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»Wir müssen in Zukunft die Nachwuchsförderung optimieren«

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Herbert Fritzenwenger, der Vorsitzende des SC Ruhpolding, ist beim Biathlon-Weltcup auch Vizepräsident des Organisationskomitees. Er hofft am Wochenende auf gute Ergebnisse der deutschen Biathleten. (Foto: Brenninger)

Bei der Sprint-Siegerehrung der Männer im Champions-Park am Donnerstagabend wurde eines wieder ganz deutlich: Ohne den SC Ruhpolding und seine Mitglieder geht es in den Weltcup-Tagen nicht!


Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler sagte in seiner Ansprache: »Der Skiclub Ruhpolding ist das Rückgrat dieser Veranstaltung.« Er ergänzte in Richtung Jubiläum des Vereins: »100 Jahre sind ein ganz entscheidendes Datum!«

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Seit vergangenem Jahr ist Herbert Fritzenwenger wieder Vorsitzender des SC Ruhpolding. Der ZDF-Experte kennt sich in Sachen Biathlon aus und spricht im Interview mit unserer Sportredaktion Klartext, was dem Sport aktuell fehlt.

Der SC Ruhpolding wird in diesen Tagen immer und überall lobend erwähnt. Ist man da als Vorsitzender besonders stolz, Herr Fritzenwenger?

Natürlich ist man stolz. Es ist aber auch eine große Verpflichtung, die wir haben anlässlich von 100 Jahren sehr erfolgreicher Arbeit, denn die muss ja auch weitergeführt werden.

Welche Verpflichtung meinen Sie konkret?

Unsere Verpflichtung besteht auch ganz klar darin, den Nachwuchs zu fördern. Die Nachwuchsförderung müssen wir in Zukunft weiter optimieren. Ich will gemeinsam mit meiner Mannschaft angehen, dass wir gute Trainingsmöglichkeiten schaffen. Damit der Nachwuchs Spaß und später dann natürlich Erfolg hat!

Sie haben bei der Eröffnungsfeier anklingen lassen, dass derzeit mit Andreas Wellinger ein Skispringer das Aushängeschild des Vereins ist. Gibt es auch bald mal wieder einen erfolgreichen Biathleten in den Reihen des SCR?

Das Schöne ist, dass wir sehr viele Skispringer mit Qualität haben. Das macht mich sehr stolz und zufrieden. Traurig ist, dass der Skiclub Ruhpolding im 
Biathlon sehr viel bewirkt. Nur weiß das natürlich niemand. Denn alle Kinder in der Region trainieren beim Skiclub Ruhpolding, starten aber für ihre Vereine. Das ist etwas, das kann nicht sein. Diesen Zustand wollen wir auch ändern.

Wie soll das gehen?

Wer mit unseren Trainern trainiert und unsere Anlagen nutzt, der kann bei seinem Verein bleiben, aber der Verein muss das dann dem Skiclub Ruhpolding bezahlen oder der Athlet geht zu uns und niemand muss etwas bezahlen.

Wie sehen Sie den deutschen Biathlon gerade generell aufgestellt?

Das, was wir jetzt gerade im Augenblick erleben, ist das Resultat der Arbeit aus den vergangenen Jahren. Bei den Herren ist das sehr gut. Das funktioniert nach dem System, das wir bisher hatten. Ich freue mich, dass wir so eine starke HerrenMannschaft haben. Bei den Frauen ist es so, dass wir alle gemeinsam strukturelle Probleme erkannt haben. Wir müssen uns miteinander überlegen, wie wir künftig vorgehen wollen.

Was passt denn an der Struktur aktuell nicht?

Struktur schafft Erfolg – und die haben wir aktuell zu wenig in unserem System. Das ist auch den Riesenerfolgen von Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier geschuldet, die alles überdeckt haben. Wir haben jetzt aber mit Bernd 
Eisenbichler und Zbigniew Szlufcik zwei ganz hervorragende Leute, die zusammen mit Sportdirektorin Karin Orgeldinger jetzt daran arbeiten. Das ist eine große Aufgabe – es geht auch nicht von jetzt auf gleich.

Der Mittwoch war in Ruhpolding mit 8000 Zuschauern schwach besucht. Kann das auch an den fehlenden Erfolgen der deutschen Damen liegen?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Die WM in Antholz hat enormen Zuspruch, das merken wir. Es kann aber natürlich auch sein, dass durch die fehlenden Erfolge bei den Frauen der eine oder andere Zuschauer nicht kommt. Dem müssen wir ins Auge sehen, das ist bitter für einen Veranstalter.

Am Wochenende rechnen Sie aber mit einem vollen Haus. Was trauen Sie dem deutschen Team dann zu?

Bei den Herren muss in der Staffel das Ziel ein Podestplatz sein. Aber die Strecken in Ruhpolding sind schnell, die Rennen sehr eng. Es kann alles passieren. Im Verfolger hoffen wir bei den Frauen auf ein kleines Wunder. Ein Platz unter den ersten fünf wäre ein großartiger Erfolg als Zwischenschritt. Bei den Herren ist alles möglich. Die Abstände sind knapp. Da muss man sich überraschen lassen.

Nach dem Biathlon ist in Ruhpolding auch wieder vor dem Biathlon: Für euch beginnen also am Montag die Vorbereitungen für die Sommer-Biathlon-WM...

Die Sommer-WM ist für den Skiclub das emotionale Highlight. Wir sehen es auch als kleines Dankeschön. Der Sommer bietet tolle Möglichkeiten. Ich finde, die IBU muss diese Wettkämpfe auch etablieren. Wir wissen ja nicht, wie sich das Wetter weiterentwickelt. Wir müssen auch Erfahrung sammeln mit großen Wettkämpfen im Sommer, damit wir vielleicht Alternativen in zehn oder 15 Jahren haben. Man darf nicht plötzlich feststellen: Jetzt haben wir keinen Schnee mehr, jetzt wissen wir nicht mehr, was wir tun sollen. Wir freuen uns jedenfalls auf die WM!

Stephanie Brenninger