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Fall Manuela K.: Es war vermutlich Mord aus Habgier – Kripo ermittelt Vorgeschichte

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Traunstein: Mord aus Habgier? Kripo ermittelt Vorgeschichte im Vermisstenfall und Tötungsdelikt Manuela K. | Bergen
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Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Mordfall Manuela K. berichteten am Mittwoch (von links) Staatsanwalt als Gruppenleiter Markus Andrä, Oberstaatsanwalt Volker Ziegler und Kriminaldirektor Hans-Peter Butz über die Ermittlungen.

Traunstein/Bergen – Die seit Anfang Januar vermisste 59-jährige Manuela K. aus Bergen ist vermutlich aus Habgier ermordet worden. Ein 60-jähriger gebürtiger Traunsteiner, der auch in Traunstein aufgewachsen ist und zuletzt in Oberösterreich wohnte, sitzt unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Manuela K. hatte ihren späteren Mörder über ein Dating-Portal im Internet kennengelernt. Das teilten Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz mit. Die sehr umfangreichen und personalaufwendigen Ermittlungen dauern an.


Von Manuela K. gab es seit 9. Januar kein Lebenszeichen mehr. Sie war am 19. Januar von einer Freundin bei der Polizei Traunstein als vermisst gemeldet worden. Zunächst übernahm die Polizeiinspektion Traunstein die Ermittlungen und leitete alle in Vermisstenfällen üblichen Fahndungsmaßnahmen ein.

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Bei einer Wohnungsnachschau fiel auf, dass die Wohnung zwar aufgeräumt, der Mülleimer aber halb voll war – ungewöhnlich für Manuela K., die bei längerer Abwesenheit den Mülleimer immer geleert hatte. Auch fehlten eine Matratze mit Bettzeug und das Auto der 59-Jährigen, ein weinroter Opel Insigna, sowie ein größerer Geldbetrag.

Im Rahmen ihrer Ermittlungen erhielt die Polizei Hinweise, dass sich Manuela K. eine Auszeit nehmen wollte, aber auch, dass sie frisch verliebt sein soll, berichtete der Chef der Kripo Traunstein, Kriminaldirektor Hans-Peter Butz. Im Zuge der ersten Ermittlungen wurde auch der inzwischen unter Tatverdacht festgenommene 60-Jährige als Zeuge vernommen.

Da der Fall zahlreiche Ungereimtheiten aufwies, wurden ab 29. Januar die weiteren Ermittlungen von der Kriminalpolizei Traunstein übernommen. Nach einem erneuten Presseaufruf ging ein Hinweis auf das Fahrzeug der Vermissten ein, das die Polizei dann im Traunsteiner Stadtteil Haidforst beschädigt auffand.

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Der beschädigte Opel Insigna von Manuela K. war am 30. Januar in Traunstein gefunden worden. Der Tatverdächtige hatte ihn am frühen Morgen des 10. Januar im Stadtteil Haidforst abgestellt. Auf seiner Fahrt dorthin hatte er im Gemeindebereich Surberg einen Unfall, bei dem er an eine Warnbake gestoßen war. Im Auto fand die Polizei Blutspuren.

Die Ermittlungen ergaben, dass der Opel Insigna, in dem auch Blutspuren gefunden wurden, am frühen Morgen des 10. Januar dort abgestellt worden war. Spätere Auswertungen von Überwachungskameras in Traunstein ergaben, dass sich der 60-Jährige danach im Bereich des Bahnhofs aufgehalten hat; er war in der Bahnhofsunterführung gefilmt worden.

Sonderkommission gegründet

Die Ermittlungen, in deren Zuge es auch mehrere großangelegte Suchaktionen in verschiedenen Gemeindebereichen gegeben hatte, führten schließlich zu dem Schluss, dass man es wohl mit einem Tötungsdelikt zu tun habe, so Butz, woraufhin am 3. Februar bei der Kripo Traunstein die »Soko Manuela« eingerichtet wurde. Der 60-Jährige geriet zwar ins Visier der Ermittler, doch zunächst war »ein dringender Tatverdacht noch nicht nachweisbar«, berichtete der Kriminaldirektor.

Am 14. Februar wurden im Waginger See die aus der Wohnung von Manuela K. verschwunden Matratze und das Bettzeug gefunden. Die Beweislage verdichtete sich zwar, was jedoch verschwunden blieb, war das Opfer. Sowohl Oberstaatsanwalt Volker Ziegler als auch Kriminaldirektor Butz berichteten, dass man angesichts der schwierigen Beweislage bis zuletzt auch von einem »Mord ohne Leiche« ausgehen musste.

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Bei der Pressekonferenz zum Mordfall Manuela K. präsentierte die »Soko Manuela« auch Bilder von Fahndungs- und Suchmaßnahmen. Unter anderem war die Wasserschutzpolizei Prien auf dem Waginger See eingesetzt worden. Im Bereich des Sees wurden eine Matratze und Bettzeug aus der Wohnung von Manuela K. gefunden. (Foto: Polizei)

Schließlich hatten die Kriminaler ausreichend Indizien zusammengetragen, dass Haftbefehl beantragt werden konnte, der dann am 4. März erlassen wurde. Die äußerst arbeits- und personalaufwendigen Ermittlungen – alleine die »Soko Manuela« bestand zeitweise aus bis zu 45 Mitgliedern, hinzu kamen noch zahlreiche Beamte anderer Dienststellen sowie der österreichischen Behörden – beschrieb Butz folgendermaßen: »In arbeitsintensiven Wochen haben wir ein Puzzle zusammengesetzt, das aus sehr vielen Teilen bestand.«

Festgenommen wurde der 60-Jährige letztlich am vergangenen Samstag in Freilassing. Man habe erfahren, dass der in Oberösterreich wohnende Mann an diesem Tag zum Einkaufen nach Freilassing fahren wollte »und wir haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt, um ihn festzunehmen«, so Kriminaldirektor Butz.

Verdächtiger führte die Polizei zur Leiche

Der 60-Jährige leugnete die Tat zunächst. Auch als er am Sonntag dem Ermittlungsrichter vorgeführt wurde, stritt er alle Anschuldigungen ab. Dennoch wurde der Haftbefehl bestätigt. Im Anschluss an den Termin beim Haftrichter entschloss sich der Beschuldigte dann nach einem Gespräch mit seinem Anwalt, den Ermittlern das Versteck der Leiche zu zeigen, berichtete Staatsanwalt als Gruppenleiter Markus Andrä. Die Tote befand sich in der Nähe von Traunstein, in einem zur Gemeinde Siegsdorf gehörenden Waldstück. Auf dieses Gebiet hatte es zuvor keine Hinweise gegeben, weshalb es auch nicht abgesucht worden war.

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Mehrere großangelegte Suchaktionen gab es in den letzten Wochen im Fall Manuela K.. Gefunden wurde sie letztlich in einem Wald im Gemeindebereich Siegsdorf; der Tatverdächtige führte die Beamten zur Leiche.

Zur Todesursache teilten die Ermittler mit, dass die Frau nach bisherigen Erkenntnissen in Folge von stumpfer Gewalteinwirkung gestorben ist. Der genaue Todeszeitpunkt stehe noch nicht fest. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand sei davon auszugehen, dass Manuela K. in ihrer Wohnung getötet worden ist. Dort hatte sie der Tatverdächtige besucht, nachdem sich die beiden über ein Dating-Portal kennengelernt hatten. Das Motiv dürfte finanzieller Natur gewesen sein, es fehlte ein erheblicher Bargeldbetrag aus der Wohnung. Dementsprechend sei der Haftbefehl auch wegen »Mord aus Habgier« ausgestellt worden, so Oberstaatsanwalt Ziegler.

Der 60-jährige Tatverdächtige ist kein unbeschriebenes Blatt, seit 1974 geriet er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, berichtete Kriminaldirektor Butz. 50 Einträge weise seine Akte auf, vor allem Eigentums- und Vermögensdelikte sowie leichte Körperverletzung, jedoch keine schwerwiegenden Straftaten. Auch in Österreich wurde er mehrmals straffällig. Der Mann habe bereits mehrere mehrjährige Haftstrafen verbüßt.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Im Rahmen der Pressekonferenz betonten Kriminaldirektor Butz und Oberstaatsanwalt Ziegler die hervorragende Zusammenarbeit mit den österreichischen Strafverfolgungsbehörden. So sei es auch möglich gewesen, dass Beamte der Traunsteiner Kripo »bei Ermittlungsmaßnahmen in Österreich dabei waren«. Wegen des Wohnsitzes des Tatverdächtigen in Oberösterreich war eine enge Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern Linz und Salzburg sowie der Staatsanwaltschaft Salzburg erforderlich, die hervorragend geklappt habe. m

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Bericht vom Mittwoch:

Traunsteiner (60) soll vermisste Bergenerin ermordet haben – Habgier als Motiv?

Nach dem monatelangen Vermisstenfall um die 59-jährige Manuela K. aus Bergen ermittelt die Polizei nach dem Fund ihrer Leiche nun wegen eines Gewaltverbrechens. Die Kripo geht davon aus, dass die Frau ermordet wurde. Ein Tatverdächtiger sitzt bereits in U-Haft.

Dass die 59-Jährige Opfer eines Tötungsdeliktes wurde, hatte die Polizei bereits seit Längerem angenommen, so Kriminaldirektor Hans-Peter Butz zu Beginn der Pressekonferenz in der Polizeiinspektion Traunstein. Gefunden wurde ihre Leiche am vergangenen Sonntag in einem Wald bei Siegsdorf. Der Verdächtige war aber schon einige Zeit vorher ins Visier der Ermittler geraten.

Widersprüchlichkeiten in dem anfänglichen Vermisstenfall hätten sich demnach gleich zu Beginn ergeben – anders als von der Polizei auf unsere Nachfragen bislang zu erfahren war. So war die Wohnung der Bergenerin aufgeräumt worden; außerdem fehlte eine Matratze. Diese wurde Mitte Februar am Waginger See sichergestellt.

Bei dem dringend Tatverdächtigen handelt sich um einen 60-jährigen gebürtigen Traunsteiner, der bis zuletzt in Oberösterreich wohnte. Kennengelernt haben sich Täter und Opfer über ein Online-Dating-Portal. Über diesen Kommunikationskanal kamen die Ermittler dem Mann dann auch auf die Schliche. Er ist auch auf einem Überwachungsvideo vom Traunsteiner Bahnhof zu sehen, nachdem er das Auto in Haidforst abgestellt hatte. Festgenommen wurde der Mann am Samstag in Freilassing.

Als Motiv vermutet die Staatsanwaltschaft Habgier. Aus einem Tresor der Frau wurde Bargeld entwendet – wieviel, ist noch nicht bekannt. Die Obduktionsergebnisse liegen noch nicht vollständig vor, allerdings geht man bislang von stumpfer Gewalteinwirkung aus. Die genauen Todesumstände sind aber noch Gegenstand der Ermittlungen.

Neben dem Kriminaldirektor Hans-Peter Butz, Leiter der Soko »Manuela«, haben sich auch Oberstaatsanwalt Volker Ziegler und Markus Andrä zu den aktuellen Erkenntnissen geäußert und Fragen der anwesenden Medienvertreter beantwortet.

Traunstein: Leiche von vermisster Manuela K. aus Bergen gefunden – Polizei gibt Details bekannt
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Zahlreiche Polizisten, darunter Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei, suchten am 26. Februar im Raum Hufschlag nach der Vermissten. (Archivfoto: Bauer)

Erstmeldung, Dienstagnachmittag:

Nach Informationen unserer Zeitung wurde die Leiche der Frau im südlichen Landkreis gefunden. Ein Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft. In den vergangenen Wochen waren immer wieder Suchtrupps der Polizei ins Bergener Moos, nach Waging, Surberg und in Traunstein ausgerückt, um nach der Frau zu suchen. Mysteriös wurde der Fall auch, als das Auto der Bergenerin schwer beschädigt im Traunsteiner Stadtteil Haidforst gefunden wurde.

In einer Pressekonferenz werden Vertreter der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft heute ab 11 Uhr in der Polizeiinspektion Traunstein über den Fall informieren.

Unsere bisherige Berichterstattung: