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»Künstlerleben« aus Sicht des Musikkollegiums

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Die Sopranistin Anna Karmasin gestaltete das »Walzerlied der Musette«. (Foto: Kaiser)

Irgendwie war das traditionelle »Faschingskonzert« des Musikkollegiums Traunstein in die Fastenzeit geraten, doch das Stammpublikum ließ sich davon nicht irritieren und genoss bei vollem Haus bezaubernde Musik aus Oper, Operette und Konzert in der Aula der Berufsschule. Der Blumenschmuck auf dem Orchesterpodest vermittelte schon, auch wenn es draußen »zapfig« kalt war, eine frohe Ahnung von Frühling.


Fröhlich klang auch der Begrüßungsmarsch »Unter dem Doppeladler des österreichischen »Marschkönigs« Josef Franz Wagner (1856 bis 1902), einem Militärkapellmeister und Betreiber einer populären Privatkapelle in Wien. Aus dem »leicht komischen Genre« stammte die Ouvertüre zu Adolphe Adams (1803 bis 1856) Oper »La Poupeé de Nuremberg«, in der sich ein Nürnberger Uhrmacher eine Puppe als Schwiegertochter baut, die zwar recht hübsch ist und gut singen kann, ihn aber ziemlich sekkiert.

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Die zwei folgenden Nummern aus dem Programm waren leidenschaftlichen und unangepassten Frauen gewidmet. Das sehr behutsame Vorspiel zu »La Traviata« von Giuseppe Verdi (1813 bis 1901) galt der Edelkurtisane Violetta, das verführerische Walzerlied der Musette findet sich in Giacomo Puccinis (1858 bis 1924) Oper »La Boheme« und bot der jungen Sopranistin Anna Karmasin die Möglichkeit zu einer makellosen Gestaltung mit Feingefühl und Überzeugungskraft.

Sinfonischer Glanz des Orchesters beeindruckte die Zuhörer beim »Intermezzo sinfonico« aus »Cavalleria Rusticana« von Pietro Mascagni (1836 bis 1945). Ein Lied bedingungsloser Treue war die anrührende, überzeugende Arie »Gerne will ich dir vertrauen«, die endlich auch belohnt wird nach all den Wirrungen und Zweifeln der Oper »Die verkaufte Braut« von Bedrich Smetana (1824 bis 1884). Aus dieser Oper stammte auch der »Tanz der Komödianten, der, mit böhmischem Schwung und musikantischem Gestus musiziert, in die Pause führte.

Den zweiten Konzertteil eröffnete die Ouvertüre zur Operette« Waldmeister«: diffizil und graziös kostete Augustin Spiel mit seinen Musikern alle Feinheiten aus, die der Walzerkönig Johann Strauß (Sohn) (1858 bis 1899) so verlangt: edler Hörnerklang, feinsinniges Gewebe der Holzbläser, punktgenaue Pizzikati, weitgespannte Melodiebögen der Streicher, schneidige Trompeten und schmetternde Posaunen und ein präzise-differenziertes Schlagwerk.

Der hübschen, fein gegliederten Polka Mazur »Tanz-Poesie« von Karl Michael Ziehrer (1843 bis 1922) folgte »Künstlerleben«, ein groß angelegter Konzertwalzer des Walzerkönigs, der nach der schmerzvollen Niederlage von Königgrätz (1866) gegen die Preußen zur Ermunterung der Wiener Bevölkerung alles aufbot, um »Wien Wien bleiben« zu lassen: Schwung, Schmäh und Charme – und eben auch kunstvolle Gestaltung.

Als »modernstes Stück im Programm« kündete Augustin Spiel das Lied »Strahlender Mond« aus »Der Vetter aus Dingsda« von Eduard Künneke (1885 bis 1953« an, eine verlockende, bezwingende Melodie, begeisternd mitgeteilt von einer großartigen Sängerin.

Wer kennt sie nicht, die Melodie der Petersburger Schlittenfahrt? Sie stammt von Richard Eilenberg (1848 bis 1927), dem Komponisten vieler schmissiger Märsche und Tänze und beschloss fröhlich den Abend. Doch Zugaben waren unabdingbar. Anna Karmasin verzauberte mit der Arie »O mio babbino caro« Aus Puccinis Einakter »Gianni Schicci«, und der Einzugsmarsch aus dem »Zigeunerbaron« passte nicht übel als Abschiedsstück. Engelbert Kaiser