»Schlechinger Murmeltiere« blicken auf über 20 Jahre Vereinsarbeit zurück

»Schlechinger Murmeltiere« blicken auf über 20 Jahre Vereinsarbeit zurück
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Bei der Jahreshauptversammlung der Schlechinger Murmeltiere ging es unter anderem um einen Waldkindergarten, der dem Regelkindergarten angegliedert sein soll. (Foto: Wunderlich)

Schleching – Die Vorstandschaft der »Schlechinger Murmeltiere« kann auf über 20 Jahre Vereinsarbeit zurückblicken. Der Vereinszweck hat sich in dieser Zeit von einem Förderverein für die Einrichtung eines Kindergartens in Schleching über die Erweiterung auf Schulkinder und Jugend bis hin zum Sozialen Netzwerk enorm erweitert. Der Verein trägt maßgeblich zum Miteinander und Füreinander in der Gemeinde bei, wo unspektakuläre Hilfe im zwischenmenschlichen Bereich gefragt ist.


Auf der Jahreshauptversammlung konnten die beiden Vorsitzenden Heike Rubeck-Whitworth und Mareike Angermann nicht viel über die Aktivitäten der letzten beiden Jahre berichten, da auch dieser Verein durch die Corona-Pandemie ausgebremst war. 2020 wurden nur zweimal Kinderkino und eine Faschingsveranstaltung geboten sowie das Ferienprogramm organisiert. Mareike Angermann bedankte sich für die Unterstützung der Eltern dabei und wünschte sich Anregungen von ihnen für neue Aktivitäten für die Kinder.

Die Vorteile eines Waldkindergartens

Das abendfüllende Thema war ein Vortrag über eine andere Form eines Kindergartens, über einen Waldkindergarten. Hier erfahren Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren Erziehung, Bildung und Betreuung außerhalb fester Gebäude, vorzugsweise im Wald. Darüber informierte Kathrin Angerer, die selbst einen Waldkindergarten leitet und somit kompetent aus der Praxis berichten konnte.

Man konnte ihr die Begeisterung für diese Form der Kinderbetreuung anmerken; denn sie führte viele Argumente auf, die für eine Förderung der Gesamtentwicklung der Kinder sprechen. So zum Beispiel das Spielen im Einklang mit der Natur und die Achtsamkeit gegenüber Pflanzen und Tieren. Durch die täglichen Waldspaziergänge und das Spielen mit Naturmaterialien werden die Motorik und die Achtsamkeit gestärkt und die Kreativität gefördert. Die Kinder nehmen die Natur mit allen Sinnen wahr. Kathrin Angerer: »Kinder finden – wenn man sie lässt – instinktiv zum Spiel mit Naturmaterialien. Vor allem die Ruhe tut den Kindern gut«.

Aber, so berichtete sie weiter, es werde auch fleißig gelernt; denn auch bei dieser Betreuungsform müssten die gleichen gesetzlichen Vorgaben wie im Regelkindergarten erfüllt werden. Es wird nur »anders« gelernt, gerechnet wird mit gefundenen Steinen und Stöckchen, geschrieben wird in den Sand, Schneiden, Malen und Schnitzen stehen ebenfalls auf dem Plan.

Der Tagesablauf richtet sich nach den Jahreszeiten und dem Wetter. Die Kinder werden morgens zur Hütte gebracht und dort auch wieder abgeholt. Ansonsten sind sie unterwegs, weshalb sie warme Kleidung brauchen. Nur anfangs sind die Kinder öfter krank, im Laufe der Zeit wird ihr Immunsystem gestärkt, und nachdem sie viel draußen sind, ist auch die Ansteckungsgefahr geringer als im Regelkindergarten.

Bei ganz schlechtem Wetter und im Winter – wenn es sehr kalt ist – ist ein externer Aufenthaltsraum notwendig, der in einem Feuerwehrhaus, Vereinshaus oder dergleichen sein kann. Solche Extremverhältnisse kommen aber nur wenige Male im Jahr vor. Aber auch in der Hütte ist eine Heizquelle nötig, und bei Regen hat sich ein Tipi-Zelt bewährt.

In der zimmergroßen Hütte mit Pergola sind Klappbänke von Vorteil, da sie bei Bedarf für 20 Kinder mehr Platz schaffen durch Hochklappen. Da sich die Kinder meist draußen aufhalten und der Waldkindergarten in der Regel nur von 8 bis 13 Uhr angeboten wird, ist das ausreichend. Vor der Hütte gibt es Baumstümpfe als Sitzplätze und eine Feuerschale. Als Höhepunkt für die Kinder gilt es, am Feuer selbst Stockbrot oder Maroni zu grillen. Selbst behinderte Kinder können im Waldkindergarten als integrative Einrichtung betreut werden.

Die anwesenden Eltern waren sehr interessiert an den Ausführungen und stellten viele Fragen, zum Beispiel wie das »Wasser-Problem« gelöst wird. Kathrin Angerer berichtete aus der Praxis, dass es natürlich perfekt wäre, wenn ein Brunnen in der Nähe ist. Ansonsten werde das Problem mit einem »Wasserdienst« der Eltern gelöst. Dabei bringen die Eltern das Wasser für Getränke und zum Händewaschen vor der Brotzeit in Kanistern. Anstelle einer Toilette gibt es Stellen im Wald, wo die Kinder das kleine und große Geschäft verrichten oder es sind Campingklos im Einsatz.

Hütte mit Pergola als Aufenthaltsraum

»Wir haben eine Hütte mit Pergola als Aufenthaltsraum, andere Waldkindergärten haben dafür einen Bauwagen oder einen Zirkuswagen«. Die Waldgruppe ist Teil einer Einrichtung mit Regel- und Waldgruppen. Der Regelkindergarten liegt etwa 200 Meter entfernt, für Extremwetterverhältnisse wird der dortige Keller genutzt.

Claus Rathje fragte, ob die Kinder nicht später in der Schule Probleme haben, wenn sie plötzlich in einem Raum bleiben müssen. Das konnte die Erzieherin eindeutig verneinen und argumentierte: »Im Tipi und in der Hütte sind es auch engere Räume. Aber bei den Kindern wird eher die Phantasie angeregt durch die mystische Umgebung im Wald und das ganzheitliche Lernen mit Geist, Seele und Körper«.

Christine Zaiser fragte, ob der Aufwand bei dieser Betreuungsform für die Eltern größer sei. Die Antwort war ebenfalls »nein«, es ist nur der Weg bis zum Platz im Wald und der Wasserdienst. Allerdings müssen die Kinder warme Anziehsachen für den Winter haben, damit sie die Betreuungszeit auch wirklich draußen verbringen können. Ihre Einstellung war, dass die Eltern entscheiden müssen, ob ihre Kinder Spaß am Waldkindergarten haben und das für ihr Kind passt. Dafür gibt es Schnuppertage, um zu sehen, ob sich die Kinder wohlfühlen würden. Die Gemeinde Schleching will zu dem Thema eine Informationsveranstaltung am Mittwoch, 24. November anbieten.

Die Leiterin des in den Verein integrierten »Sozialen Netzwerks«, Carmen Haas, konnte ebenfalls nicht von vielen Aktivitäten in 2020 berichten. Das beliebte Seniorenfrühstück konnte wegen der Corona-Beschränkungen nur zwei Mal stattfinden, und auch die Nachbarschaftshilfe war nur eingeschränkt möglich. Es gab 69 Einsätze und 88 telefonische Beratungen. Für die Fachstelle des Sozialen Netzwerks im Rathaus stellt der Verein jährlich 50 Prozent der erwirtschafteten Vereinseinnahmen der Gemeinde zur Verfügung.

Beim Haushaltsplan wurde einstimmig beschlossen, die Mitgliedsbeiträge nicht zu verändern. Zurzeit beträgt der jährliche Beitrag 15 Euro für Einzelpersonen und 20 Euro für Paare. Die aktuelle Mitgliederzahl beträgt genau 100. Für die Schulkinder wurde aus den Vereinsmitteln eine Reckstange und ein Pendelbalken finanziert.

Zweite Bürgermeisterin Elfie Bachmann würdigte die Vorstandschaft und die Mitglieder und fand den Verein, der meist »im Stillen« wirkt, total wichtig. Sie war froh, dass Schleching eine Anlaufstelle für Kinder, Senioren und alle Menschen, die Unterstützung brauchen, hat.

Ein Generationswechsel in der Vorstandschaft

Die erste und zweite Vorsitzende, Heike Rubeck-Whitworth und Mareike Angermann gaben bekannt, dass sie gern ihr Amt bei der nächsten Wahl zur Verfügung stellen wollen und hoffen auf einen Generationswechsel. Ebenso der Kassier Peter Bückemeier-Ziegler. Ein neuer Vorstand soll im nächsten Jahr gewählt werden, also noch genügend Zeit für junge Eltern, um zu überlegen, ob sie sich in diesem Verein engagieren wollen.

wun