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Bürgerentscheid zur Bewerbung für Olympia 2022

Traunstein. Der Landkreis Traunstein will erfahren, was seine Bürger über eine Bewerbung von München zusammen mit dem Chiemgau, Königssee und Garmisch-Partenkirchen für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 denken. Dafür wird ein sogenanntes »Kreistagsbegehren«, also ein Bürgerentscheid, durchgeführt. Als Termin dafür legte der Kreistag gestern den 10. November fest. Der Kreistag wird die konkrete Fragestellung für den Bürgerentscheid in einer Sondersitzung am 27. September fixieren. Sämtliche Beschlüsse – einschließlich einer Satzung zur Durchführung des Bürgerentscheids – fielen gestern einmütig. Alle Fraktionen befürworteten das Vorgehen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will die südbayerische Olympiabewerbung mit München an der Spitze am 14. November beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einreichen. Der Sportbund ist nach Landrat Steinmaßl auf den Landkreis Traunstein sowie die Gemeinden Ruhpolding, Reit im Winkl, Inzell und Siegsdorf zugekommen mit der Idee, die Disziplinen Biathlon und Langlauf in den Chiemgau zu vergeben.

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»Nachhaltigkeit, die es noch nie gab, wäre möglich«

Dazu der Landrat: »Der Chiemgau bietet die Voraussetzung dafür, das Sportstättenkonzept aus der gescheiterten Olympiabewerbung 2018 durch die weitgehende Inanspruchnahme von bereits bestehenden Wettkampfstätten optimieren zu können.« Damit könnten die Olympischen Spiele erstmals in deren Geschichte »eine Nachhaltigkeit erreichen, die es noch nie gab«. Der Bau von »neuen Sportstätten aus der Retorte« sei im Chiemgau nicht notwendig.

Steinmaßl legte gestern ein Grobkonzept vor, das in den vergangenen beiden Monaten erstellt worden ist – im Austausch unter anderem zwischen dem DOSB, dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude und den beteiligten Kommunen. In 16 Tagen sollten bei den Winterspielen 2022 über 100 Wettkämpfe in mindestens 13 Sportstätten und 17 parallele Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Teilnehmer seien über 5000 Athleten und »Offizielle«. Erwartet würden insgesamt 10 000 Medienvertreter, 20 000 freiwillige Helfer und 19 000 Sicherheitskräfte. Mediendörfer mit bis zu 10 000 Betten seien geplant, dazu Medienzentren mit 65 000 Quadratmetern. Man rechne mit 1,6 Millionen verkauften Tickets und drei Milliarden Fernsehzuschauern.

Kurz ging Steinmaßl auf das Bewerbungskonzept 2018 und »Optimierungspotenziale« für die Bewerbung 2022 ein. Biathlonbewerbe seien in Ruhpolding vorgesehen, Langlauf in Reit im Winkl, Ruhpolding und Inzell, ein »olympisches Dorf Chiemgau-Königssee« in Inzell, Ruhpolding und Siegsdorf sowie ein Medienzentrum in der Eishalle in Inzell. Prüfkriterien für die Standorte seien unter anderem technische Machbarkeit, Grundstücksverfügbarkeit, Nachnutzungsoptionen, ÖPNV und auch ein Finanzierungskonzept. Eine mögliche Bewerbung mit dem Chiemgau sei »Vision, Chance und Herausforderung«.

Für eine Generaldebatte sei es noch zu früh, eröffnete der Landrat die Diskussion. Aus den Reihen der Kreistagsfraktionen erfuhr Steinmaßl Rückhalt für einen Bürgerentscheid. Lothar Seissiger (FW/UW) meinte: »Es ist vollkommen richtig, dass der Landkreis die Bürger befragt. Es gibt verschiedene Meinungen. Wir werden eine Bewerbung ohne Wenn und Aber unterstützen.«

SPD-Kreisrat Claus Pichler, auch Bürgermeister von Ruhpolding, bezeichnete es als »sehr ärgerlich, dass die Olympiabewerbung für 2018 unglücklich verlaufen ist«. Und weiter: »Wenn unsere Region vernünftig eingebunden wird, bietet eine Bewerbung eine große Chance. Sie muss mit dem Rückenwind eines Bürgerbegehrens erfolgen.«

Bürgerbeteiligung stieß auf positives Echo

»Jede Form der direkten Demokratie« fand die Zustimmung von Helmut Kauer (ÖDP). Er fragte: »Wer trägt die Werbekosten für eine Zustimmung – der Landkreis, der Sportbund oder eine später zu gründende GmbH?« Der Landrat verwies auf die Kreistagssitzung im September. Dort wolle er gerne »den Rest präsentieren« – samt Kostenschätzung und Sponsoren. »Keine Waffengleichheit« zwischen Befürwortern und Gegnern einer Bewerbung sah Sepp Hohlweger (Bündnis 90/Die Grünen) – würden die Befürworter doch »mehr Geld zur Verfügung haben«. Weiter fragte Hohlweger nach den Kosten einer Bewerbung und anderen Details.

Für die CSU-Fraktion, die ebenfalls für den Bürgerentscheid war, stellte Karl Kaditzky fest: »Es ist zu früh, über Kosten zu reden.« Der Bürgerentscheid zeige, »dass Demokratie teuer ist«. »Selbstverständlich« stimme die SPD zu, hob Waltraud Wiesholer-Niederlöhner heraus: »Wer anders soll entscheiden als die Bürger selbst?« Ähnlich äußerte sich Siegfried Walch (CSU): »Es muss die Bewerbung der Bürger sein.« kd