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»Wir haben uns an die Regeln gehalten, und jetzt das« – Hotels und Gaststätten im BGL erneut geschlossen

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Berchtesgaden: Hotels und Gaststätten erneut geschlossen: »Wir haben uns an die Regeln gehalten, und jetzt das«
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Birgit Rauh vom Hotel »Neuhäusl«.
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Stefan und Susi Kraus vom »Bauchgfui«.
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Tatjana und Franz Brandner vom Hotel »Seimler«.
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Peppi Haslinger vom Gasthaus »Goldener Bär«.
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Lieselotte und Amina Grünberger vom Hotel »Grünberger«.

Berchtesgadener Land – Hotels, Pensionen, Gaststätten, Cafés und Co. mussten gestern um 14 Uhr ihren Betrieb weitestgehend einstellen. Auch wenn Ausnahmen zulässig sind – wie die Unterbringung von Geschäftsreisenden oder der Verkauf von Speisen To-Go – so trifft die Allgemeinverfügung das Hotel- und Gaststättengewerbe besonders hart.


Hoteliers und Pensionsinhaber hatten bis zuletzt Gäste, die sie nun nach Hause schicken mussten. Hinzu kommen Kühlkammern voll mit Lebensmitteln, die nun überflüssig sind. Ob und wie es für die betroffenen weitergeht, steht noch nicht fest. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich unter den Betreibern umgehört.

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Als eine Katastrophe bezeichnete Lieselotte Grünberger vom gleichnamigen Hotel die kurzfristige Ankündigung des Lockdowns für das Berchtesgadener Land. Sie sei sofort zu ihren Gästen an den Abendtisch gegangen und habe ihnen die Nachricht überbracht. Dabei seien ihr die Tränen gekommen.

Die Gäste nahmen die Nachricht gefasst auf und kündigten dennoch an, wieder kommen zu wollen. Für sie als Vollbluthotelierin sei die Situation schrecklich gewesen, erklärte Lieselotte Grünberger, die ohnehin den lokalen Lockdown gar nicht verstehen kann, weil anderswo teilweise noch mehr Fälle seien.

»Die Politiker haben wohl bewusst einen so markanten und bekannten Tourismusort ausgesucht und so ein Exempel statuiert«, sagt Grünberger, die auf den Sommer verweist, in dem überhaupt nichts passiert sei. »Berchtesgaden ist genauso negativ in den Schlagzeilen wie vor knapp zwei Jahren mit dem vielen Schnee«. Sie befürchtet sogar, dass die Maßnahme die Weihnachtsgäste abschrecken könnte.

»Landrat Bernhard Kern und Bürgermeister Franz Rasp verstehen das scheinbar gar nicht und vergessen, dass sie für uns da sind und nicht umgekehrt«, führte die Gastronomin weiter aus und bezeichnete die Maßnahme als eine Frechheit, denn Hotel- und Restaurantgäste würden aufgrund der strikten Hygienemaßnahmen niemanden anstecken. Dagegen soll der Berchtesgadener Advent unbedingt durchgezogen werden, bemängelt Grünberger.

Das Personal bekam von ihr die Überstunden ausbezahlt, weil Grünberger nicht an einen weiteren Lockdown gedacht hatte. Jetzt müsse das Personal in Kurzarbeit, was sie mit zehn Azubis machen soll, weiß sie nicht. Auch die Waren im Lager könne man wegwerfen, so die Hotelbesitzerin, die auch noch den Gästen ihre Kosten zurückerstatten muss.

Die Chefin vom Hotel »Neuhäusl« in der Oberau, Birgit Rauh, wurde von der Anordnung kalt und unvorbereitet erwischt. »Wir hatten 45 Abreisen, die Kühlhäuser sind voll, es ist schlichtweg eine Katastrophe. Wir hätten noch bis in den November offen gehabt. So werden wir erst wieder an Weihnachten eröffnen«, erklärte Birgit Rauh immer noch schockiert. Ihre Gäste hätten die schlimme Nachricht mit Bestürzung aufgenommen und wollten gar nicht abreisen, weil sie sich auf den schönen Herbsturlaub so gefreut hätten. Einige Gäste hätten nach nur einer Nacht wieder ihre Koffer packen müssen.

Franz Brandner vom Sporthotel »Seimler« hielt Rückblick auf einen sehr guten Sommer mit mehr Gästen als früher. »Wir hatten ein gemischtes Publikum und mir ist weit und breit kein positiver Fall bekannt. Aber jetzt werden wir scheinbar dafür bestraft«, gab er zu bedenken. Ihm fällt die weitere Planung schwer, weil keiner weiß, was passiert.

Das Sporthotel »Seimler« wollte bis Mitte November Gäste beherbergen. Abgereist sind gestern 120 Gäste, die recht gefasst reagiert hätten. »Das alles war auch ein sehr großer Verwaltungsaufwand. Und ich weiß noch nicht, wie es mit dem Personal weiter gehen soll. Denn gerade in der Gastronomie sind gute Leute rar«, so Brandner, der in den nächsten Wochen mit seinem Personal Arbeiten ausführt, die liegen geblieben sind.

Bärenwirt Peppi Haslinger bezeichnet den Lockdown als unverständliche Maßnahme der Regierung, die noch dazu völlig unvorbereitet ausgesprochen worden sei. »Ich habe 20 Angestellte und bin völlig unvorbereitet erwischt worden. Die gesamte Gastronomie hat sich an die Vorschriften gehalten und dann kommt so eine Maßnahme. Wir hatten jeden Tag problemlos Tausend Essen. Berchtesgaden war bis 7. November mit den Allerheiligen-Ferien ausgebucht. Es ist nicht nachvollziehbar. Vor allem stimmen ja die veröffentlichten Zahlen überhaupt nicht. Da wird immer von Infizierten gesprochen, dabei sind sie nur positiv getestet. Wir werden da gehörig an der Nase herum geführt. Und diese Regierung vernichtet Existenzen«, so Haslinger.

Weil Haslinger zumeist etwas einfällt, sind bis zum Sonntag alle Speisen im Straßenverkauf zum halben Preis zu bekommen. Der Wirt vom Gasthaus »Goldener Bär« hat jedoch auch eine Empfehlung für die Regierenden bereit. »Nachdem meine Mitarbeiter jetzt zum zweiten Mal in Kurzarbeit gehen, sollte man dies auch einmal bei den Beamten und Politikern andenken, dann wüssten sie, wie es einem Großteil des Volkes dann geht«.

Susi und Stefan Kraus vom Restaurant »Bauchgfui« trifft der Lockdown nicht so hart wie andere. Sie haben viele Stammgäste, die ihre Speisen auch in Zukunft im Straßenverkauf erwerben werden. Auch die Bevorratung ist für die Wirtsleute kein Problem, weil sie jeden Tag frisch einkaufen. »Mir tun jedoch die Hoteliers und Ausflugsgaststätten sowie die Bergwirte leid, die jetzt noch einmal gehörige Einbußen haben«, bedauert Susi Kraus.

Christian Wechslinger