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Edmund Stoiber – die »Lady Gaga der bayerischen Politik«

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Der Kabarettist Wolfgang Krebs, alias Schorsch Scheberl und Bierdimpfl im Ort, überzeugte bei seinem Auftritt im k1 nicht nur mit einer Grabrede seines Freundes Dankwart, den er kaum kannte. Zusammen mit den Bayerischen Löwen parodierte er auch Seehofer und Stoiber und rechnete schonungslos mit der Politik und den Machern ab. (Foto: Rasch)

Traunreut – So schnell im Gespräch die Rollen und Sprachfärbung zu wechseln ist eine große Gabe, die der Kabarettist Wolfgang Krebs wie kaum ein anderer beherrscht. Seit vielen Jahren predigt der Meister der Parodie, der sich vor allem als Double der Dreifaltigkeit der bayerischen Ministerpräsidenten – Stoiber, Beckstein und Seehofer – einen Namen gemacht hat, von den Festkanzeln. Auch bei seinem Auftritt beim Starkbierfest im ausverkauften k1 in Traunreut rechnete er schonungslos mit der Politik und ihren Machern ab. Neben dem großartigen Wolfgang Krebs waren auch die Bayerischen Löwen unter dem weiß-blauen k1-Himmel ein musikalischer Knaller.


Lacher waren vorprogrammiert, als Krebs als Seehofer unter den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches auf die Bühne kam und gleich loslegte. Ulrike Scharf und Ilse Aigner (»Koan Mo dahoam, aber a Nudelholz«) bekamen ebenso ihr Fett weg, wie Alexander Dobrindt oder Markus Söder. Söder habe als Top-Kronprinz alle Voraussetzungen, um sein Nachfolger zu werden, aber nicht um es zu sein.

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Vortrefflich gelang Krebs auch der Bezug zum lokalen Geschehen. Dabei äußerte er sich auch sehr lobend über die Ausstattung der Festhalle und ihrem österreichischen Macher. »Hier kommen Laptop und Lederhose zusammen«, stammelte er von der Bühne. Er gab auch sein Bedauern zum Ausdruck, dass es in Traunreut kein Starkbierfest mehr gibt. »Iaz is a furt der Herr Monsignore und die CSU a.« »Der Ritter hat gesagt, jetzt mach ma selber was.«

Dazwischen glänzten immer wieder die Bayerischen Löwen vom Egerland-Lied über eine König-Ludwig-Einlage bis hin zum Thermomixsong: »Mit´m Thermomix do geht ois fix – do feid sie nix.« Auch die Bewegungsfahrt des Feuerwehr-Löschzuges sorgte für zusätzliche Würze des gelungenen Abends. Die hochmusikalischen Musiker in Tracht und Haferlschuhen bliesen mit Trompeten, Posaune und Tuba nicht nur einem Herrn Seehofer ordentlich den Marsch. Mit Soul- und Rockeinflüssen revolutionierten sie gewissermaßen den weiß-blauen Musikhimmel, gespickt mit A-cappella-Gesang vom Feinsten.

Grandiose Wortspiele

Grandios waren auch die Wortspiele von Krebs in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber. Leicht verwirrt verwechselte der Ex-Ministerpräsident die Rede zum 65-jährigen Jubiläum der »Augsburger Puppenschachtel äh Kiste« mit dem Traunreuter Manuskript anlässlich sechseinhalb Jahre Traunreuter Volkstheater im betonierten Festzelt (k1). »Sechseinhalb Jahre, ein Tag der Dankbarkeit, Gemeinsamkeit und Freude.«

In seiner leidenschaftlichen Dankesrede stellte er fest, dass er, Stoiber, die einzige Alternative für Deutschland ist. »Wenn es um Reden im Festzelt geht, bin ich die Lady Gaga der bayerischen Politik«. Um ein Stoiberianer zu werden, braucht es Inhalte. Unterstützung holte er sich dabei vom Publikum, das den Bayerntest »Die Glocke« von Schiller erfolgreich bestand. Als Zugabe zitierte der Wortkünstler »Die Bürgschaft« in einer unglaublichen Sprechgeschwindigkeit.

Grabrede für einen kaum bekannten Freund

Bedächtiger ging es bei einer Grabrede zu. Auch diese Rolle hatte Krebs vortrefflich auf Lager. Zur letzten Ehrerweisung seines Freundes Dankwart ertönte von den Bayerischen Löwen der »Alte Kamerad«, ehe Schorsch Scheberl, Bierdimpfl im Dorf, für den Dahingeschiedenen einen Kranz niederlegte. Sein Freund, den er kaum kannte, wurde von einem schweren Schicksal dahingerafft. Er wurde vom billigsten Traktor im Dorf überfahren. In seiner Rolle als Schorsch Scheberl prahlte er auch als Multi-Manager und Vorstand aller 30 Dorfvereine mit einer Super-Jugendarbeit. »Wir haben ein Ganzjahresbierzelt, wo es das Bier für die Jugend umsonst gibt.« So schaffe keiner den Schulabschluss und alle bleiben im Dorf. Als heftig erklatschte Zugabe verabschiedeten sich Krebs als Seehofer und die Bayerischen Löwen mit dem STS-Titel »Fürstenfeld.«

Die Besucher waren rundum begeistert und schwärmten in vollen Zügen. »Logisch sind wir begeistert«, sagte Anton Meier. Der Traunsteiner hatte seinen Nachbarn und Namensvetter mit ay, Robert Mayer, animiert, mitzukommen. Der hat es nicht bereut: »Es war einmalig, schwärmte er und versicherte gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt: »Ich werd jetzt öfters rausfahren.« ga