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Wenn die Orgel schweigen muss

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Cäcilia Sommer ist seit 20 Jahren für die Kirchenmusik in Teisendorf zuständig. (Foto: Monika Konnert)

Teisendorf – Keine Gottesdienste, keine Chorproben, keine musikalischen Aufführungen zu den großen Feiertagen, wie Ostern oder vielleicht auch Pfingsten – eine ungewöhnliche Situation nicht nur für das Seelsorgeteam oder die Gläubigen im Pfarrverband, sondern auch für die Kirchenmusikerin Cäcilia Sommer.

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»Es ist nicht so, dass mir langweilig wird«, sagt sie, »denn es gibt für mich auch viel zu tun, was man nicht hört oder sieht, wie üben, Gesangstücke und Messen aussuchen, die Noten für die Chöre vorbereiten, Pläne entwerfen für die Zeit nach der Rückkehr zur Normalität.« Und dennoch fehlen ihr ihre »Dienste« wie sie es nennt, das heißt, die Gottesdienste, die sie musikalisch gestalten oder begleiten muss in den Pfarreien St. Andreas Teisendorf und St. Georg Oberteisendorf und die vielen Chorproben, die wöchentlich anfallen. Und es fehlen ihr sehr die sozialen Kontakte, die eine Chorgemeinschaft ausmachen.

Auch den Chormitgliedern gehe es nicht anders, erzählt sie, deshalb versuche man, über die digitalen Medien in Kontakt zu bleiben. Der direkte wöchentliche Kontakt bei den Proben könne damit aber niemals ersetzt werden.

Seit 20 Jahren ist Cäcilia Sommer für die Kirchenmusik in Teisendorf zuständig. Die Freilassingerin hatte ihr Studium der Kirchenmusik und Pädagogik in Regensburg noch gar nicht richtig abgeschlossen, als sie der damalige Pfarrer Monsignore Karl Ellmann nach Teisendorf »lockte«. Sie hat es nie bereut und fühlt sich nach eigener Aussage sehr wohl hier. Und die Teisendorfer wissen, was sie an ihr haben. Ihr Terminkalender ist in normalen Zeiten prall gefüllt, denn neben der Hauptaufgabe als Organistin leitet sie insgesamt zehn Chöre in Teisendorf und Oberteisendorf: sechs für Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen, zwei Kirchenchöre, den Seniorenchor und den Lobpreis-Chor. Bis auf Letzteren, der sich nur einmal monatlich trifft, proben die anderen neun jeweils einmal die Woche. Auch an der Musikschule Teisendorf ist sie als Lehrerin aktiv. Zudem gestaltet sie musikalische Projekte, wie zuletzt das Musical »Ein Platz im Himmel«, das wegen seines großen Erfolgs zweimal wiederholt werden musste. Der Erlös kam, wie auch bei anderen von ihr angeregten Initiativen, der neuen Orgel in Oberteisendorf zugute.

»Ich bin froh, dass wir noch vor Corona so viele Konzerte für die Orgel machen konnten. Jetzt geht gar nichts mehr«, so Sommer. Sie habe in den letzten Tagen und Wochen immer stärker gemerkt, was es bedeuten kann, wenn man arbeitslos ist. Und habe sich an ein Gespräch mit einem Freund erinnert, der angeregt habe, ab und zu die Arbeitslosen in die Fürbitten der Messe miteinzuschließen. Sie selbst sei in der glücklichen Lage, Sicherheit und eine Perspektive zu haben, die diesen Menschen fehle. Das habe sie sehr nachdenklich gemacht. Und dann erzählt sie von ihrem ganz persönlichen Erlebnis in der Osterzeit. Sie durfte nämlich dabei sein als am Palmsonntag, an den Kartagen und in der Osternacht die Seelsorger und Diakone des Pfarrverbands in der leeren, verschlossenen Kirche gemeinsam die Liturgie feierten, die sie musikalisch begleitete. »Als ich am Gründonnerstag nach dem Gloria, ab dem die Orgel schweigen muss, von der Empore nach vorne in den Altarraum durch die leere Kirche ging, erfassten mich ein komisches Gefühl und eine tiefe Dankbarkeit, dass ich das Privileg hatte, diese Tage mitfeiern zu dürfen. Vielen Menschen blieb das wegen Corona verwehrt. Sie konnten nur an den Fernsehschirmen dabei sein«.

Das schöne Wetter mache ihr das Warten auf die Zeit danach, wenn die Orgel nicht mehr schweigen muss, einfacher. Dennoch warte sie ungeduldig darauf wieder richtig loszulegen, erzählt sie. Sie freue sich auf die Proben mit den vielen Sängerinnen und Sängern. Dass dies auf Gegenseitigkeit beruht, darüber muss sich Cäcilia Sommer keine Sorgen machen. kon

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