weather-image
34°

Trügerische Sicherheit

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Von außen sieht der Ringhaken noch absolut sicher aus, im Bohrloch aber hat der Rost das Metall völlig zerstört.

Trügerische Sicherheit gibt es derzeit an den Standplätzen der klassischen Südwandführe (Schwierigkeitsgrad III+) in der Untersberg-Südwand. Die im Fels verankerten Spreizdübel der so massiv aussehenden Ringhaken sind so stark korrodiert, dass sie teilweise auch geringen Belastungen nicht mehr standhalten. Polizeibergführer Gerhard Benischke von der Polizeiinspektion Berchtesgaden warnt: »Hier besteht Lebensgefahr.«


Pit Schubert, damaliger Leiter des Sicherheitskreises, hatte die Route Anfang der 70er Jahre als erste Klettertour in den bayerischen Alpen an den Standplätzen mit diesen Ringhaken saniert. Die Bohrlöcher hatte er noch per Handmeißel geschlagen, anschließend die massiven Ringhaken aus Eisen mit Spreizdübeln älterer Bauarbeit im Fels befestigt. Um einen Wassereintritt und damit Korrodierung zu verhindern, verschmierte er die Ränder der Bohrlöcher in bestem Willen mit Klebemasse. Dass die Klebemasse einen Wassereintritt nicht verhindern konnte, stellten kürzlich Bundeswehrsoldaten aus der Strub fest. Bei einer Trainingstour konnten sie einen Standhaken ohne größere Anstrengung aus dem Fels ziehen und schlugen sofort Alarm. Polizeibergführer Gerhard Benischke von der Polizeiinspektion Berchtesgaden hat den betreffenden Haken untersucht und festgestellt, dass der Haken an der Stelle, die sich im unsichtbaren Dübelbereich befand, völlig durchgerostet ist. Er vermutet nun, dass auch die anderen Standhaken in der klassischen Route aus dem Jahr 1907 nicht mehr sicher sind. Im Berchtesgadener Land dürften keine weiteren Kletterrouten betroffen sein, allerdings mehrere im Wilden Kaiser. Auch der Sicherheitskreis des Deutschen Alpenvereins ist bereits informiert.

Anzeige

Benischke: »Am besten derzeit auf eine Begehung der Untersberg-Südwand verzichten. Oder zumindest die Standplätze zusätzlich mit Klemmkeilen oder Friends absichern.« Eine Sanierung der Route mit sicheren, nicht rostbaren Haken ist geplant. UK