weather-image
22°
Werke von Hannes Neuhold sind noch bis Pfingstmontag im Tittmoninger Zollhäusl zu sehen

Kunst mit Köpfchen

Die Lage der Tittmoninger »Galerie im Zollhäusl« unmittelbar an der bayerisch-österreichischen Grenze passt perfekt zur Ausstellung des in Lienz lebenden Künstlers Hannes Neuhold. Mit dieser hat Luise Wittmann ganz bewusst eine Brücke geschlagen aus Tittmoning, wo sie lebt, nach Osttirol, wo sie herkommt.

Im Tittmoninger Zollhäusl sind Werke von Hannes Neuhold wie das Triptychon zu sehen, das »Hören«, »Sehen« und »Sprechen« thematisiert. (Foto: Poschmann-Reichenau)

Der in Graz geborene Hannes Neuhold ist auch für die Galeristin selbst eine Neuentdeckung. Er wurde zunächst mit grafischen Arbeiten bekannt, inzwischen hat er längst auch als vielfach ausgezeichneter Maler und Bildhauer einen Namen.

Anzeige

Der Kopf als Motiv im Fokus

Die Schau im Zollhäusl verdeutlicht, dass der Kopf als Motiv nicht selten im Fokus bei Hannes Neuhold steht: Neben Druckgrafik und Malerei (meist Mischtechnik) sind dort auch zwei kleine Skulpturen zu sehen. Eine davon, der »Kunstgucker«, der als Modell aus Karton und Gips ausgestellt ist, steht im Original als dreieinhalb Meter hohe Figur aus Betoneisen, Kunststoff und Reibeputz in Klagenfurt vor der BV-Galerie.

Die Auswahl der in Tittmoning gezeigten Werke, die der Künstler in seinem Lienzer Atelier gemeinsam mit Luise Wittmann vorgenommen hat, folgte vor allem der Vorgabe, dass alles in ein Auto passen musste – und dann in die kleine Galerie an der Salzachbrücke. Gut zwanzig Exponate sind jetzt in den zwei Räumen, Flur und Treppenhaus ausgestellt, und sie vermitteln auf kleinstem Raum einen ausgesprochen runden Eindruck, der neugierig macht auf mehr.

Deutliche Anklänge an die klassische Moderne in Neuholds Akten sind ebenso zu finden wie erstaunliche Parallelen zu Werken der Gastgeberin, die das Gefühl vermitteln, diese Bilder hätten nicht zufällig den Weg ins Zollhäusl gefunden. So etwa in der stark abstrahierenden Landschaft der »Schwarzen Berge«, die nicht nur als beeindruckendes Großformat im Erdgeschoß zu sehen ist, sondern als deutlich kleinere Variante auch im Keller.

Grafische Werke – dem Künstler zufolge »Entspannungsübungen« – kombinieren enigmatisch Zeichnung mit Schrift (»Dr. Schnabel«, der mit seiner Pestmaske auch gut in die Gegend passt), scheinen wie bei Paul Klee aus gedankenverlorenem Gekritzel eher zufällig zum Frauenbildnis zu geraten oder leuchten fröhlich wie aus einem Kinderbuch von der Wand. Tatsächlich gehören die im Flur ausgestellten Katzengesichter zu einem Kinderbuchprojekt, das Hannes Neuhold seit vielen Jahren mit sich herumträgt und das erst kürzlich mit dem Bild »Katzenmond« konkret Form und Titel angenommen hat.

Auch im Untergeschoß dominieren Köpfe. Ein, die berühmten drei »chinesischen Affen« konterkarierendes, Triptychon thematisiert mit feierlichem Ernst »Hören«, »Sehen« und »Sprechen« in auf die jeweiligen Sinnesorgane reduzierten Gesichter. Zwei Bilder aus dem Zyklus »Jazz« hingegen scheinen sich von der Darstellungsfunktion ganz gelöst zu haben: Die Linien sind nur noch Bewegung, Rhythmus, Melodie.

Bei Hannes Neuhold sind Momente des Unheimlichen und Düsteren ebenso zu finden wie eine bezaubernde Leichtigkeit in der Linie und überraschend strahlende Farbgebung, etwa im Sonnengelb der Landschaften und des Katzenmonds oder in einzelnen, leuchtend roten Linien, die Grau- und Schwarztöne akzentuieren.

Die Kraft der reinen Farbe und Linie

Er lotet die Darstellung und ihre Grenzen in seiner Arbeit ebenso aus wie die Kraft der reinen Farbe und der reinen Linie. Hier ist ein Suchender zu Gast, kein in einem Stil Steckengebliebener. Das macht die Ausstellung spannend – und natürlich die titelgebende »Magie des Unfertigen«. In Neuholds Gemälden dominiert eine Mischtechnik, die von Überarbeitung lebt. »Das Bild entwickelt sich, das Ergebnis ist gesteuerter Zufall«, erklärt der Künstler, und so ist jedem Gemälde der Prozess seiner Entstehung deutlich eingeschrieben.

Mit einer humorigen Rede eröffnete Bürgermeister Konrad Schupfner die Ausstellung und stellte den Künstler und die Geschichte seiner Einladung nach Tittmoning kurz vor. Josef Irgmaier gestaltete die Eröffnung musikalisch mit großem Einfühlungsvermögen.

Das Unvollendete und auch regionale Bezüge brachte er an Klavier und Akkordeon spielerisch zum Klingen. Als schließlich Josef Wittmann zum Abschluss der Eröffnungsfeierlichkeiten einige – bislang zum großen Teil noch unveröffentlichte – Gedichte von Maria Neuhold, der Frau des Künstlers, vortrug, geriet das Zusammenspiel zwischen Lyrik und Musik zu einem eigenen, kleinen Kunstwerk. Die extrem verdichteten Texte von oft aphoristischer Kürze schienen in den dazwischen eingestreuten kleinen Klavierimprovisationen noch nachzuklingen. Die zahlreich anwesenden Zuhörer zollten reichlich Beifall.

Die Ausstellung ist bis Pfingstmontag täglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Gerda Poschmann-Reichenau