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Die Hoffnung kickt mit

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»Edelweiß«-Hotelier Thomas Hettegger ist kein Anhänger des österreichischen Fußballs und traut vielmehr den Deutschen wieder einiges zu. (Foto: Wechslinger)
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Reiseführer Walter Gruber aus Salzburg ist kein Fußballfan, würde sich aber dennoch freuen, wenn seine Landsleute bei der Europameisterschaft weit kommen würden.

Welcher Mannschaft drücken eigentlich Österreicher, die im Talkessel leben, die Daumen. Und welche Mannschaft favorisieren Berchtesgadener, die in Österreich arbeiten. Dieser Frage ging der »Berchtesgadener Anzeiger« nach.


»Edelweiß«-Hotelier Thomas Hettegger hält als großer Anhänger des deutschen Fußballs von seinen Fußball spielenden Landsleuten nicht viel. Die Österreicher würden sich völlig offensichtlich, weil sie nach langer Zeit außer bei der eigenen EM wieder einmal dabei sind sind. Mit nur einem Spitzenspieler wie Alaba komme man nicht weit und überstehe nur die Vorrunde, ist sich Hettegger sicher. Seine Landsleute würden noch immer von Cordoba 1978 träumen, so Hettegger, als die Piefkes von den Ösis vorzeitig nach Hause geschickt worden sind. »Zu einem Duell wird es dieses Mal aber nicht kommen, weil die Österreicher vorzeitig ausscheiden«, ist sich Hettegger sicher und rät seinem Sportland, sich wieder mehr auf den alpinen Skilauf zu konzentrieren, der im Wesentlichen auch nur mehr von einem Marcel Hirscher lebe.

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Kurt Wiebach traut Österreich einiges zu

Kurt Wiebach, der zweimal mit Salzburger Mannschaften in die Erste Bundesliga aufgestiegen ist und Geschäftsführer beim FC Red Bull Salzburg war, billigt der österreichischen Mannschaft eine ebenso hohe Qualität zu wie in den 70er-Jahren, als Österreich Deutschland aus der WM geworfen hat. Wiebach schränkt jedoch ein, dass man nicht wisse, wie sich die österreichische Mannschaft in einem Turnier entwickelt. Dennoch traut Wiebach den Nachbarn einiges zu. Im Endspiel erwartet der Experte Gastgeber Frankreich und Deutschland. Den Spaniern traut Wiebach nach der misslungenen WM auch bei der EM keine entscheidende Rolle zu.

Hans Gföller vom Hotel »Wittelsbach« hat mit Fußball nichts am Hut: »Wir scheinen sonst keine größeren Probleme zu haben, wenn man diesen Hype betrachtet«, so Gföller, der die Europameisterschaft zur Kenntnis nimmt, daran aber kaum interessiert ist.

Franz Fegg, Spieler und Trainer in Österreichs zweiter Liga, kennt die Situation im österreichischen Fußball wie nicht leicht ein Zweiter. Fegg führt die Spielstärke der Österreicher auf zwei Komponenten zurück. Zum einen besteht der Kader bis auf den Torhüter aus lauter Legionären, die in starken Ligen spielen. Im Weiteren habe man mit dem Schweizer Marcel Koller vor knapp fünf Jahren einen Trainer gefunden, der aus der Mannschaft sehr viel herausgeholt hat, befindet der Oberauer Fußballlehrer, der sich vor drei Jahren aus dem Trainergeschäft zurückgezogen hat.

Österreich im Halbfinale?

Fegg ist fest davon überzeugt, dass Österreich schadlos durch die Gruppenphase kommt. Er erwartet die Nachbarn sogar unter den letzten vier Mannschaften, wenngleich Fegg den Österreichern den Titel nicht zutraut. Diesen werden seiner Meinung nach Deutschland, Spanien und Frankreich unter sich ausmachen. Freilich müssten die Franzosen dann besser spielen als im Auftaktspiel gegen Rumänien, befindet Franz Fegg.

Der Österreicher Fritz Neureiter lebt seit über 40 Jahren in Berchtesgaden und hat als junger Mann Stürmer beim Regionalligisten Hallein gespielt. Neureiter hält es bei dieser EM für schwierig, Prognosen zu stellen, weil der Favoritenkreis recht groß sei. Deutschland als große Turniermannschaft sowie Spanien und Belgien zählt Neureiter zum engeren Favoritenkreis. Bei Österreich wollte er sich nicht festlegen und wäre froh, wenn sein Heimatland die Gruppenphase überstehen würde. »Schon das erste Spiel morgen gegen Ungarn wird sicher schwer«, befürchtet Neureiter. Enttäuscht war der Österreicher von den ersten Auftritten der Franzosen und Schweizer.

Der Salzburger Touristenführer Walter Gruber traut seinen Landsleuten zu, ins Halbfinale zu kommen. »Man hofft halt«, so Gruber, der ansonsten kein großer Fußballanhänger ist. Zu den Favoriten zählt Gruber Spanien, England, Frankreich und Deutschland.

Der ehemalige Spieler und Pressesprecher des TSV Berchtesgaden, Walter Pohnert, arbeitet seit Längerem in Österreich und bekommt durch seine Arbeitskollegen auch einiges mit. »Die Österreicher sind unglaublich heiß auf die Europameisterschaft und trauen ihrer Mannschaft viel zu.« »In der Gruppenphase sollte es keine Probleme gegen Ungarn geben, Island wird zu schwach sein und gegen Portugal müssten die Österreicher Ronaldo ausschalten«, sagt Pohnert, der die gute Arbeit von Trainer Koller lobt. Als Geheimnis des österreichischen Erfolgs nennt Pohnert die Legionäre im Team, die Koller zu einer Einheit geformt habe.

Auch der Berchtesgadener Gemeinderat Hans Kortenacker arbeitet in Österreich und berichtet von einem unglaublichen Hype im Nachbarland, in dem schon viele ihre Mannschaft als Europameister sehen. Der große Fußballanhänger organisiert schon seit Längerem eine Tippgemeinschaft, an der sich 60 Tipper beteiligen. Zwei von ihnen setzen auf Österreich, die meisten auf Deutschland und mit etwas Abstand wird Spanien und Frankreich als neuer Europa-Champion genannt. Kortenacker hofft darauf, dass Österreich möglichst weit kommt, glaubt jedoch nicht daran. »Die Österreicher schaffen das vom Mentalen her nicht«, so Kortenacker. Auf keinen Fall wünscht sich der Berchtesgadener Gemeinderat ein Zusammentreffen von Österreich und Deutschland, das Kortenacker als großen EM-Favoriten nennt. Christian Wechslinger