Prozess gegen Lehrerin in Traunstein: Schülerin am Pullikragen gepackt – Wie Schulamt und Lehrerverband mit Vorwürfen umgehen
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Foto: Symbolbild (dpa)

Siebeneinhalb Jahre Haft: »Falscher Polizist« muss ins Gefängnis

Für siebeneinhalb Jahre schickte die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler einen 22-Jährigen aus Mannheim ins Gefängnis. Der Bulgare hatte gestanden, innerhalb von fünf Monaten bei acht betagten Geschädigten im süddeutschen Raum als »falscher Polizist« im Auftrag einer kriminellen Bande Beute im Wert von knapp einer halben Million Euro abgeholt zu haben. Allein eine 84-jährige Dame aus Neuötting büßte Gold und Geld im Wert von 159.000 Euro ein.


22-Jähriger fungierte als »Abholer«

Der 22-Jährige fungierte innerhalb der Organisation mit Sitz in der Türkei als »Abholer« beziehungsweise als Fahrer eines anderen Tatverdächtigen. Bei der Masche mit »falschen Polizisten«, erfundenen »Kripobeamten«, »Staatsanwälten« oder auch »betrügerischen Bankangestellten« werden vorwiegend alte Menschen telefonisch und unter großem psychischen Druck von »Keilern« dazu gebracht, ihre gesamten Wertsachen – von Bargeld über Schmuck bis zu Goldbarren oder Münzsammlungen – ihnen völlig unbekannten Personen auszuhändigen. Den Opfern wird suggeriert, bei ihnen würde demnächst eingebrochen, stehe doch ihre Wohnadresse auf der sichergestellten Liste einer Einbrecherbande. Besonders perfide sind die Telefonnummern der Anrufer, der so genannten »Keiler«: Mit Hilfe modernster Technik erscheinen auf den Displays potenzieller Opfer die Telefonnummern örtlicher Polizeidienststellen. Die von »Abholern« kassierten Wertsachen verschwinden auf Nimmerwiedersehen in der Türkei. Ein Detail am Rande dieses Prozesses war: Der Angeklagte und der andere Tatverdächtige, gegen den noch ermittelt wird, hatten vereinnahmtes Geld für sich abgezweigt und quasi die Hintermänner »betrogen«.

Ursprünglich hatte die Sechste Strafkammer die Hauptverhandlung auf sechs Tage terminiert. Durch das am ersten Prozesstag von den Verteidigern Dr. Maria Miluscheva aus München, Dr. Philipp Hug aus Heidelberg und Stefan Neudecke aus Traunstein angekündigte Geständnis des Angeklagten konnte das Gericht zahlreiche Zeugen ausladen, darunter alle acht Geschädigten. Zwei von ihnen waren gleich zweimal auf die Bande hereingefallen.

Staatsanwalt Felix Hohenleitner beantragte wegen zehn Fällen des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten. Die Verteidiger hielten sechs Jahre Haft für ausreichend. Die Kammer erkannte auf sieben Jahre sechs Monate. Den erheblichen »Strafrabatt« habe der 22-Jährige in erster Linie seinem Geständnis zu verdanken.

Für die alten Menschen wären die Anreise und eine nochmalige Aussage sehr belastend gewesen, so die Vorsitzende Richterin. Auch jüngere Leute seien nicht davor gefeit, auf derartige betrügerische Anrufe hereinzufallen, wenn etwa schwere Unfälle naher Angehöriger vorgetäuscht würden. Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler nahm die Polizei in Schutz, die sich häufig Vorwürfe über mangelnde Aufklärung solcher Taten oder zu wenig Prävention anhören müsse: »Die Polizei hat so viele Aufgaben. Sie muss zu jeder Demo gehen und kann nicht alles leisten.«

Im Übrigen sei die Struktur der Banden, die Telefonbetrug betreiben, schwer zu durchschlagen. Abholer wie der Angeklagte, die von lokalen »Logistikern« alle Anweisungen bekommen, wüssten nichts über die Leute weiter oben in der Hierarchie. Abschließend riet die Vorsitzende Richterin dem Angeklagten, bei den Taten noch Heranwachsender, sich während der Haftzeit um eine Ausbildung zu bemühen. In Bayern sei das möglich. Den vom Angeklagten zu zahlenden Wertersatz legte die Sechste Strafkammer mit 452 740 Euro fest. kd