Hortplus« – eine Betreuungsform, die bereits seit einigen Jahren im Landkreis Altötting erfolgreich umgesetzt werde. Der »Hortplus« sei eine Einrichtung, die – konzeptionell betrachtet – zwischen einem Hort und einer Heilpädagogischen Tagesstätte liegt.

Franz Feil, der Leiter des Jugendamts, betonte noch einmal, dass der Landkreis genau diese Lücke in der Betreuung schließen und nun ein Angebot für Kinder schaffen wolle, die einen erhöhten Betreuungsbedarf haben, aber noch keine Heilpädagogische Tagesstätte benötigen. Angesichts der guten Erfahrungen im Landkreis Altötting war er überzeugt, dass das neue Konzept auch im Landkreis Traunstein aufgehen wird. Der »Hortplus« sei eine »gute, neue Betreuungsform«.

Landrat Walch sprach von einem Angebot, das nicht nur »passgenauer«, sondern auch »günstiger« sei als die Betreuung in der Heilpädagogischen Tagesstätte. Zwar habe der Landkreis Kosten für den »Hortplus« in Höhe von rund 100.000 Euro pro Jahr zu stemmen – doch eine Betreuung im HPZ würde mit noch höheren Ausgaben zu Buche schlagen.

Die Einführung von »Hortplus« in Niedernfels stieß im Jugendhilfeausschuss einhellig und uneingeschränkt auf Zustimmung. Jugendamtsleiter Feil war sich sicher, dass die Kinder von dem neuen Angebot profitieren werden. Und nicht zuletzt meinte er: »Niedernfels ist eine Einrichtung, die sehr viel Erfahrung hat«.