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Die Geigelsteinbahn steht seit Monaten still

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Die Geigelsteinbahn hat eine bewegte Vergangenheit. Immer wieder mussten verschiedene Betreiber Insolvenz anmelden. Und auch derzeit steht die Bahn still. (Foto: Reiter)

Schleching. Die Zeiten, in denen am Geigelstein Ski gefahren wurde, sind längst vorbei. Doch die längste Sesselbahn Deutschlands stand in den vergangenen Jahren auch in den Sommermonaten regelmäßig still. Was ist da los? Fährt die Bahn überhaupt mal wieder oder wird sie irgendwann abgerissen? Wir sprachen mit dem Besitzer der Seilbahn, Robert Raffner, Bürgermeister Josef Loferer und zwei alteingesessenen Schlechingern, »Muck« Bauer und Hannes Prasser, die beide betonen, wie wichtig es für die Tourismusgemeinde Schleching wäre, dass die Bahn wieder in Betrieb geht.


1966 wurde mit dem Bau begonnen

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Gebaut wurde die Seilbahn in den Jahren 1966 bis 1969 von Konsul Paul Rau aus Frankfurt, der die Bahn rund 15 Jahre im Sommer und im Winter betrieb. Danach übernahm die Gemeinde Schleching für gut zehn Jahre die Bahn, verschuldete sich aber, sodass die Schlechinger Bürger und die Gemeinde seither sehr zurückhaltend seien, was die Unterstützung der Geigelsteinbahn betrifft, sagt »Muck« Bauer. Und auch die weiteren Betreiber – »der singende Wirt« Thomas Berger und Herbert Lorenz – meldeten nach einigen Jahren Insolvenz an. Ist die Bahn also überhaupt kostendeckend zu betreiben?

»Ja«, sagt Robert Raffner. Er kaufte die Seilbahn 2008 und verpachtete sie zunächst. Das Ganze sei nicht ideal gelaufen, sagt der 45-Jährige. Die Besucher hätten nie gewusst, wann die Bahn fährt und wann nicht, »es gab keine Regelmäßigkeit.« Nachdem er im Jahr 2011 keine Pacht mehr erhalten habe, habe er den Vertrag mit dem Pächter gekündigt. »Ich musste dann erst mal rausfinden, was zu tun ist, um eine Bahn zu betreiben«, sagt Robert Raffner, der im Sommer 2012 die Bahn selbst betrieb. »Das lief wirklich sehr gut.« Deshalb erstellte er ein Betriebskonzept für zehn Jahre. »Ich habe ein halbes Jahr daran gearbeitet. Da war es schon frustrierend, so niedergebügelt zu werden.« Robert Raffner hätte rund 200 000 Euro an Sicherheit hinterlegen müssen für einen möglichen Abbau der Lifttrasse, falls sein Konzept nicht aufgeht und die Bahn pleite geht. Die Seilbahn läuft über den Grund der Bayerischen Staatsforsten und über Grundstücke verschiedener Almbauern.

»Im Sommer war die Bahn immer sehr beliebt«

Es könne nicht sein, dass die Grundstücksbesitzer jetzt daran Schuld sein sollen, dass die Bahn nicht mehr fährt, sagt Bürgermeister Josef Loferer. Es hätte sicher Möglichkeiten gegeben, das Ganze zu verwirklichen. Auch er glaubt, dass die Seilbahn so betrieben werden könnte, dass sie schwarze Zahlen schreibt. »Im Winter ist es sicher schwierig, aber im Sommer war die Bahn immer sehr beliebt.« Doch Josef Loferer betont auch: »Der Tourismus in Schleching lebt und stirbt sicher nicht mit der Seilbahn.« Eine Umfrage bei Vermietern, Gaststättenbetreibern und Unternehmern habe ergeben, dass die Geigelsteinbahn als nicht so wichtig erachtet werde. »Bei uns kommt eher Langlaufen, Tourengehen oder Berggehen gut an. Die Leute fahren oft gar nicht mit der Seilbahn«, sagt Josef Loferer. Durch den unregelmäßigen Betrieb der Bahn habe es in den vergangenen Jahren sogar viele Beschwerden von Gästen gegeben. »Das war eher eine Negativwerbung für die Gemeinde Schleching.«

»Ich will und kann nicht mehr«

Anders sieht das »Muck« Bauer: »Es gibt viele Leute, die ohne die Bahn nicht auf den Berg kommen. Alte Leute oder Familien mit Kindern zum Beispiel. Auch die wollen die wunderschöne Almregion dort oben genießen.« Es wäre wirklich wichtig für Schleching, wenn es mit der Geigelsteinbahn weitergehen würde. – Doch wer soll die Bahn betreiben und mit welchem Geld?

Denn für Robert Raffner zumindest steht fest, dass er die Seilbahn nicht weiter betreiben wird. »Ich will und kann nicht mehr. Bei einer Gesamtinvestition für eine Generalsanierung der Bahn in Höhe von 140 000 Euro sind diese zusätzlichen 200 000 Euro für mich nicht aufzubringen.« Er hofft eigentlich nur, dass er einen Pächter oder einen Käufer findet. Doch das wird bei der Geschichte der Seilbahn äußerst schwierig werden. KR