Eine gute Zukunft für den Berggasthof Streichen

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Bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags: Am Tisch (von links): Notar Bernhard Gleißner, Anneliese Laute und Hans Strohmayer, dahinter (von links) Dr. Andreas Hänel, Alexander von Hornstein, Thomas und Yvonne Wilde, Johann Böhm. (Fotos: Wunderlich)
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Landtagspräsident a. D. Alois Glück unterzeichnet als erster die Gründungsurkunde der »Streichenfreunde«.

Schleching – Seit 600 Jahren gibt es den Berggasthof Streichen und die oberhalb gelegene Streichenkirche. Eine wechselvolle Geschichte liegt hinter dem Ensemble. Jetzt wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die Stiftung Kulturerbe Bayern und die Yvonne & Thomas Wilde Familienstiftung haben das traditionsreiche Anwesen erworben. Der Eigentümerwechsel folgt auf den überraschenden Tod des legendären und weithin bekannten Wirts Franz Strohmayer im vergangenen November. Käufer und Verkäufer haben vereinbart, über die Kaufsumme Stillschweigen zu bewahren.


Der Kauf des Anwesens ist das Ergebnis eines breiten bürgerschaftlichen Engagements, getragen durch die beiden Stiftungen, sowie der Initiative »Streichenfreunde«, die sich in den vergangenen Monaten – auch gegen viele Widerstände – für den Erhalt des Anwesens in seiner ursprünglichen Form als Gasthof stark gemacht haben.

Landtagspräsident a. D. Johann Böhm (Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Kulturerbe Bayern) wies anlässlich der Unterzeichnung des Kaufvertrags auf die große Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements hin, damit Bayerns Kulturschätze auf Dauer bewahrt und für alle zugänglich bleiben. Den Kauf bezeichnete er für das Kulturerbe Bayern als Glücksfall und als einen weiteren riesigen Schritt zum Erhalt und Denkmalschutz. Den Platz auf dem Streichen sah er als sehr wertvoll, der dazu verführen könnte, ihn zu vermarkten, was mit dem Kauf der zwei Stiftungen jetzt verhindert wurde.

Als großen emotionalen Akt empfand er den Verkauf der Erben Hans Strohmayer und Anneliese Laute, die in dem Haus geboren, gelebt und gearbeitet haben und bedankte sich für das Vertrauen, dass sie »ihren Streichen in unsere Hände« gegeben haben. Er versprach eine behutsame und denkmalgerechte Instandsetzung.

Zugleich lud er die Menschen ein, aktiv den Erhalt des Berggasthofs zu unterstützen und meinte, »Kulturerbe Bayern ist eine Mitmach-Organisation«.

Thomas C. Wilde (Vorstand der Yvonne & Thomas Wilde Familienstiftung) betonte: »Mit dem gemeinschaftlichen Erwerb haben wir sichergestellt, dass dieses einzigartige Ensemble in der Tradition des Franz Strohmayer und mit dem Bekenntnis zur Region Achental den kommenden Generationen unverfälscht erhalten und auf Dauer öffentlich zugänglich bleibt. Ein Wechselbad der Gefühle liegt hinter uns, jetzt wollen wir in die Zukunft schauen.«

In einem Gespräch mit unserer Mitarbeiterin sagte er, dass er sich nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags erleichtert fühle aber auch mit Demut die große Aufgabe sehe. »Es ist ja nicht nur ein Gebäude, was gekauft wurde, es stecken große Emotionen dahinter.« Thomas C. Wilde hofft, dass das Streichenanwesen wieder näher ans Dorf rückt und versprach, neue Aktionen und viele Veranstaltungen zu initiieren. Gemeinnützige Stiftungen müssen kein Geld verdienen, keine Aktionäre bedienen, keine Rendite erwirtschaften, aber können und wollen etwas bewahren für die nächsten Generationen. Der Stiftungs-Vorstand war stolz auf die Entscheidung zum Kauf, die ihm das gute Gefühl gebe, Spuren zu hinterlassen.

Der Streichen ist »ein Stück Bayern pur«

Auch Dr. des. Johannes Haslauer (Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern) bedankte sich bei Familie Strohmayer, dass sie sich für den Verkauf an die beiden Stiftungen entschieden haben. »Der Streichen ist ein ganz besonderer Ort, ein Stück Bayern pur, mehr Bayern geht nicht«, betonte er, »ein Ort, an dem Natur-, Landschafts- und Kulturerlebnis eins werden mit dem Gemeinschaftsgefühl, dem kulinarischen Genuss und einer bemerkenswerten Persönlichkeit, an die wir uns gemeinsam erinnern werden, den verstorbenen Wirt Franz Strohmayer.«

»Es war kein leichter Weg«, meinte Josef Loferer und »jetzt beginnt die Arbeit.« Er versprach zu helfen, wo es geht und wünschte alles erdenklich Gute auf dem Weg. Sein Dank ging an die Familie Strohmayer und an Landrat Siegfried Walch, der ebenfalls einen großen Beitrag zum Gelingen des Verkaufs beigesteuert habe.

 

Gründung der »Streichenfreunde«

Haslauer begrüßte, dass die »Streichenfreunde« unter dem Dach des Kulturerbe Bayern Platz gefunden haben. Er verstand die Gründung als Einladung an alle – aus nah und fern –, Teil der »Streichenfreunde« zu werden und versprach, »ein gutes Gefühl ist dabei ist garantiert, Freude, Gemeinschaft – und die Gewissheit, etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit zu bewirken«. Haslauer bezeichnete das Streichenanwesen »als Wahrzeichen des Bergsteigerdorfs Schleching und des gesamten Achentals. Viele Menschen haben sich in der Initiative »Streichenfreunde« stark gemacht. Sie wird künftig als Ortsgruppe von Kulturerbe Bayern aktiv am neuen Kapitel des Streichenanwesens beteiligt sein.«

Zum ersten Mal gründete Kulturerbe Bayern eine Ortsgruppe und er freute sich, über das Mitwirken des früheren Landtagspräsidenten Alois Glück als prominentem Gründungsmitglied, sagte Haslauer. Glück unterschrieb dann auch gleich als erster die Urkunde. Insgesamt haben zwölf Mitglieder die Gründungs-Urkunde unterschrieben, acht Gemeinderäte, Altbürgermeister Fritz Irlacher, Ortsheimatpfleger Hartmut Rihl und Dr. Haslauer. Sprecher der »Streichenfreunde« sind Thomas Müllinger und Elfie Bachmann.

Thomas Müllinger stellte in einer Retrospektive die Entstehung der Streichenfreunde dar und berichtete von den großen Schwierigkeiten am Anfang und dem Glücksfall, dass Kulturerbe Bayern auf das Objekt aufmerksam wurde und wie perfekt sie als Partner zusammenpassen. Positiv fand er die Möglichkeiten zur Nutzung der Struktur des Vereins und das umfangreiche Mitspracherecht bei Umbau, Pächtersuche, Ausschüssen und Spenden.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung erzählte Müllinger, dass die Streichenfreunde für rund 750 000 Euro Spenden-Absichtserklärungen erhalten haben, die jetzt gut für die Renovierungen verwendet werden können. Die Planungen hierfür laufen direkt an, ein Löwenanteil werde für die neue Küche mit Belüftung gebraucht und für die Heizungs- und Sanitäranlagen unten und im oberen Stock. Die schöne Holzterrasse unter den Kastanienbäumen soll erweitert werden.

Geplant ist eine öffentliche Veranstaltung mit konkreteren Angaben und Informationen, wie Bürger sich engagieren und mithelfen können.

Das Küchenkonzept soll geändert und dann nach einem geeigneten Pächter gesucht werden, wobei er verriet, dass man schon jemand im Auge habe.

Es wird in der Gemeinde einen Ausschuss zur Beteiligung an den Streichenfreunden geben, zwei Sitze gehen an Kulturerbe Bayern, zwei an die Stiftung Wilde, ein Sitz an den Bürgermeister, ein Sitz für Thomas Müllinger und ein Sitz ist noch offen. Auf jeden Fall stellt sich der Sprecher vor, dass der Bürgermeister, die Gemeinde und das Landratsamt in die Entscheidungen mit eingebunden werden. Die Wieder-Eröffnung ist für Mitte nächsten Jahres geplant.

Zweite Bürgermeisterin Elfie Bachmann war froh, dass der monatelange Nervenkrieg jetzt vorbei ist und sich durch die glückliche Fügung mit den beiden Stiftungen alles geklärt hat. Sie sprach von einem »Anstoß auf eine gute Wendung« in der zeitweise recht verfahrenen Situation. Bachmann dankte allen, die zum Gelingen beigetragen haben, auch besonders denen, die im Hintergrund gewirkt haben und eher die leisen Töne hatten.

Landrat Siegfried Walch: »Frieden zulassen«

Landrat Siegfried meinte, dass der Streichen zum Symbol des Streits geworden ist, habe ihn traurig gemacht. Das hätten die Besitzer ganz sicher nicht gewollt, der Streichen – die Kirche und das Wirtshaus – stehen dafür, dass die Menschen zusammenkommen. Walch wünschte sich, dass jetzt Frieden zugelassen wird und der Streichen ein Ort bleibt, der jetzt für alle wieder zur Verfügung steht. Ein Ort zum Zusammenkommen für die ganze Heimat. Er freute über die Menschen, die sich so für den Erhalt des Streichens und ihre Heimat eingesetzt haben.

Alle Beteiligten sprachen ihren großen Dank an die Erben Hans Strohmayer und Anneliese Laute für ihre Geduld und ihr Entgegenkommen aus und versprachen, den Berggasthof im Sinne der Erben – und auch im Sinne des verstorbenen Franz Strohmayer – weiterzuführen.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von den Schlechinger Alphornbläsern.

wun