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Die »Hot Stuff Jazzband« heizte dem Publikum im k1-Studio mit Disney-Klassikern und aktuellen Liedern ordentlich ein. (Foto: Benekam)

Von heftig-deftig bis bluesig-schmusig

Im Traunreuter k1-Studio swingt der Bär: »Hot Jazz goes Disney« mit der »Hot Stuff Jazzband«


Bei stetig steigenden Energiepreisen muss sich ein jeder was einfallen lassen. Frieren will man nicht. Beim Heizen arm werden, freilich auch nicht. Nicht nur deshalb lohnte sich der Besuch der »Hot Stuff Jazzband«, die im Traunreuter k1-Studio unter dem Motto »Hot Jazz goes Disney« den Jazz-Freunden im besten Wortsinn ordentlich einheizte.

Da war nämlich bestes musikalisches Entertainment mit Herz erwärmender Wirkung geboten: Das Quintett ließ mit seinen heißen Arrangements von Musikstücken aus Walt-Disney-Filmen die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz festgelegte Raumtemperatur in »öffentlichen Nichtwohngebäuden« von 19 Grad Celsius auf Temperaturen einer lauen Sommer-Jazznacht hinaufklettern – und zwar spielend. Dafür gab es begeisterten Applaus zwischen den Soli.

Bandleader Heinz Dauhrer (Trompete und Gesang), Markus Krämer (Posaune), Andreas Kurz (Kontrabass), Hermann Roth (Schlagzeug) und John Brunton (Gitarre und Gesang) schöpften aus insgesamt etwa 200 Jahren Bühnenerfahrung. In Kooperationen mit Jazz-Ikonen wie Hugo Strasser, Ambros Seelos, Max Greger, Nathalie Cole fand die Formation längst zum eigenen Ton. Im Lockdown hat sich die »Hot Stuff Jazzband« an ein lange geplantes Disney-Projekt herangemacht: Original-Versionen aus Disney-Filmen wurden von dem kürzlich verstorbenen Bassisten und Bandmitglied Eric Stevens um arrangiert. Das Ergebnis: Eine funkig-soulige Mischung aus populären Disney-Klassikern und aktuellen Songs, die wohl jeden Geschmack bedient und von Mogli bis Cinderella alle zum Mitgrooven bringt.

Die Hasenohren mit coolen Grooves lang gezogen bekamen die Zuhörer mit »Why don’t you do right« aus dem Streifen »Falsches Spiel mit Roger Rabbit«. Ein langsames Reinkommen war nicht nötig: Spannung, Drive und harmonische Interaktion vom ersten Moment an – es knisterte zwischen den Musikern, die sich gegenseitig zu Bestleistungen an den Instrumenten inspirierten. Der Rhythmus der flotten Nummern riss das Publikum mit. Neben heftig-deftig ging‘s auch bluesig-schmusig in balladenhaften Stücken zu: Etwa in »So this is love« und »When I fall in love« aus »Cinderella« oder in »You've got a friend in me« von Randy Newman, dem Ohrwurm und Titelsong aus »Toy Story«. Aus »Onkel Remus’ Wunderland« gab es »Zip-a-Dee-Doo-Dah« auf die Ohren: Der Song, der 1948 in der Kategorie Bester Song mit einem Oscar ausgezeichnet worden war, punktete auch im Traunreuter k1 im Arrangement von Eric Stevens und erntete kräftigen Applaus.

Nicht aus der Disney-Ecke, aber nicht weniger klangspektakelhaft, kredenzte die Band auch die Swing-Nummer »Bei mir bistu shein« aus dem jiddisches Musical »Men ken lebn nor men lost nisht« (»Man könnte leben, aber sie lassen uns nicht«) und Duke Ellingtons »It don’t mean a thing if it ain’t got that swing«, ein legendärer Jazz-Standard aus dem Jahr 1931. Waren auch die flotten Nummern ausgesprochen vitalisierend, so fühlten sich die Jazz-Liebhaber doch besonders im Balladenhaften wohl: Allzu gern probierte man’s, wie der Bär Balu aus dem »Dschungelbuch«, mal mit Gemütlichkeit oder gab sich in »The beauty and the beast« musikalischen Themen hin, die sich aus idealisierten Liebesklischees speisen.

Nach lautstarkem Applaus waren die Musiker am Konzertende gerne zu einer Zugabe bereit: Das Gospel »Oh, when the saints go marching in« war der letzte Ohrwurm des Abends, der sich vermutlich während des gesamten Nachhausewegs weiter durch die Gehörgänge der Besucher schlängelte.

Kirsten Benekam

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