Situation der Schweinehalter ist problematisch – Bauernverband fordert mehr Wertschätzung für das regionale Produkt

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Die Schweinezucht bereitet den heimischen Landwirten derzeit große Probleme. Foto: dpa

»Katastrophale Erzeugerpreise, hohe Kosten, ständig wachsende Anforderungen insbesondere beim Tierwohl, fehlende Planungssicherheit« und einige andere Faktoren mehr beklagte BBV-Geschäftsführer Matthäus Michlbauer bei einer Gesprächsrunde des Bayerischen Bauernverbands mit Blick auf die Schweinehalter. In der Runde beschloss man daher, ein Positionspapier zu erarbeiten, das man an die großen Lebensmitteleinzelhandelsketten schicken will. Vertreter des BBV, des Landwirtschaftsamts, der Viehvermarkter und der Metzgerinnung waren sich bei dem Gespräch einig, dass schnell was geschehen muss, um die letzten Schweinehalter in der Region zu erhalten.


Hans Zens vom Landwirtschaftsamt Traunstein berichtete, dass sich in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land von vor wenigen Jahren noch 64 Haltern jetzt nur noch 34 übrig seien, die statt vorher 3400 nur noch 1500 Zuchtsauen halten. Die Region sei damit in Bezug auf Schweinefleisch unterversorgt und müsse Fleisch einführen. Bayernweit ging die Zahl der schweinehaltenden Betriebe von 7600 im Jahr 2010 auf 4200 im aktuellen Jahr um 45 Prozent zurück.

Preise steigen, Erzeuger erhalten weniger

»Während der Preis an der Ladentheke in den letzten zwei Jahren um fast einen Euro je Kilo gestiegen ist, sind die Erzeugerpreise um 50 Cent gesunken. Und das bei ständig steigenden Anforderungen an die Schweinehaltung«, sagte der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl bei einem Krisengespräch zum Thema.

Ein großes Problem sieht Franz Mitterberger, Bereichsleiter Schweinevermarktung der Vieh-Vermarktungsgenossenschaft Oberbayern, darin, dass die vier großen Lebensmittelketten Preis und Anforderungen an die Bauern diktierten. Sie könnten mit Verträgen über ein oder zwei Jahre nicht in Tierwohl investieren. Die Verbraucher müssten hochwertiges Fleisch zum angemessenen Preis beim Metzger kaufen und billiges nicht im Supermarkt. Lippenbekenntnissen zur Regionalität und zum Tierwohl der Verbraucher folgten oft leider keine Taten, am Ende griffen sie doch wieder zu den Billigangeboten, so Mitterberger Landwirte müssten selbstbewusster auftreten und zeigen, was die bayerischen Bauern jetzt bereits leisten. CO2-Neutralität, selbst produziertes Futter, kurze Wege, Flächengebundenheit, Nachhaltigkeit seien alles Argumente, die für die Schweinehalter in der Region sprächen, aber zu wenig beachtet würden.

Josef Sprenger, Obermeister der Metzger-Innung TS/BGL, bot an, er könnte sich einen Mindestpreis für Schweinefleisch vorstellen, wenn es auch einen Höchstpreis gebe, »damit auch der Metzger sein Auskommen hat«. Derzeit bekommt ein Bauer in der Regel 1,20 Euro für ein Kilo Schweinefleisch. Notwendig wären 1,50 bis 1,60 Euro zur Kostendeckung. »Wenn der Preis so niedrig bleibt und das noch ein halbes Jahr so weiter geht, gehen bei vielen Schweinehaltern die Lichter aus«, so Mitterberger.

Herkunftsnachweise schaffen Vertrauen

Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer, dass mehr Werbung für heimisches Fleisch gemacht werden müsse. »Schweinefleisch ist anonym, keiner weiß, von welchem Bauern es kommt«, kritisierte Hans Zens. Wenn der Verbraucher wisse, von welchem Hof das Schnitzel stammt, schaffe das Vertrauen.

Frank Janetzky, Schweinehalter aus Traunwalchen, lädt Schulklassen und Vereine ein, sich bei ihm umzuschauen. Allerdings sei die Zahl der Metzger und Schlachtbetriebe in der näheren Umgebung drastisch zurückgegangen. So müssten die Tiere teils weit gefahren werden. In der größten Stadt im Landkreis beispielsweise gebe es keinen Metzger mehr und auch in Traunstein werde nicht mehr geschlachtet.

Matthäus Michlbauer kritisierte, die Politik schaffe es nicht, die Afrikanische Schweinepest einzudämmen. Für Mitterberger ist klar erkennbar: »Das erklärte Ziel ist die Reduzierung der Tierhaltung generell.« Deshalb gehe man so halbherzig damit um.

Vom Lebensmittelhandel fordern die Gesprächsteilnehmer eine verpflichtende Kennzeichnung auf allen Produkten einschließlich Verarbeitungsware, aus der klar ersichtlich ist, wo das Fleisch herkommt. Metzger Josef Sprenger wünscht sich, dass kein abgepacktes Fleisch mehr angeboten werden darf. Gerhard Langreiter, Vorsitzender Fleischerzeugerring Mühldorf/Traunstein, brachte den Begriff »faire Sau« ähnlich der Fairtrade-Produkte ins Gespräch. mix