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Warum wir Deutsche so fasziniert von den Royals sind - und besonders von Harry und Meghan

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Royale Hochzeit: Prinz Harry und William ARCHIV - 15.06.2010, Botsuana, Gaborone: Die britischen Prinzen William (r) und Harry halten eine Nördliche Felsenpython im Mokolodi-Reservat. Foto: Shayne Robinson/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
William und Harry
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Harry heiratet und William ist der Trauzeuge. Foto: Matt Crossick/PA Wire Foto: dpa
Prinz Harry + Meghan Markle
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Der britische Prinz Harry und seine Verlobte Meghan Markle laden keine Politiker zu ihrer Hochzeit ein. Foto: Andrew Matthews Foto: dpa
Meghan Markle
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Meghan Markle wird von ihrem Vater zum Altar geführt. Foto: Victoria Jones Foto: dpa
Prinz Harry & Meghan Markle
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Prinz Harry und Meghan Markle sind wohl Ziel einer rassistischen Drohung geworden. Foto: Andrew Milligan/PA Wire Foto: dpa

Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle zieht Millionen in ihren Bann. Woher kommt diese Vorliebe für die Königsfamilie einer von Europa wegdriftenden Insel? Es hat sehr viel mit den Deutschen selbst zu tun.

Millionen Deutsche werden nächste Woche Samstag (19. Mai) die Royal Wedding einschalten. Sie wollen das strahlende Brautpaar erleben: Prinz Harry und US-Schauspielerin Meghan Markle. Aber sie wollen auch die Queen winken sehen - trägt sie zartes Gelb oder Königsblau? - und ein paar Schritte hinter ihr den gefühlt 200 Jahre alten Gatten Philip. Sie wollen dabei sein, wenn Öko-Freak Charles in einem womöglich Apfelsaft-betriebenen Bentley vorfährt. Und natürlich sind sie neugierig darauf, wie übernächtigt die frisch gebackenen Eltern William und Kate aussehen.

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Die Frage ist nur: Warum? Aus welchem Grund nehmen die Deutschen immer wieder Anteil am Schicksal einer englischen Adelsfamilie, deren Mitglieder im Allgemeinen nicht durch besondere Leistungen auffallen? Karina Urbach, Historikerin in Princeton und eine der renommiertesten Expertinnen für die britische Monarchie, sagt dazu der Deutschen Presse-Agentur: «Was man nicht selbst hat, findet man exotisch und begehrenswert. Außerdem wissen wir natürlich, wie deutsch diese Familie bis 1917 war – ein Export aus Hannover und Coburg. Wir haben eine gemeinsame Geschichte.»

Windsor ist ein Fantasie-Name, den sich die Dynastie erst im Ersten Weltkrieg zulegte. Damals hatte Deutschland noch seine eigenen Royals, die Hohenzollern. Und die konnten es an «Pomp and Circumstance» - Glanz und Gloria - allemal mit ihren Verwandten von der Insel aufnehmen. Nicht die Königin von England, sondern Kaiser Wilhelm II. galt um 1900 als der meistfotografierte Mensch der Welt. Aber dann kamen Weltkrieg, Niederlage und Zwangsabdankung. Seitdem muss der Windsor-Clan als Ersatz herhalten. 

Nun kann man sich natürlich fragen: Warum überhaupt dieses Bedürfnis nach Royalem? Eine Antwort gibt William Shakespeare in «Heinrich V.»: «Was haben Könige, das der gemeine Mann nicht hat? Es sei denn Zeremonien, die großen Zeremonien.» Es ist eben alles so schön anzusehen mit den Uniformen, Pferdchen und goldenen Kutschen. Höchstens der Vatikan reicht an diesen Zirkus Krone noch heran. 

Dabei geht es natürlich auch um Eskapismus - Flucht in eine untergegangene Welt, in der der Butler noch die «Times» bügelt und jeder seinen angestammten Platz kennt. Auf der Anziehungskraft solcher spätfeudalen Herrschaftsbiotope basiert der Erfolg von «Downton Abbey». Fans dieser Fernsehserie haben eine Schwäche für die englische Upper Class; ihr Herz schlägt höher beim «Oxford Stutter», jenem manierierten Stottern, mit dem jenseits von «Downton Abbey» zum Beispiel Außenminister Boris Johnson brilliert. 

Ein weiterer Grund für das Interesse an den Windsors dürfte ganz einfach sein, dass man sie schon so lange kennt. Die Queen war immer schon da, auch die ältesten Deutschen können sich kaum mehr an die Zeit vor ihr erinnern. Suez-Krise, Kalter Krieg und Eiserne Lady - sie hat das alles stoisch ausgesessen, treu der alt bewährten Maxime «never explain, never complain» (nie erklären, nie beschweren). Die Anfangsjahre waren gerade noch Thema der mit Preisen überhäuften Netflix-Produktion «The Crown».

Und Harry, der jetzt endlich unter die Haube kommt? Man muss nur den Namen hören, und schon spulen sich ganze Bilderfolgen ab: Prinzessin Diana mit dem kleinen Bündel im Arm auf der Schwelle des St Mary's Hospital in London-Paddington. Sein erster Schultag in kurzer Hose. Und dann, natürlich: der Teenie im Anzug hinter dem Sarg seiner Mutter. Das große Glück, das stille Leid - my god, man war ja stets dabei, wenn auch nur am Fernseher.

Nicht immer hatten die Royals in Deutschland ein so positives Image wie heute. In den 1970er Jahren galten sie als Symbol der angestaubten englischen Klassengesellschaft, die auch wirtschaftlich den Anschluss verloren hatte. Die 1990er Jahre standen dann im Zeichen endloser Ehestreitigkeiten und hormoneller Wirren, man denke an den fernmündlich geäußerten Wunsch von Prinz Charles, als Camillas Tampon wiedergeboren zu werden. 

Nach dem Unfalltod Dianas galt das Ende der britischen Monarchie schon fast als ausgemachte Sache. Doch seitdem haben die Windsors ihre PR stark verbessert und erfreuen sich nun ungekannt hoher Zustimmungsraten. Vielleicht hat das auch mit dem Brexit zu tun: In Zeiten großer Veränderungen vermitteln die bekannten Gesichter auf dem Palastbalkon ein Gefühl der Stabilität.

Mit Harry (33) und Meghan (36) ist das Haus Windsor nun auch im 21. Jahrhundert angekommen. Er war lange der Party-Prinz, dem man aber nichts krumm neben konnte, sie ist die geschiedene Tochter einer Afroamerikanerin und engagiert sich für Frauenrechte. Also ein massiver Modernitätsschub für die tausendjährige Institution. «Sie entsprechen dem Zeitgeist», fasst Historikerin Karina Urbach zusammen. «Die Royal Family kann mit dieser Hochzeit zeigen wie volksnah und multikulturell sie ist.» Damit können sich nun erstmals auch Linksliberale offen dazu bekennen, dass sie sich kommende Woche die Hochzeit in Windsor ansehen. dpa