Gemeinderat Taching stimmt für Hochwasserschutz-Studie

Gemeinderat Taching stimmt für eine Hochwasserschutz-Studie
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Sandsäcke an der Straße vor dem Baugebiet Linnerfeld in Gessenhausen weisen auf die Überschwemmungsgefahr hin. (Foto: Caruso)

Taching am See – Im Neubaugebiet »Linnerfeld« des Ortsteils Gessenhausen und im Baugebiet »Tachinger Feld« in Taching gab es im Sommer 2020 erhebliche Hochwasserschäden und Überflutungen von Straßen und Kellern in den beiden Neubaugebieten.


Vor diesem Hintergrund will die Gemeinde jetzt eine Hochwasserschutz-Studie erarbeiten lassen, sofern sie dafür Zuschüsse erhält. Beschlossen werden soll die Auftragsvergabe in den nächsten Wochen. Der Gemeinderat stand der Studie positiv gegenüber, war sich aber einig, dass der Prozess einige Zeit in Anspruch nimmt und nicht beschleunigt werden kann.

»Die Gemeinde ist für den Hochwasserschutz bei Gewässern dritter Ordnung zuständig, jedoch nicht bei wild abfließendem Wasser während eines Starkregen-Ereignisses«, betonte Bürgermeisterin Stefanie Lang die Bereitwilligkeit der Gemeinde, vorbeugend etwas gegen künftige Hochwasserschäden auch außerhalb ihrer Zuständigkeit tun zu wollen. So könne die Gemeinde freiwillig eine Hochwasserstudie in Auftrag geben, um geeignete Schutzmaßnahmen daraus abzuleiten. Ein Auftrag für mögliche Schutzmaßnahmen sei erst nach Vorlage der Studie zu beschließen. Auch die Kostenübernahme für eventuelle Schutzmaßnahmen müsse sie erst noch klären, sagte Lang.

Bernhard Unterreitmeier, Geschäftsführer der Aquasoli GmbH in Siegsdorf erklärte die Vorgehensweise beim Erstellen der Studie und deren Bedeutung. Zunächst ermittle sein Büro eine Vielzahl von Daten aus offiziellen Unterlagen wie Entwässerungsplänen, Hochwassergefahrenkarten oder Niederschlagsaufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes. Dann werde ein digitales Geländemodell angefertigt, um strömungswirksame Strukturen sichtbar zu machen. »Dann gehen wir raus und überprüfen, ob die gewonnenen Daten mit der Wirklichkeit übereinstimmen.«

Schließlich erstelle man ein Abflussmodell anhand einer computertechnischen Modellsimulation, mit deren Hilfe sich errechnen lasse, wohin das Wasser abfließt. Das Modell beregne man dafür flächendeckend mit einem Starkregenereignis mit einer Wiederkehrzeit von 30, 50 und 100 Jahren. Dabei werde der Anteil des Regens, der versickert und von der Kanalisation aufgenommen werde, berücksichtigt.

Sämtliche Ergebnisse fasse man in einer Starkregenkarte zusammen, die auch zur Veröffentlichung auf der Internetseite der Gemeinde dient. »Die Darstellungen ermöglichen eine Einschätzung der Gefahren und zeigen der Gemeinde die Stellen, die einer besonderen Betrachtung bedürfen.« Am Ende ermittle sein Büro das Schadenspotenzial mit Wertverlust an Gebäuden, Infrastruktureinrichtungen und Flächen.

So könne beurteilt werden, welche Investitionen in welchen Bereichen der Gemeinde lohnend sind. Da-raus lasse sich ein ganzer Katalog an Maßnahmen ableiten. Zum Beispiel könne man technische Maßnahmen ergreifen oder eine Änderung in der Bewirtschaftung von Flächen herbeiführen, so Unterreitmeier. Erst dann gehe es um einzelne Gebäude. »Auch die Eigentümer von Wohnhäusern können viel dazu beitragen, ihr Eigentum zu schützen.« Er könne jedem ans Herz legen, die Starkregenkarte dann einzusehen, damit jeder einzelne sein Risiko beurteilen kann. Überdies diene die Studie dazu, den Dialog mit Behörden, Land- und Forstwirten oder mit Betrieben anzustoßen. Sie helfe bei der kommunalen Bauleitplanung und unterstütze die Feuerwehr.

Angesichts der Kosten erinnerte Unterreitmeier an Fördermöglichkeiten des Amts für Ländliche Entwicklung und des Freistaats. Die Studie koste pro Gebiet etwa 25 000 Euro, hieß es auf Nachfrage von Franz Gramminger. Bürgermeisterin Stefanie Lang bestätigte, dass sich die Vertreter des Amts für Ländliche Entwicklung bei einem Lokaltermin schon ein Bild von der Situation gemacht haben. »Wir können die Hochwasserstudie erst in Auftrag geben, wenn wir die Fördermöglichkeiten geklärt haben.«

Erich Koller fragte nach dem zeitlichen Rahmen und warnte davor, zu vermitteln, dass die Gemeinde eine Lösung für alle Weiler und Anwesen parat habe. »Auch wenn wir neuralgische Punkte, zu denen auch die Stelle bei der Bäckerei Wenig in Tengling gehört, minimieren, bleibt nicht auszuschließen, dass es anderswo zu Hochwasserschäden kommt.« Hans-Peter Brugger fragte nach kurzfristigen Möglichkeiten für die Bürger in den beiden Gebieten.

Bernhard Unterreitmeier erwiderte, die Studie werde nicht vor Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres fertig. Aber im Herbst wisse man schon mehr. Die Bürger könnten aber selbst etwas tun. Unter anderem sollten sie die allgemeinen Empfehlungen des Wasserwirtschaftsamts beachten. Zudem könne man fast alle Wohnhäuser in Deutschland gegen Elementarschäden versichern.

»Was passiert, wenn sich herausstellt, dass ein Gebäude stark gefährdet ist? Ist es dann noch versicherbar? Und wenn ja, ist die Prämie auch bezahlbar?«, fragte zweiter Bürgermeister Hans Steiner. »Nur ungefähr ein Prozent ist nicht versicherbar«, hieß es dazu. Aktuell bewege sich auch einiges in der Versicherungsbranche, so Unterreitmeier. Lang verdeutlichte: »Sobald alle Fragen geklärt sind, starten wir durch«.

Markus Haselberger vermutete, dass sich an der Gefahrensituation wohl nichts ändere, solange Bauwerber verpflichtet seien, ihre Häuser so tief ins Gelände zu setzen. Eine Hochwasserstudie sollte künftig bei jeder größeren Bauleitplanung zum Standard gehören und die Kosten auf die Erschließung umgelegt werden, regte Dominik Mayr an.

Werner Reith fragte: »Können wir die Studie beschleunigen, wenn wir nicht auf die Förderzusage warten?« Unterreitmeier verneinte dies und meinte, er habe aktuell keine Kapazitäten frei. Überdies gebe es derzeit keine verbindlichen Angaben zur Zuwendungshöhe.

Wolfgang Mayer unterstrich die Bedeutung der Studie: Sie schaffe die rechtliche Grundlage für die Genehmigung von Hochwasserschutzmaßnahmen in den betroffenen Gebieten. Letztlich fasste Bürgermeisterin Stefanie Lang zusammen. »Wir sind uns also einig, dass die Studie sinnvoll ist, sodass wir sie im Herbst unabhängig von der Höhe der Fördermittel beschließen und in Auftrag geben können.«

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