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Materialkontrolle beim Weltcup: Sicherheit als oberstes Gebot

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Ruhpolding: Materialkontrolle beim Biathlon-Weltcup – Sicherheit als oberstes Gebot
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Alfred (links) und Florian Eisenberger kontrollieren die Gewehre der Biathleten wie hier die Waffe der Italienerin Lisa Vittozzi. (Foto: Müller)

»Sicherheit ist bei uns das oberste Gebot«, betont Alfred Eisenberger. Deshalb muss jeder Biathlet vor seinem Start bei einem Rennen in Ruhpolding an dem 58-Jährigen und dem zwölfköpfigen Team der Materialkontrolle vorbei – besonders im Blickpunkt der ehrenamtlichen Helfer steht dabei die Waffe der Sportler: Passt das Abzugsgewicht von mindestens 500 Gramm?


Um das zu prüfen, hängen die Kontrolleure ein Gewicht an den Abzug. Zudem wird stichprobenartig kontrolliert, ob die Waffe ein Gewicht von mindestens 3,5 Kilogramm hat. Ist alles in Ordnung, bekommt die Waffe einen Aufkleber, der zeigt, dass sie überprüft worden ist. Das Gewehr muss dazu auch eine andere Anforderung erfüllen: Die Werbung darauf muss den Vorgaben der Internationalen Biathlon-Union (IBU) entsprechen.

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Direkt vor dem Startbereich durchlaufen die Athleten dann erneut eine Sicherheitskontrolle – dabei schauen die Helfer der Materialkontrolle auch darauf, ob der Aufkleber noch auf der Waffe ist und kontrollieren, dass keine scharfe Patrone oder ein Magazin eingelegt ist. »Der wichtigste Punkt ist auch hier die Sicherheit an der Waffe«, sagt Alfred Eisenberger. Für den richtigen Umgang mit den Gewehren haben einige Teammitglieder eine Sachkundeprüfung absolviert – im Team sind die Aufgaben beim Weltcup damit klar verteilt.

Ein Blick gilt zudem der Startnummer, dem Transponder und der übrigen Ausrüstung, die vor dem ersten Weltcup von der Internationalen Biathlon-Union abgenommen wird: Dabei geht es beispielsweise um die Logos, die zu sehen sind. »Auch bei Kleinigkeiten wie dem Trinkgurt«, erzählt der 58-jährige Bio-Landwirt. Die Sportler dürfen nichts am Körper haben, was nicht den Regeln der IBU entspricht. Deshalb ist auch ein Vertreter des Verbands bei den Kontrollen dabei. »Er hat immer schwarzes Klebeband dabei und kann kritische Stellen notfalls abkleben«, berichtet Alfred Eisenberger.

Stichprobenartig werde zudem überprüft, ob die Athleten genügend Magazine dabei und genügend Munition in den Magazinen haben. Dafür sind die Sportler letztendlich aber selbst verantwortlich.

Im Zielbereich werden die Waffen dann noch einmal kontrolliert: Ist die Markierung noch vorhanden und stimmt die Seriennummer? Zudem muss die Mannschaft der Materialkontrolle sicherstellen, dass die Athleten den Bereich ohne Munition an der Waffe verlassen – und wenn Sportler zum Beispiel bei den Staffelrennen ihre Teamkollegen im Zielraum feiern, geht es erneut darum, dass nur die von der IBU zugelassenen Logos zu sehen sind.

Alfred Eisenberger kann sich zwar an keinen groben Verstoß erinnern, gerade bei der Werbung muss der IBU-Vertreter aber doch ab und zu eingreifen und auch vergessene Startnummern »hat's schon gegeben«.

Für die Kontrolleure gibt es in dieser Saison noch eine Erleichterung: Mussten bisher die Sportler spätestens 15 Minuten vor ihrem eigenen Start an der Kontrolle sein, sind es nun zehn Minuten, bevor der erste Biathlet auf die Strecke geht. »Sonst mussten wir auch schon mal eine halbe Stunde wegen zwei Startern warten«, erzählt Alfred Eisenberger.

Eineinviertel Stunden vor Wettkampfbeginn ist die Materialkontrolle besetzt. »Bei der Waffenkontrolle haben die Biathleten noch Zeit und sind ganz locker drauf«, sagt der Bio-Landwirt. Da gebe es auch ein wenig Zeit für Gespräche mit den Sportlern, die deutsch sprechen. »Und ein Servus verstehen ja auch alle«, ergänzt Florian Eisenberger.

Der 28-jährige Maschinenbauingenieur war bis zu seinem 15. Lebensjahr selbst aktiver Biathlet, durch ihn kam auch der Vater als Helfer zum Weltcup. Inzwischen stehen beide bei der Materialkontrolle. »Da bin ich irgendwann gelandet«, erinnert sich Alfred Eisenberger. »Das Interessante daran ist, dass die Aufgabe so abwechslungsreich ist.« Deshalb freut er sich genauso wie sein Sohn auf die Weltcup-Woche. »Es ist aber auch gut, wenn die Woche wieder rum ist«, gibt er zu.

Die beiden sind zudem nicht nur bei den Weltcups im Einsatz, auch beim Biathlon-Nachwuchs werfen sie einen Blick auf die Waffen. »Bei einem Schüler- oder Bayerncup haben wir die gleichen Aufgaben«, sagt Alfred Eisenberger. »Die Kinder müssen lernen, dass sie keine scharfe Waffe rumschleppen dürfen.«

Deshalb brauche man für diese Veranstaltungen ähnlich viele Helfer – »es ist nur nicht ganz so hektisch«, meint der 58-Jährige. »Bei einem Weltcup gibt es viel mehr Rummel.« Trotzdem macht die Aufgabe Vater und Sohn Spaß: Die Kontrolleure sind nah an den Athleten und können die Rennen ein wenig verfolgen.

»Und bisher ist alles gut gegangen, es gab immer faire Wettkämpfe«, freut sich Alfred Eisenberger, der auch nach fast 20 Jahren als Helfer genauso wie sein Sohn immer noch von der Weltcup-Atmosphäre fasziniert ist: »Wir stehen ja nicht irgendwo an der Strecke«, erklärt der 58-Jährige. »Und direkt vor der Tribüne bekommen wir die Stimmung zu 100 Prozent mit.«

Jonas Müller