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Als Bomben auf Traunstein und Umgebung fielen

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Altoberbürgermeister Fritz Stahl (unser Bild) und Oberbürgermeister Christian Kegel hielten die Gedenkansprachen für die Opfer der Bombenangriffe auf Traunstein. (Foto: Buthke)

Traunstein –Mit einer Kranzniederlegung an der Gedenktafel am Bahnhofsplatz gedachte die Stadt Traunstein der Opfer der Luftangriffe auf Haslach, die Wegscheid und Traunsteins Bahnhofviertel am Kriegsende vor 70 Jahren (wir berichteten). Oberbürgermeister Christian Kegel und Altoberbürgermeister Fritz Stahl betonten, wie wichtig das Gedenken als Basis für künftiges Handeln sei.


»Als Tage des Schreckens in die Geschichte eingebrannt«

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»Der 18. und 25. April 1945 sind als Tage des Schreckens in die Geschichte Traunsteins eingebrannt. Blättert man in den Schriften über Traunsteins Ge-schichte, stößt man wie magisch angezogen auf die Bilder der Verwüstungen dieser Tage«, sagte Stahl. Sie zeigten ein riesiges Trümmerfeld, aus dem die Ruinen des Bahnhofs sich mahnend in die Höhe recken, zerstörte Waggons, zu Knäueln verknüpfte Eisenbahnschienen, zu Schutt zerbröselte Häuser. »Einschneidendes einfach zu vergessen; war noch nie eine Lösung«, so Stahl. An diesem Tag sei es 70 Jahre her, dass der letzte Luftangriff auf Traunstein erfolgte. Bereits am 11. November 1944 und 20. Januar 1945 habe es Abwürfe gegeben, die zu beträchtlichen Schäden führten. Am 18. und 25. April waren der Bahnhof und das Umspannwerk Ziel der Bomber.

Von November 1944 bis Kriegsende warnten in Haslach und Traunstein fast täglich die Sirenen vor Fliegerangriffen. Alfred Staller berichtete in seinem Aufsatz »Als bei uns die Bomben vom Himmel fielen« von 56 Tag- und 40 Nachtalarmen und über die vier Tage, an denen Bomben niedergingen. Am 18. April erreichte ein Bomberverband die Stadt – 767 schwere Bomber der amerikanischen Luftwaffe, begleitet von 705 Jagdbombern, berichtet Staller. 60 davon luden in vier Wellen ihre todbringende Last über Oberhaid, der Wegscheid und der Bahnhofsgegend ab. Die Hauptflotte drehte vor Traunstein ab und flog Richtung Freising weiter. 17 Tote wurden in Haslach gezählt, in Traunstein 124.

»Der 18. April war ein schrecklicher Tag in der Geschichte unserer Stadt, aber nicht der letzte, der großes Unheil brachte, denn am 25. April setzten sich die Ereignisse fort«, erklärte Stahl. »Unaufhörlicher Einflug von Bomberverbänden aus dem Süden. Eine Bomberwelle nach der anderen. Alles schließt schon mit dem Leben ab. Erst um 15 Uhr Endalarm« – so schildert Karl Rosenegger die Vorgänge.

»In dieser Abendstunde gedenken wir der Bombentoten, die in unserer Stadt zu beklagen waren, an Schmerz und Leid der Verletzten, wir denken an Trauer und Schrecken der Angehörigen und an die großen seelischen Belastungen, die oft Jahre und Jahrzehnte nachwirkten. Die Menschen, ob Einheimische oder Fremde, waren zutiefst betroffen«, sagte der Altoberbürgermeister. Die Erinnerung solle auch verdeutlichen, dass der Friede ein hohes Gut ist. Deshalb habe der Stadtrat 1991 als Abschluss der Arbeiten auf dem neu gestalteten Bahnhofplatz eine von Carsten Lewerenz geschaffene Gedenktafel errichten lassen.

Der Krieg war zu Ende – nicht aber seine Auswirkungen

Am 3. Mai 1945 erreichten amerikanische Truppen die Stadt. Damit war der Krieg für Traunstein zu Ende, nicht jedoch die Auswirkungen: Tod, körperliches und seelisches Leid, Angst, Elend, Zerstörung, Hass und Vertreibung. Im Rahmen eines Zeitzeugenprojektes berichteten 1995 Bürger: »Ich habe das Unheil miterlebt, gesehen wie die Bomben fielen, gespürt, wie die Erde erzitterte«, oder: »Aus dem Luftschutzkeller kommend sah ich verwundert, dass plötzlich Häuser verschwunden waren«, oder: »Ich weiß noch, dass wir zusammen mit Nachbarn halfen, Verschüttete aus einem Keller zu befreien, dazu mussten wir allerdings erst von außen die Trümmer beiseite räumen.« »An dies alles will das Gedenk-Relief der Stadt erin-nern«, sagte Stahl. Auch die Deutsche Postgewerkschaft habe eine Erinnerungstafel an die getöteten Kollegen im Fernmeldeamt anbringen lassen.

Der 18. und 25. April 1945 gehörten zu den dunkelsten Tagen in der Geschichte der Stadt Traunstein, betonte auch Oberbürgermeister Christian Kegel. »Damals war das Elend des Kriegs direkt vor unserer Haustür für alle sichtbar und spürbar. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir das nicht vergessen.« Über die Menschen habe diese Katastrophe großes Leid gebracht. 2015 stehe im Zeichen des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Dieser Krieg habe unermesslichen Schmerz, Tod und Zerstörung über weite Teile Europas gebracht. 55 Millionen Tote, davon 5,5 Millionen Deutsche seien zu beklagen gewesen. »Ihr Tod soll uns allzeit Mahnung sein«, betonte Kegel. Wir dürften heute in Frieden leben, aber viel zu viele Menschen verlören in unzähligen Konflikten auf der ganzen Welt ihr Leben und erlebten täglich Gewalt und Terror.

»Ich bin der Überzeugung, dass das Gedenken an die Toten der Kriege wichtig ist. Die Konfrontation mit der Vergangenheit und der Gegenwart ist notwendig, auch wenn es weh tut«, unterstrich Kegel. Mit dem Gedenken setze man ein Zeichen. Frieden und Verständigung seien auch heute nicht selbstverständlich.

Gedenken hat eine wichtige Botschaft für das Morgen

Kegel sprach von »Verantwortung, die sich für uns aus der Geschichte ergibt, und wir bekennen uns dazu«. Wir brauchten dazu Momente des Innehaltens und Orte des Gedenkens. »Die Gedenktafel hier am Bahnhof erinnert an die Opfer der Bombenangriffe von 1945 auf Traunstein, an das Leid, das innerhalb weniger Minuten über die Menschen hereinbrach, an die vielen Toten und Verletzten. Sie sind nicht vergessen«, meinte Kegel.

Das Gedenken verbinde das gestern mit dem Heute und habe vor allem eine wichtige Botschaft für das Morgen. Deshalb sollten wir in Gegenwart und Zukunft zeigen, dass wir unsere Lektion wirklich gelernt hätten. Bjr