Bildtext einblenden
Der neu renovierte heilige Johannes Nepomuk steht wieder in der Nische neben dem Schlosseingang. (Foto: Zandl)

Nepomuk steht wieder an der Schlossmauer

Chieming – Ortsheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins, Hubert Steiner, der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feierte, hat ein weiteres Mal die Initiative ergriffen, um Besuchern und Interessierten die Geschichte Chiemings näher zu bringen. Aktuell wies Steiner auf die Erneuerung der Informationstafel an der südwestlichen Schloss-mauer hin sowie auf die erneute Restaurierung der Statue des heiligen Nepomuk, die seit 2004 neben dem Eingangstor des Schlosses in einer Nische hinter einem Gitter platziert ist »und neben dem Mühlbach darüber wacht, dass niemand ins Wasser fällt«.


Figur einst am Seeufer angespült

Steiner kennt die Geschichte des Chieminger Brückenheiligen genau. Nach mündlicher Überlieferung wurde die Holzfigur des Johannes Nepomuk vor 1762 in Chieming angeschwemmt, weil sie auf einem Votivbild in der Kirche aus dem Jahr 1762 bereits dargestellt ist. »Es ist anzunehmen, dass die Figur von einer Brücke an der Tiroler Ache in den Fluss gestürzt ist, und durch die Strömung bei uns gelandet ist«, informiert Steiner.

Durch den Verkauf des Schlosses an einen Privatmann 1965 wurde die vermutlich seit Jahrhunderten in der Nische der Schlossmauer stehende Figur und das schmiedeeiserne Gitter entfernt. Die schon sehr ramponierte Figur wurde ins Depot des Pfarrhofs gebracht und das Gitter in der Hauskapelle des Schlosses eingebaut. Die Nische war im Lauf der Jahre mit Efeu überwuchert und nicht mehr sichtbar, erinnert sich Hubert Steiner. In Absprache mit den Schlossbesitzern begann man, die Nische vom Efeu zu befreien und den schadhaften Putz auszubessern. Die Ausmalung erfolgte nach historischem Befund, das Gitter wurde instand gesetzt, entrostet, neu gestrichen und wieder eingebaut. »Der desolate Zustand der Statue wurde von Restaurator Hannes Guggenberger aus Halfing neu gefasst und die fehlenden Attribute, ein Kreuz und die Märtyrerpalme, hinzugefügt«, so Steiner. Der Freundeskreis Heimathaus Chieming hat die Kosten für die aufwändige Restaurierung als Beitrag zur aktiven Heimatpflege übernommen.

Johannes, in Pomuk bei Pilsen 1350 geboren, wurde 1393 auf Weisung von König Wenzel IV. gefoltert und in Prag in die Moldau geworfen, weil er als Beichtvater von Königin Johanna deren Beichtgeheimnisse an den eifersüchtigen Wenzel nicht preisgeben wollte. An seinem Gedenktag, am 16. Mai 2004, wurde in einer Feier durch den damaligen Chieminger Pfarrer Mathias Häusl (+2020) die Einweihung des böhmisch-bayerischen Patrons vollzogen. Seither hat die Holzfigur erneut unter den Witterungseinflüssen gelitten, die aktuellen aufwändigen Restaurierungsarbeiten wurden diesmal durch den Axdorfer Künstler Klaus Weitemeyer erledigt. Die Kosten übernahm erneut der Heimatverein.

Hubert Steiner zeigte bei der Präsentation der Nepomuk-Statue auch die neu erstellte Informationstafel über die Geschichte von Chieming, die von der Gemeinde finanziert wurde. Die alte Tafel wurde im Lauf der Jahre zunehmend unlesbarer, zudem konnte ein Fehler ausgebessert werden, auf den Münzsammler Dr. Rainer Grimm aufmerksam gemacht hatte. Dem Traunsteiner Veterinärmediziner, ein Experte römischer Münzen, fiel bei einem Besuch im Heimathaus die falsche Beschriftung einer Münze mit einem römischen Kaiser auf, dessen Kopf ein doppeltes Perlendiadem schmückt. Dr. Grimm konnte diesen Kopf dem römischen Kaiser Valens (364 bis 378 n. Chr.) zuordnen. »Neben dieser Münze sieht man auf der Info-Tafel viele Zeugnisse unserer langen Siedlungsgeschichte sowie die schriftliche Ersterwähnung von Chieming im Jahr 804. Die Originale der gezeigten Exponate befinden sich in unserem Heimathaus«, sagt Steiner.

Einblick in Geschichte via QR-Code

Weitere kleinere Infotafeln vor dem Schloss, vor der ehemaligen Triebwerksanlage oder vor dem nahe gelegenen Inselblick gehören zu einer Reihe von insgesamt 17 Tafeln, die vor Kirchen und Kapellen im Gemeindegebiet aufgestellt sind. »Dazu wurde ein eigener Prospekt mit einer Landkarte erstellt, um die einzelnen Besichtigungsorte besser zu finden«, erklärt der Ortsheimatpfleger. Diese Tafeln wurden im Zusammenwirken mit der Gemeinde und dem Leader-Förderprogramm auf den Weg gebracht.

Steiner weist auf die QR-Codes an den Tafeln hin, »die bei einem Spaziergang an der Chieminger Uferpromenade mit dem Handy einen Blick in die Geschichte unserer Heimat vermitteln.« Auch über die Homepage des Heimathauses Chieming und mittels der Ortschronik, die in der Tourist-Info zu erwerben ist, könne man viel über die Heimatgeschichte erfahren.

az