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In Bergen gibt es wieder eine Faschingshochzeit

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Faschingshochzeit in Bergen
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Dieses historische Foto ist bei der Faschingshochzeit im Jahr 1938 entstanden.

Bergen – Auf Hochtouren laufen in der Gemeinde Bergen derzeit die Planungen für die Faschingshochzeit, die am 3. März, dem Faschingssonntag, über die Bühne gehen soll. Unter der Federführung von Georg Anfang, der auch schon bei der letzten Faschingshochzeit im Jahr 2009 die Leitung übernommen hatte, beteiligen sich alle acht Ortsvereine an der Planung.


Die Bergener Faschinghochzeit ist nachweisbar erstmals 1886 über die Bühne gegangen. Die »Urheber« waren die Maxhüttler und in der Hüttenschenke wurden die Zeremonien »ausgeschnapst«. Dort wurden auch die tragenden Personen – Progoder, Hennerklemmer, Hochzeiterin/Hochzeiter – bestimmt. Mündlichen Überlieferungen zufolge soll der erste Hochzeiter der Eicher-Xari gewesen sein. Ab 1912 kann durch Fotos und Zeitungsberichte lückenlos nachgewiesen werden, welchen Personen jeweils welche Funktion oblag. Seit jeher wird die Bergener Faschinghochzeit überwiegend in historischem Trachtengwand gefeiert.

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Der Ablauf entspricht genau den Bräuchen und Gepflogenheiten der Bauernhochzeiten um die Jahrhundertwende. Nur eben faschingszünftig, leger und locker und mit einem lustig-komischen Anstrich. Dafür spricht ein »ehrengeachteter, lediger Bauernbursch« und eine »tugendbedürftige, gleichwohl aber längst überstandige Jungfrau«.

Seit ihrer Entstehungszeit wird die Faschinghochzeit getreu der Überlieferung abgewickelt. Vom Progoder bis zum Hennerklemmer, von der B'schau und vom Kranzbinden bis zu den eisenbereiften Wagen mit Bauernrössern, Kammertwagen, Geldesel, dem Aufwecken, dem Kranzlpaar, den Vettern und Basen bis hin zum Weisen wird alles nach den vorhergehenden Bergener Faschinghochzeiten nachvollzogen.

Die ganze Bevölkerung ist willkommen

Selbst auf alte Ladersprüchl und »Kopulierungstexte« sowie Ansprachen beim Weisen wird jeweils zurückgegriffen. Durch die strenge Anlehnung an die Ursprünge hat das Institut für Volkskunde der Kommission für Bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Bergener Faschinghochzeit ins Archiv genommen. Dass von Anfang an auch »Grattlerwagen und Zigeuner« dabei waren, wird von alten Leuten so gedeutet: Nicht nur die bäuerliche Bevölkerung mit festlichem, historischem Trachteng'wand und die gutbessere Schicht mit Frack und Zylinder sind zu dieser Gaudi willkommen, sondern auch Grattler, Beutelschneider, Korbflicker und Hausierer.

Abweichend von »Bettelhochzeiten« ist in Bergen immer der Bräutigam ein Mann und die Hochzeiterin eine Frau. Ist die Hochzeiterin groß und breitschultrig, dann ist der Bräutigam ein kleines, schmächtiges Mandl, ist hingegen die Hochzeiterin zart und klein, dann ist der Hochzeiter ein mächtiges Mannsbild.

Nach den Faschingshochzeiten in den Jahren 1912, 1920, 1938 und 1949 fand sich 1959 erstmals kein Initiator und es wurde pausiert. Auch 1969 schien der alte Bergener Brauch endgültig in Vergessenheit zu geraten. Georg Anfang nahm schließlich die Aufgabe in die Hand, motivierte die Behördlichkeit und scharte acht Ortsvereine um sich, um die große organisatorische Leistung gemeinsam bewältigen zu können. Mit Sigi Rappl hatte er einen Mitstreiter gefunden. Die »alte Tracht« wurde jedoch nur ungern herausgegeben, sodass sich Progoder Georg Anfang, Hennerklemmer Sigi Rappl und Hochzeiterin Marianne Utzmeier das erforderliche G'wand zum Teil in Ruhpolding, Scharam, Spatzreit, Hochberg und sogar in Kössen/Tirol besorgen mussten.

Kein Jawort auf dem Misthaufen

Im Zuge der Vorbereitung auf die faschingszünftige Bauernhochzeit im Jahr 1979 wurden Stimmen laut, anstelle der alten Tracht generell schwarze Anzüge, Frack, Zylinder, Melonen oder Schlapphüte einzusetzen. In Leserbriefen in der Tagespresse wurde auf die Organisatoren Druck gemacht und selbst eine Vorladung in das Trachtenheim mit dem Gauvorsitzenden wurde anberaumt. Mit dem Argument, die Bergener Faschinghochzeit sei eine alte Tradition mit Stil und keine Bettelhochzeit mit dem Jawort auf dem Misthaufen, konnte sich das Ladergespann mit Georg Anfang, Sigi Rappl und Schorsch Lichtmanegger schließlich durchsetzen.

Im Jahr 1989 sorgten Progoder Georg Anfang, Hennerklemmer Herbert Pletschacher und Hochzeiter Sigi Rappl jr. für Sitt' und Ordnung. Die Faschingshochzeit hatte sich inzwischen zu einer überregional bekannten Brauchtumsveranstaltung entwickelt. Mehr als 5000 Zuschauer kamen.

Etwas komplizierter wurde es dann 1999. Die persönliche Einladung aller Haushalte ist durch den Bevölkerungszuwachs auf nun weit über 2000 Haushalte nicht mehr möglich. Es wurde deshalb neben »Team I« mit Progoder Georg Anfang, Hennerklemmer Herbert Pletschacher und Hochzeiter Adolf Gries jr. mit Reserveprogoder Thomas Heindlmeier, Reservehennerklemmer Simon Pletschacher und Reservehochzeiter Bernhard Speckbacher ein zweites »Ladergespann« gebildet.

Auch bei der letzten Faschingshochzeit im Jahr 2009 gab es zwei Teams. Progoder Thomas Heindlmeier, Hennerklemmer Simon Pletschacher und Hochzeiter Niki Hächl, setzten die große Herausforderung in bewährter Weise fort. Zum zweiten Team gehörten Josef Gehmacher jr., Stefan Reithmeier und Matthias Pletschacher.

Arbeit und Erlös werden aufgeteilt

Auch für die Faschingshochzeit im kommenden Jahr wird es zwei Laderteams geben. Zum ersten gehören Progoder Stefan Reitmeier, Hennerklemmer Simon Pletschacher und Hochzeiter Michael Mörtl. Das zweite Laderteam besteht aus Reserveprogoder Anton Heindlmeier, Reservehennerklemmer Simon Rappl und Reservehochzeiter Matthias Aicher. Sie laden die Bergener Bevölkerung ab dem Dreikönigstag zum »großen Verspruchstag« ein.

Die Arbeit und auch der Reinerlös am Ende der Veranstaltungen werden aufgeteilt. So haben es die acht an der Planung beteiligten Ortsvereine – die Feuerwehr Bergen, die Feuerwehr Holzhausen, der Trachtenverein, die Feuerschützengesellschaft, die Krieger- und Soldatenkameradschaft, die Musikkapelle, der Skiclub und der TSV Bergen – beschlossen. fb