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Die Schulcontainer stehen bereits. Viele Klassen werden im nächsten Schuljahr während der Schulsanierung hier unterrichtet. (Foto: Eder)

Bürgerversammlung: Weltkrisen schlagen auch auf Grassau durch

Grassau – Die aktuellen Weltkrisen haben auch in Grassau ihren Tribut gefordert. Bürgermeister Stefan Kattari informierte in der Bürgerversammlung von vielen Sterbefällen (2021 waren es 95, Vorjahr 75 und 2019 69 Sterbefälle), von Lieferproblemen, Verteuerungen und Verzögerungen. Dennoch konnte er ein positives Bild des Gemeindegeschehens mit vielen Projekten zeichnen.


Hilfsmaßnahmen wurden von der Gemeinde unterstützt, wie der Impfbus, die Einrichtung eines Schnelltestzentrums und trotz angespannter Situation waren die Rathaus-Mitarbeiter mit Termin für die Bürger da. Seit Mai entspanne sich die Situation, das Rathaus sei wieder wie gewohnt offen, der Marktgemeinderat tage wieder im Sitzungssaal. Jubiläen und Geburtstagsgratulationen wurden im Heftersaal nachgefeiert.

Auch der Krieg in der Ukraine treffe die Gemeinde. Aufgabe der Gemeinde war es, Vernetzungen zu anderen Stellen zu bieten, Wohnungsangebote abzufragen und Info-Blätter in verschiedenen Sprachen auszugeben. Dabei habe die Vorsitzende des Vereins Integer, Uta Grabmüller, geholfen. Kattari lobte die Arbeit des Vereins, dessen Hilfsangebot von Kleiderkammer über Radlspenden und Sprachkurse bis zur Integration reicht.

Grassau verzeichne einen Rekordhaushalt von 31,3 Millionen Euro, acht Millionen mehr als im Vorjahr. »Rekorde sind nicht unser Ziel und die Abweichung ist im Hauptprojekt Schulsanierung begründet«, so Kattari. Der Verwaltungshaushalt umfasst 17,5 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt 13,8 Millionen Euro und damit um 7,8 Millionen mehr als im Vorjahr. Zum Vermögenshaushalt konnten 2,1 Millionen zugeführt und 800 000 Euro Schulden getilgt werden. Aus der Rücklage werden 300 000 Euro entnommen und ein Kredit über 8,1 Millionen Euro aufgenommen.

Gewerbesteuereinnahmen blieben stabil

»Coronaeffekte spielen bei uns keine Rolle und wir sind nicht in den Genuss staatlicher Ausgleichszahlungen gekommen. Die Gewerbesteuer-Einnahmen blieben stabil«, informierte der Rathauschef. Das bedeute, dass die Gemeinde Einnahmen und Ausgaben aus eigener Kraft bestreiten kann. Global gesehen, sei Corona jedoch nicht ausgestanden, Lieferketten seien gestört, Verteuerungen in allen Bereichen gegeben. Mangel herrsche im Baubereich auch aufgrund des Ukraine-Kriegs mit unabsehbaren Folgen für Europa und die Welt. »Uns treffen die Auswirkungen auch mit voller Wucht«, so Kattari.

Wichtigste Investitionen seien das Schulhaus mit Generalsanierung und Neubau eines Schultrakts, der Bau des Feuerwehrhauses in Rottau und die Anschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs für Rottau, der Kindergartenbau Gänsbachstraße und der barrierefreie Anbau ans Pfarrheim Rottau.

Nicht realisierbar sei bezahlbarer Wohnraum. Geprüft werde aber, ob eine eigene Wohnbaugesellschaft gegründet, oder über Dritte im Bereich Neuordnung Gewerbepark Wohnraum geschaffen werden kann. Die Gemeinde sei auch von der Inflation betroffen und so erschwere sich die Kalkulation. An vielen Stellen sei es gelungen, gleichwertige Lösungen bei Bauvorhaben zu finden. Als Beispiel nannte Kattari den Kindergarten Gänsbach, der in Holzbauweise erstellt werde – man sei vom Mangel an Dämmstoffen unabhängig. Der Boden werde aus Lehmziegeln und die Wände mit Lehm verputzt.

Zur Schule zeigte Kattari Pläne, Grundrisse und Ansichten, informierte über die Schaffung einer Mensa in der jetzigen Aula und den Bau einer neuen Aula. Mit der Sanierung werde nun begonnen und zwei weitere Container-Anlagen, die während der Sanierung als Schulräume genützt werden, sind bereit für den Umzug. Begonnen wird am Hochgebäude.

Kattari schätzte die Bauzeit auf eineinhalb Jahre. Der Rohbau Feuerwehrhaus Rottau stehe, nun beginne der Innenausbau. Die Kindertagesstätte Gänsbach mache enorme Fortschritte. Bis Jahresende solle der Kindergarten in Betrieb gehen.

Für einen neuen Flächennutzungsplan wurden die Aufträge vergeben. Der neue Plan gebe die Ziele für 20 bis 30 Jahre vor. Im Bereich der Bauleitplanung sollen Siedlungsgebiete überplant werden, um die bauliche Entwicklung besser zu steuern. In diesem Zusammenhang betonte Kattari, dass die gemeindliche Planungshoheit nicht für landwirtschaftliche Privilegierungen gelte. Das aktuelle Bauvorhaben am Roßanger habe die Gemeinde abgelehnt, vom Landratsamt jedoch erhielt der Bauwerber die Genehmigung.

Für den Gewerbepark wurde ein Planungskonzept verabschiedet und eine Veränderungssperre erlassen. »Mir ist wichtig, dass dort künftig viel gewerbliche Nutzung stattfindet«, so Kattari. Im ehemaligen Katekgebäude hätten sich viele junge Firmen angesiedelt. Die Idee einer Disco oder eines Clubs habe man noch nicht aufgegeben.

Die Neuordnung der Sportanlagen für die drei dort aktiven Vereine habe den Marktgemeinderat beschäftigt. Kattari betonte, dass die Gemeinde hier in der Planung sei und eine Realisierung viele Jahre in der Zukunft liege. Für Straßensanierungen wurden 650 000 Euro ausgegeben. Beauftragt wurde zudem eine Verkehrsplanung. Diese werden nach der Sommerpause vorgestellt.

Im Bereich Soziales verwies Kattari auf eine weitere Übergangs-Kindergartengruppe im alten Pfarrhof und den möglichen Waldkindergarten, die Familienstelle, die wieder das Ferienprogramm organisiert und kulturelle Veranstaltungen wie etwa den Georgi-Markt, der erstmals mit neuem Konzept nach zweijähriger Pause stattfinde.

Zur Wärmeversorgung Grassau stellte Kattari den möglichen Anschluss des Ortsteils Mietenkam in Aussicht. Demnächst werde hierfür eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Für die nächsten zwei Jahre darf sich Grassau bienenfreundlichste Gemeinde des Bezirks Oberbayern bezeichnen.

Heimliche Kulturhauptstadt des Landkreises

»Wir sind die heimliche Kulturhauptstadt des Landkreises«, so Kattari, der auf die größte Musikschule mit weit über 1000 Schülern, den Literaturpreis »Deichelbohrer«, den Volksmusikpreis »Habernspitz« sowie die Bücherei mit ihrer Online-Ausleihe, Konzerte im Heftersaal und Kurpark, den Agenda Kunstkreis, das Chronikprojekt und die Museen verwies. Neu hinzugekommen sei die Outdoorgalerie mit wechselnder Ausstellung von Werken jungen Künstler.

Viele Veranstaltungen habe es bereits gegeben, wie Sommerkonzerte im Kurpark, die noch bis September fortgeführt werden. Erstmals wird es im August und September Kino im Park geben. Im August folgen das Dorffest der Feuerwehr wie die lange Nacht. Der Michaeli-Markt werde stattfinden und auch der Grassauer Advent.

tb