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Die Grafik zeigt die drei Bauabschnitte am Klinikum Traunstein. (Repro: Kretzmer/Quelle: KSOB)

Eine halbe Milliarde für Bauinvestitionen – Klinikenverbund AG der zwei Landkreise hat große Pläne

Einstimmig entschied der Kreisausschuss Traunstein am Mittwoch, die Bauinvestitionszuschüsse des Landkreises für die Kliniken Südostbayern AG (KSOB) ab 2023 von bislang zwei auf drei Millionen Euro jährlich zu erhöhen. Von 2025 bis 2028 steuert der Landkreis sogar pro Jahr jeweils vier Millionen Euro bei, um die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser in Traunstein, Trostberg, Ruhpolding, Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Freilassing im Zug des Konzepts»KSOB 2.0« nachhaltig zu sichern.


Der Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land als Co-Träger des Klinikverbunds hat bereits entschieden, seine Investitionszuschüsse ebenfalls deutlich anzuheben – von bisher einer Million Euro auf 1,5 Millionen Euro für 2023 und 2024 sowie anschließend auf jährlich zwei Millionen Euro bis 2028.

Die Kreiskrankenhäuser sind nach Worten von Landrat Siegfried Walch das »Rückgrat« der medizinischen Versorgung. Die Kliniken zu errichten und zu unterhalten sei Pflichtaufgabe der Landkreise. Gemeinsam mit dem Klinikverbund habe man das in die Zukunft gerichtete medizinische Gesamtkonzept »KSOB 2.0« entwickelt, das unter anderem den Ausbau des Standorts Traunstein und einen Neubau der Kreisklinik Berchtesgadener Land in Bad Reichenhall beinhaltet. Seit Jahren arbeite die KSOB AG – im Gegensatz zu anderen Kreisen – wirtschaftlich und benötige keine Defizitausgleiche mehr, hob der Landrat hervor. Es sei dringendes Anliegen der Landkreise, das auch künftig sicher zu stellen.

Zum aktuellen Stand informierte Siegfried Walch, in Traunstein werde der Bauabschnitt I gerade umgesetzt. Die Abschnitte II und III würden »zügig« folgen. Für den Neubau in Bad Reichenhall habe das Bauleitverfahren begonnen. Die Planungen für die Gebäude liefen. Dazu der Landrat: »Eine baldige Realisierung des Projekts ist dringend notwendig.« Ansonsten wäre die medizinische Versorgung der Bürger gefährdet. Das bestehende Klinikum könne nur noch wenige Jahre in der bisherigen Form betrieben werden.

Insgesamt steht die KSOB AG laut Landrat Walch mittelfristig vor einem Investitionsvolumen von knapp einer halben Milliarde Euro. Der Freistaat Bayern fördert einen Großteil der Investitionen, einen erheblichen Teil muss die Klinikgesellschaft selbst finanzieren. Hinzu kommt die finanzielle Beteiligung der zwei Landkreise entsprechend ihrem Anteil an der AG. Das gewährleiste »kalkulierbare Kosten« und sei auch günstiger für die Krankenhäuser. Der Landrat betonte: »Unsere Kliniken waren uns bisher viel Geld wert. Ich stehe zu der kommunalen Trägerschaft. Damit schaffen die Landkreise Arbeitsplatzsicherheit und gleichzeitig klinischen Fortschritt.«

Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der KSOB AG, erläuterte zahlreiche Details. Das Gesundheitswesen laufe »auf schwierige Zeiten« zu – von steigenden Kosten bis zu klammen Kassen. Reihenweise seien Klinikträger in die Verlustzone gerutscht. Die vom Bund beschlossenen acht Milliarden Euro für das Krankenhauswesen seien nur für den Betrieb, nicht für Investitionen bestimmt. Zur gegenwärtigen Ertragslage sprach Dr. Gretscher von deutlich gestiegenen Aufwendungen. Unter den Herausforderungen in der Klinikplanung nannte der Referent das Thema »Robotik«: »Wo heute Putzfrauen arbeiten, denken wir über Roboter nach.«

Bei den aktuellen Bauvorhaben sprach Dr. Gretscher von geplanten Investitionen von 11,28 Millionen Euro an der Kreisklinik Trostberg, von 230 Millionen Euro am Klinikum Traunstein von rund 200 Millionen Euro an der Zentralklinik Berchtesgadener Land in Bad Reichenhall. In Traunstein sei ein Neubau erforderlich und möglich. Der Neubau auf dem schon für fünf Millionen Euro gekauften Grundstück in Bad Reichenhall »in bester Lage gegenüber den Rupertus-Thermen« werde »keine kleine Butze auf dem Land«: »Das ist praktisch Traunstein, nur etwas kleiner.« Zurzeit werde das Raum- und Investitionsprogramm erstellt.

Landrat Siegfried Walch eröffnete die Aussprache mit einem »großen Dankeschön« an alle Klinikmitarbeiter: »Sie machen einen guten Job, nicht nur in der Pandemie.« Sämtliche Fraktionen im Kreisausschuss signalisierten ihre Zustimmung zu den künftigen Investitionszuschüssen. Die Diskussion galt zum Beispiel der Personalsituation samt Personalmangel und Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen sowie neue Mitarbeiter zu halten. Dazu verwies Dr. Gretscher auf 50 heuer neu gewonnene Arbeitskräfte aus dem Ausland. Genauso viele wolle man nächstes Jahr zusätzlich akquirieren.

Weitere Themenbereiche waren die Digitalisierung, überbordende Bürokratie und Kindergartenplätze an Kliniken. Der Vorstandsvorsitzende berichtete von Plänen, am Krankenhaus Trostberg eine Kita einzurichten, ebenso in Bad Reichenhall. In Traunstein suche man ständig nach vom Klinikum aus gut erreichbaren Räumlichkeiten. Man habe bereits Partner als Betreiber eines Kindergartens. Die Schichtmodelle mit 7/24, also Betreuung an sieben Tagen rund um die Uhr, seien ein sehr schwieriges Thema.

kd