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Corona-Ausbruch im Berchtesgadener Bürgerheim – 20 Bewohner und Teil des Personals infiziert

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Berchtesgaden: Corona-Ausbruch im Bürgerheim – 20 Bewohner und Teil des Personals infiziert
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Bis zu 44 Personen wohnen im Bürgerheim Berchtesgaden, in Zimmern zwischen 14 und 30 Quadratmetern. Rund 20 sind derzeit Corona-positiv. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Im Bürgerheim Berchtesgaden greift das Corona-Virus um sich. Nach Informationen des »Berchtesgadener Anzeigers« sind derzeit rund 20 Patienten Corona-positiv getestet worden. Auch unter der Belegschaft hat sich das Virus ausgebreitet. Bei 13 Personen haben Tests den Erreger nachgewiesen.


Das Landratsamt Berchtesgadener Land hatte in einer Pressemitteilung am Dienstag über ein »besonders hohes Aufkommen« berichtet, ohne weitere Details zu nennen. Der erste Corona-Fall liegt bereits eine Woche zurück. Damals soll ein Mitarbeiter infiziert gewesen und in häusliche Quarantäne gekommen sein.

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Vergangenen Samstag rückten die Corona-Tester in Schutzanzügen an, die bei Heimbewohnern und Mitarbeitern einen Abstrich vornahmen, wie ein Anwohner berichtet. Das Bürgerheim gehört zur Bruderhausstiftung und gilt als anerkanntes, vollstationäres Pflegeheim.

Laut Webseite des Marktes Berchtesgaden verfügt es über 32 Zimmer zwischen 14 und 30 Quadratmetern. Zwölf davon werden als Doppelzimmer genutzt. Bis zu 44 Personen befinden sich dort parallel in Betreuung. Pflegepersonal kümmert sich 24 Stunden um die Bewohner, die größtenteils ein hohes Alter haben. Einen Heimplatz zu bekommen, gilt als schwierig.

Florian Miciecki, Leiter des Bürgerheims, wollte sich auf Nachfrage unserer Redaktion nicht äußern und verwies an das Gesundheitsamt. Eine schriftliche Anfrage an das Landratsamt am Montag blieb bis Mittwoch, trotz mehrfacher Nachfrage, unbeantwortet.

Dass sich das Virus so schnell ausbreiten konnte, sei dem Heimalltag geschuldet, sagt ein Angehöriger eines Bewohners. Die Situation sei schwierig. Die Mitarbeiter müssen in regelmäßigen Abständen von Zimmer zu Zimmer gehen – allerdings ist das in einem Altenheim Alltag. Auch im Bürgerheim wird seit Monaten verstärkt auf Hygienemaßnahmen geachtet. Eine offizielle Erklärung, wie es zum Anstieg der Infektionen kam, gibt es bislang nicht. Mehrere Bewohner seien weiterhin im Haus untergebracht, andere in die Kreisklinik zur weiteren Beobachtung transportiert worden.

In der Pressestelle der Kliniken Südostbayern darf man keine Auskünfte über eine mögliche Anzahl der Patienten nennen. Dort verweist man ebenfalls auf das Gesundheitsamt. Bewohner, die im Bürgerheim negativ getestet wurden, seien in ein benachbartes Altenheim verlegt worden und sollen dort weiter betreut werden, heißt es.

Das Bürgerheim beschäftigt laut offizieller Angabe 34 Personen in Vollund Teilzeit. Das Arbeitsaufkommen gilt als hoch. Rund ein Drittel der Angestellten ist derzeit in Quarantäne. Das erschwert die Besetzung der Schichten mit Personal, das allerdings dringend benötigt wird. Im Notfall könnte weiteres Personal zugeteilt werden.

Die Regierung von Oberbayern ist Aufsichtsbehörde über die Fachstellen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwickung und Aufsicht (FQA) bei den Landratsämtern und kreisfreien Städten in Oberbayern. Deren Pressesprecher Wolfgang Rupp gab auf Nachfrage des Berchtesgadener Anzeigers an: "Weder wir noch die FQA vor Ort haben die Möglichkeit, zusätzliches Personal in die Einrichtungen zu senden. Es wird jedoch zusammen mit der Einrichtung selbstverständlich intensiv nach Lösungen gesucht. In dem Fall des Bürgerheims Berchtesgaden wurde beschlossen, die negativ getesteten Bewohner zu verlegen, um Entlastung zu schaffen."

Nicht übergegriffen hat das Virus auf das benachbarte Altenwohnheim: Neben dem Bürgerheim betreibt die Bruderhausstiftung das Martin-Beer-Haus. 53 Wohneinheiten gibt es dort, alle Bewohner versorgen sich selbst.

Kilian Pfeiffer