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»Wir müssen überall besser werden«, befand Ministerpräsident Markus Söder (Zweiter von links) bei einem Treffen mit der Lokalpolitik auf der Salzachbrücke zwischen Tittmoning und Ostermiething. Gemeint war damit der Ausbau der Anlagen für Erneuerbare Energien in Bayern. Dem stimmten auch (von links) Traunsteins Landrat Siegfried Walch, Land- und Forstministerin Michaela Kaniber, Altlandrat Hermann Steinmaßl sowie Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum zu. Bei dem Treffen ebenfalls anwesend war Ostermiethings Bürgermeister Gerhard Holzner. (Foto: Enzensberger)

Ministerpräsident Markus Söder verteidigt Pläne für Wasserkraftwerk bei Ortstermin in Tittmoning

Tittmoning – Ein »Leuchtturm- und Pionierprojekt« soll es werden: Geschlossen haben sich Lokal- und Landespolitiker am Montagnachmittag bei einem Ortstermin auf der Salzachbrücke bei Tittmoning für die Wasserkraftnutzung des Flusses ausgesprochen. Ministerpräsident Markus Söder gab nicht nur sein »grundsätzliches Go«, sondern sicherte auch »erhebliche finanzielle Mittel« zu.


In der Theorie wird von Strom für 34.000 Haushalte ausgegangen, die den Bürgern der umliegenden Gemeinden beiderseits der Salzach zur Verfügung gestellt würden. Nicht alle Bürger zeigten sich mit den Plänen einverstanden und hatten sich an der Brücke zu einer kleinen Protestaktion mit Bannern formiert.

Allein das Kraftwerk kostet 60 Millionen Euro

Karl Heinz Gruber von dem Energieunternehmen Verbund AG bezifferte die nötigen Investitionen auf rund 100 Millionen Euro für das Salzachprojekt, wobei etwa 60 Millionen auf das Kraftwerk entfallen würden. »Wir stehen bereit und sehen MinisterpräsidentSöder als einen unserer Unterstützer«, betonte Gruber. Entstehen soll eine Rampe mit unterirdischen Strommodulen sowie Auf- und Abstiegsmöglichkeiten für die Fische.

Ministerpräsident Markus Söder: »Wir müssen die Salzach ökologisch behutsam behandeln und so oder so dafür Umbauten vornehmen.« Der Clou sei bei diesem Projekt nun, dass Naturschutz nicht hinter Klimaschutz stehe, sondern sich gegenseitig ergänzen soll. Er nehme alle Bedenken seitens der Wasserwirtschaft und Naturschützer ernst, habe aber ein Problem damit »zu sagen, es soll sich alles ändern, aber es dürfe nichts passieren«. Wenn ändern nur bedeute, verzichten zu müssen, sei das für ihn kein Zukunftsmodell, so Söder. Land- und Forstministerin Michaela Kaniber sagte, sie fände es »sehr, sehr schade, dass mittlerweile extrem militant« gegen das Projekt vorgegangen werde: »Es kann nicht sein, dass eine Bundesregierung sagt, naja, bei Windkraft ist uns der Vogel egal und bei Wasserkraft ist der Fisch maximal schützenswert.«

Traunsteins Landrat Siegfried Walch blies ins selbe Horn. Die Debatte drehe sich hierbei um Mikronaturschutz gegen Klimaschutz. »Was wir hier schaffen wollen, ist ein Projekt für den Klimaschutz, völlig CO2-freie, grundlastfähige Energie, und gleichzeitig werten wir die Salzach auf und berücksichtigen den Mikrohabitatschutz«, so Walch.

Vor wenigen Jahren, erinnerte Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum, habe ein sogenannter Flussdialog stattgefunden, mit Bürgern aus beiden Ländern. 75 Prozent hätten damals für die Wasserkraft gestimmt. »Und diese Menschen können nicht verstehen, warum sich das so lange hinzieht. Wir wollen dieses Projekt, und die Gemeinden beiderseits der Salzach stehen voll dahinter«, unterstrich Bratzdrum.

Sein Amtskollege vom anderen Ende der Salzachbrücke, Ostermiethings Bürgermeister Gerhard Holzner befand: »Wir können nicht einerseits aus der fossilen Welt aussteigen und uns dann aber nicht darum kümmern, woher wir unseren Strom bekommen.« Auch in Österreich gehe alles schon lange in Richtung regenerative Energiegewinnung – und die Wasserkraft sei davon ein wesentlicher Bestandteil.

Dieses Kraftwerk ist nur der Anfang

Wie Karl Heinz Gruber vom Verbund am Rande der Veranstaltung gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt erklärte, sei dieses erste Kraftwerk nach seinem Dafürhalten nur der Anfang. Am Ende des Projekts sollen im Tittmoninger Becken drei Kraftwerke stehen, wann, das könne auch er nicht sagen. Sicher sei er sich aber ob der kolportierten 100 Gigawattstunden, die diese Kraftwerke liefern könnten, unter Berücksichtigung aller Starkregenereignisse oder Dürreperioden. Für ihn sei das Projekt in jedem Fall »eine Jahrhundertchance«.

enz