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Ideen zur Ortsentwicklung von Übersee

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Auf dem über 20 000 Quadratmeter großen neuen Baugebiet südöstlich des Bahnhofs wird unter anderem das neue Seniorenheim gebaut. (Foto: vom Dorp)

Übersee – In Übersee gibt es mit dem ehemaligen Deutz-Gelände von rund 25.000 Quadratmetern, dem Areal »Übersee-Ost« von 22.500 Quadratmetern und dem 32.000 Quadratmeter großen neuen »Gewerbegebiet Entenfeld« große Entwicklungsflächen. Der Arbeitskreis (AK) Ortsentwicklung veranstaltet deshalb eine fünfteilige Vortragsreihe zur Ortsplanung.


Auf großes Interesse stieß die Thematik »Visionen für die Gemeinde«. Rund 60 Bürger kamen. Architekt Rudi Finsterwalder und Gemeinderätin Margit Sievi aus Stephanskirchen berichteten über Möglichkeiten anhand von Beispielen aus ihrer Gemeinde.

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»Die Bürger sind oft weiter als die Politik«, sagten AK-Sprecher Wolf Steinert und der Verantwortliche des Abends, Hans Thullner. »Wir müssen daher überlegen, wohin sich der Ort entwickeln soll.« Obwohl jede Gemeinde anders ist und individuell zu beurteilen sei, stellte Steinert Stephanskirchen als gelungenes Beispiel einer gesunden Ortsentwicklung vor. Diese Grundtendenzen ließen sich auch auf Übersee übertragen.

Architekt und Planer Finsterwalder und Gemeinderätin Sievi schilderten, dass es vor allem die Bürger waren, die dem 2012 beschlossenen Entwicklungskonzept ihren Stempel aufgedrückt hatten. Mitentscheidend sei zudem ein Planer aus Berlin gewesen, der unvoreingenommen und von außen die Stärken und Schwächen der Gemeinde analysiert hat.

Die Bürgerbeteiligung startete mit Workshops, in denen Wünsche und Bedürfnisse im Mittelpunkt standen. Es folgten eine Bürgerbefragung mit einer unerwartet großen Rückmeldung von 400 Antworten sowie eine Bürgerversammlung.

Laut Finsterwalder wurden dabei drei Szenarien herausgearbeitet, die für alle Gemeinden gelten könnten. Das erste Szenario trägt das Motto »Wir bleiben, wie wir sind, aber verändern uns.« Dabei werden neue Bedürfnisse, wie mehr Wohnraum für junge Familien, zwar berücksichtigt, aber nur durch Reaktionen. Gemeinde und Bürger verlieren damit die Möglichkeit, selbstständig, umfassend und langfristig zu agieren.

Die zweite Lösung sieht ein ungebremstes Wachstum von Wohnraum und Gewerbe sowie den damit verbundenen Verlust von »grünen Lungen«, wie Parks und kleinen Grünflächen vor. Beim dritten Szenario, das auf eine mehrheitliche Zustimmung der Zuhörer stieß, geht es um die Stärkung und den Ausbau eigener Werte. Folgende Entwicklungsziele wurden dabei mit den besonderen Schwerpunkten von Jugendlichen, Senioren und der Landwirtschaft herausgearbeitet: Erhalt und Weiterentwicklung der Kulturlandschaft und der einzelnen Ortsteile, individuelles Wohnen, lokales Wirtschaften und Mobilität für die Zukunft. Auch »der Lebenswert 2025« unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung und dem Vermeiden »einer Schlafstadt« sowie das Erarbeiten einer Baufibel spielten bei dem Konzept eine wichtige Rolle.

Im Kleinen hat Finsterwalder seinen Traum von einem Wunschdorf in Landlmühle bei Rosenheim auf 10.000 Quadratmetern bereits verwirklicht. Dort erfreuen sich die Bürger am Erhalt alter Häuser, einer bodenständigen Gastronomie sowie einer Kletterhalle neben einer Metzgerei.

Nicht unerwähnt ließ AK-Sprecher Steinert die Schwierigkeiten der Umsetzung solcher Konzepte. Immerhin habe die Gemeinde die Planungshoheit für die künftige Entwicklung und sei insofern in einer besseren Situation. Man sollte aber bedenken, dass sich Übersee schnell von 5000 auf 8000 Bürger vergrößern könnte, wenn die neuen Baugebiete nach den vorläufigen Überlegungen realisiert würden. »Wollen wir das?«, so Steinert.

Seiner Meinung nach geht es bei der Zukunftsentwicklung entsprechend den Bürgerwünschen weniger um das zweckmäßige Bauen mit städteähnlichem Charakter, als vielmehr um den Schutz des Vorhandenen. Zu klären wären bei diesem »anderen Konzept« laut Steinert die demografische Entwicklung, das Wohnen von Alten, Jugendlichen und Familien, die ärztliche Versorgung, die Themen Schule, Kindergarten und Kirche, die Bildung, Arbeit und Gewerbe, Freizeit und Erholung sowie die Fragen des Verkehrs mit Fuß- und Radwegen, ÖPNV, Pendlern und Verkehrsverbünden.

Alle Anwesenden waren von dieser umfassenden Zukunftsvision angetan. Blieb am Ende nur die Frage »Wie kommt so ein positiver Prozess in Gang?« Die einfache Antwort der Stephanskirchener Gäste: »Man muss miteinander reden.« Wichtig sei dazu – neben einem Ortsplaner – in erster Linie ein Moderator.

Die nächste Veranstaltung dieser Vortragsreihe ist am Dienstag, 19. Februar, um 19 Uhr im Gasthaus Feldwies zum Thema »Kulturlandschaft Chiemseeufer, Bildervergleich früher und heute«. Referent ist der Biologe Alfred Ringler aus Rosenheim. bvd

 

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