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Ziemlich verregnet waren die ersten beiden Tage bei der Chiemgau Outdoor Festival-Premiere in Übersee. Das Festivalgelände stand teilweise unter Wasser – wie dereinst beim Chiemsee-Reggae des Öfteren. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch.

Chiemgau Outdoor Festival trotzte bei Premiere dem Regen

Übersee – Nach einem ziemlich verregneten Start ist der dritte und letzte Tag des Chiemgau Outdoor Festivals am gestrigen Sonntag im Almdorado zumindest teilweise bei besserem Sommerwetter über die Bühne gegangen. Dabei gab sich auch die Südtiroler Bergsteiger-Legende Reinhold Messner (Bericht folgt) die Ehre und sprach über den 8135 Metern hohen Nanga Parbat im Westhimalaya, wo er 1970 seinen Bruder Günther für immer verlor. Um Sport und Abenteuer in der Natur ging es auch in den anderen Vorträgen.


Für die passende Musik sorgten die Bands Reverend Stomp, Nikolaus Wolf und Bruckner. Eingeläutet worden war der Abschlusstag mit Live-Yoga mit Lena Streb. Berg-Wanderungen, Canyoning, Klettern, SUP-, Kajak-, Mountainbike-Touren und vieles mehr standen auf dem dreitägigen Plan. Leider fielen viele dieser Angebote dem schlechten Wetter zum Opfer.

Regen wie dereinst beim Chiemsee Reggae

Auch das Festival-Gelände stand teils unter Wasser und Regenponchos, Schirme, Gummistiefel und Matsch dominierten wie dereinst zu alten Chiemsee-Reggae-Festival-Zeiten das Bild. Die outdoorbegeisterten Besucher ließen sich davon aber nicht beirren, tauschten sich mit Gleichgesinnten aus, informierten sich, ließen sich inspirieren und hatten jede Menge Spaß.

Die Konzerte von Ami Warning, DIS M und Alex Serra wurden am Eröffnungsabend wetterbedingt in die Almhütte verlegt. Nach dem stimmungsvollen Auftakt der deutschen Singer-Songwriterin, Pop-, Soul- und Reggae-Sängerin Warning heizte die Gitarren-Beat-Band Dis M um Tobi und Eli ordentlich ein. Mit einem tollen Mix aus bairischem Hip-Hop, Reggae und Deutsch-Pop, eigenen und selbst interpretierten Liedern baute die »Gang« mit Chiemgauer Wurzeln ihre stetig wachsende Fangemeinde weiter aus. Den Schlusspunkt setzte der spanische Sänger und Musiker Alex Serra. Was für ein außergewöhnliches Klangerlebnis zum Träumen, Entspannen und Loslassen. Bis in die Nacht hinein wurde getanzt und mitgesungen.

Zuvor hatten der »Flow«-Vortrag von Mountainbike-Abenteurer Harald Philipp und die Erzählungen von Peter Baumeister und Stefan Ziegler über ihre aufregende Bikepacking-Transalp von München/Kufstein nach Nizza mit Mont Blanc-Abstecher für Begeisterung gesorgt. Sie meisterten die 1300 Kilometer und 32.000 Höhenmeter in 18 Etappen in herrlicher Natur.

Am zweiten Festival-Tag sorgten bei etwas weniger Regen die Bands »Freekind«, »Lenze und de Buam«, »My Ugly Clementine« und »Kytes« auf der Hauptbühne für beste Stimmung. Bei »Lenze und de Buam« bildete sich eine beeindruckende Polonaise, die ausgelassen um eine »Schafherde« tanzte; mitten drin ein Junggesellinnen-Abschied.

Huber: »Uns hat damals die Neugierde getrieben«

Großartig auch der Vortrag »6 Jahrzehnte auf der Suche nach Abenteuer« von Otto Huber, in dem dieser über seine atemberaubenden Expeditionen unter anderem in Afghanistan, am Grand Canyon, in Bhutan und am Mount Everest berichtete. »Uns hat damals einfach die Neugierde getrieben«, so Huber. Eine Hochzeitsreise nach Afghanistan würde er aber heute niemandem mehr empfehlen.

Im Interview mit Moderator Andreas Hobmaier blickte Autorin Maria Zirner auf ihre 60-tägige Solo-Tour von Ost nach West durch den ganzen Alpenbogen zurück. »Ich bin bei meinen Touren 24 Stunden draußen, schlafe auch draußen, das schärft die Sinne und ist Freiheit pur«, so Zirner, für die die Berge 2017 in den (beruflichen) Lebensmittelpunkt rückten. Neben ihr saß Extremsportlerin und Autorin Annabel Müller, die sich auf über 100 Kilometer lange Ultra-Trailläufe spezialisiert hat. »Der Sport, die Berge und die Natur bieten Möglichkeiten, die Skills Mut, Ausdauer und Entscheidungskompetenz zu verbessern«, so Müller, die später auch noch aus ihrem Buch »Trail & Error – Der Weg ist nicht das Ziel« las.

Beeindruckend war auch der Vortrag von Profi-Slackliner und Alpinist Lukas Irmler, der mit faszinierenden Bildern von seinem Projekt »Slacklining the 7 Summits of the Alps« berichtete, bei dem er auf den Gipfeln von Mont Blanc, Großglockner, Zugspitze, Dafourspitze, Gran Paradiso, Triglav und Vordere Grauspitze unterschiedlich lange Slacklines gespannt hatte, um darauf über möglichst tiefe Abgründe zu balancieren. »Slacklinen« sei Teamarbeit, bei der man Leute um sich brauche, die einem helfen und auf die man sich verlassen könne, so Irmler, der auch einige Weltrekorde hält. Seine frühere Höhenangst habe er Schritt für Schritt überwunden. Auf großes Interesse stieß auch sein Slackline-Workshop.

Ein weiterer Höhepunkt war der Filmvortrag »The Climb for Kosovo« von Uta Ibrahimi, die als erste Kosovo-Albanerin das Dach der Welt, den 8849 Meter hohen Mount Everest, bestiegen hatte.

Von Bogenschießen bis Verpflegung

Guten Zuspruchs erfreuten sich das Bogenschießen, die Kletterwand, ein Bike-Parcours (Pumptrack) und diverse Workshops, bei denen auch Limonade, Seifen und Salben mit Kräutern hergestellt wurden. Diverse Aussteller informierten über Produkte für Outdoor-Touren. Auch über die Archäologie im Achental und die Geschichte der Almen gab es viel zu erfahren. Das Kinder-Bastelprogramm oblag dem Waldkindergarten Übersee. Für Verpflegung war mit Burgern, nepalesischem/himalayischem Essen, Crêpes, bairischen Knödeln und Ochsenfetzen sowie Getränken gesorgt. Am späten Abend ging die Party im »Freiraum« in Übersee bis 3 Uhr morgens weiter. Zwischen Bahnhof, Festgelände und Chiemseeufer verkehrte ein Zubringerbus. Mehrtagesgäste konnten sich in einer Almhütte einlogieren oder im Wohnmobil nächtigen.

»Wir wollten zeigen, was im Chiemgau im Outdoor-Bereich alles möglich ist und ein breit gefächertes Angebot präsentieren, was uns denke ich auch sehr gut gelungen ist«, betonte Veranstalter Dominik Hartmann und würdigte sein Organisationsteam, »das hinter all den Ideen und Visionen steht, immer zusammenhält und viel Herzblut reingesteckt hat«. Leider habe das Wetter nicht an allen drei Festival-Tagen mitgespielt.

Eigentlich hätte das Chiemgau Outdoor Festival schon 2020 ausgetragen werden sollen, doch Corona hatte dem Veranstalter seitdem immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Umso größer war nun die Freude, dass die Planungen endlich in die Tat umgesetzt werden konnten. Eine Neuauflage wäre absolut wünschenswert.

mmü