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Jahrgang 2009 Nummer 20

Vor 150 Jahren wurde die Feuerwehr Traunstein gegründet

Sie ist die älteste Feuerwehr Oberbayerns – Jubiläumsfeier vom 22. bis 24. Mai

Fahrzeugweihe der Berufs- und  Kraftfahrervereingung 1954

Fahrzeugweihe der Berufs- und Kraftfahrervereingung 1954
Festgottesdienst 100-jähriges Gründungsfest 1959

Festgottesdienst 100-jähriges Gründungsfest 1959
Festzug 50-jähriges Gründungsfest 1909

Festzug 50-jähriges Gründungsfest 1909
In der Nacht vom 25. zum 26. April 1851 wurde Traunstein von einer Feuerbrunst ungeahnten Ausmaßes heimgesucht. Der Ausbruch des Feu-ers entstand durch Brandstiftung beim Stadel am Neubau des Pfarrhofes außerhalb des oberen Tores. Durch einen ungewöhnlich aufkommenden starken Wind setzte der Funkenflug andere Gebäude sofort in Brand. Die gesamte Nordseite des Schrannenplatzes (Stadtplatz) einschließlich der öffentlichen Gebäude (Rathaus, Rentamt, Landgericht und Hauptzollamt) brannten bis auf die Grundmauern nieder. Obwohl auswärtige Feuerspritzen, die aber nicht organisiert waren, sofort den Traunsteiner Bürgern zu Hilfe eilten, konnte nicht verhindert werden, dass gegen viertel nach drei Uhr morgens die St. Oswald-Kirche einschließlich des Turmes samt Geläut zusammenbrach. Außerhalb des oberen Tores (heute Heimathaus und Brothausturm) standen die Häuser in der Rosenheimer Straße (Maxstraße) bis Höhe des heutigen Landratsamtes ebenfalls in Flammen.

So wird der letzte Traunsteiner Stadtbrand in der Festschrift beschrieben, die die Freiwillige Feuerwehr Traunstein zum 150. Jubiläum herausgegeben hat, das sie vom 22. bis 24. Mai feiert. Die verheerende Brandkatastrophe war der Anlass dafür, dass einige Jahre später in Traunstein eine Feuerwehr gegründet wurde. Initiator war der Lithograf und Buchdrucker Anton Miller, der auch Feuerversicherungsagent war. Er fand zusammen mit dem Bürgermeister und Kaufmann Jakob Prandtner einen Kreis beherzter Traunsteiner Bürger, die sich bereit erklärten, ähnlich wie in anderen bayerischen Städten eine Feuerwehr zu gründen. Der erste schriftliche Entwurf zur Gründung der Wehr ist vom 20. August 1859 datiert. Am 1. November 1859 wurde dieser dem Landesverband vorgelegt. Er ist damit das älteste Zeugnis über die Freiwillige Feuerwehr Traunstein.

Durch verschiedene Artikel im Traunsteiner Wochenblatt musste Anton Miller aber vorher erst bei den Vertretern der Stadt und bei der Be-völkerung den Boden für dieses Vorhaben ebnen und sie davon überzeugen, dass »Zeit und Erfahrung gelehrt haben, dass bei entstehender Feuersgefahr eine nach bestimmten Normen geordnete Feuerwehr dringendes, im Gesamtinteresse jeder Kommune liegendes Bedürfnis ist«. Weiter wies er darauf hin, dass die Erfahrungen bei Bränden in der Vergangenheit gezeigt hätten, dass bei Löschversuchen durch die betroffenen Hausbewohner, durch Nachbarn und andere beherzte Männer trotz aller Hilfsbereitschaft der Zweck oft nicht oder nur unvollkommen erreicht worden sei, weil es an der entsprechenden Organisation und sachkundiger Führung gemangelt hätte.

Am 2. Juli 1860 fand im kleinen Rathaussaal die erste Generalversammlung statt, um die Wahl des Kommandanten, der Adjutanten und der Vorstandschaft zu vollziehen. In die Vorstandschaft gewählt wurden Jakob Prandtner, Anton Gerner, Anton Miller, Eugen Oberndorfer, Clemens Rappold, Georg Schneider, Josef Seiwald. Zum Feuerwehrkommandant wurde Georg Schneider er-nannt. Seine Adjutanten wurden Anton Gerner und Eugen Oberndorfer. Damit löste sich der »provisorische Ausschuss« auf, der sich 1859 gebildet und die Vorarbeit geleistet hatte. Mit dem Entwurf zur Gründung hatte dieser die »Geburtsurkunde« geschaffen. Mit der Generalversammlung ein Jahr später wurde die Traunsteiner Feuerwehr »aus der Taufe« gehoben. Sie ist damit die älteste Feuerwehr in Oberbayern und die viertälteste in Bayern.

Ihre erste große Bewährung hatte die junge Wehr bereits am 23./24. Juli 1860 bei einem Brand in Trostberg. Die sieben Traunsteiner Feuerwehr-leute konnten aus einem Stadel eine größere Menge Pulver in Sicherheit bringen und damit die Gefahr einer Explosion verhindern. Im August be-richtete das Traunsteiner Wochenblatt von einer »Parade unserer jungen Feuerwehr«. »Am Montag abends 7 Uhr rückte die hiesige neu organisierte Feuerwehr in ihrer kleidsamen Uniform, die Steiger mit schwarzen Lederhelmen, die Retter mit Schirmmützen auf dem Turnplatz zur Vor-stellung aus und nahm einige Übungen vor«. Im März 1861 zählte die Wehr bereits 149 Mitglieder. Dem Vorbild der Stadt Augsburg folgend griff die Feuerwehr Traunstein die Ideen des Turnvaters Jahn auf und gründete zur körperlichen Ertüchti-gung ihrer Feuerwehrmänner einen eigenen »Turnerlöschzug«. Dieser wurde zur Keimzelle des Turnvereins Traunstein. Dessen Vorstand wurde Georg Schneider, der die Feuerwehr als 1. Kommandant bis 1862 aufgebaut hatte und danach vom Josef Wiespauer abgelöst wurde. Unter ihrem dritten Kommandanten Anton Wittmann feierte die Traunsteiner Feuerwehr 1869 ihr zehnjähriges Bestehen mit Weihe der neuen Fahne, die heute noch erhalten ist. Sie wurde von den Frauen gestiftet und nach einem Entwurf des Kunstmalers Max Fürst angefertigt.

Es gab aber auch Rückschläge. So trat zum Beispiel Ende 1874 Josef Haider als Kommandant zurück, da das Interesse seitens der Mannschaft am Feuerwehrwesen ständig sank. Viele Mitglieder weigerten sich, die Übungen mitzumachen, um nicht von nicht beteiligten Bürgern verspottet zu werden. Die Feuerwehr stand damit kurz vor der Auflösung. Im Frühjahr 1875 wurde Max Aigner zum neuen Kommandanten gewählt. Die Freiwillige Feuerwehr und die Pflichtfeuerwehr Traunstein wurden zur »Städtischen Feuerwehr Traunstein« zusammengefasst. Im Juni 1884 feiert die Feuerwehr mit 62 anderen Feuerwehren ihr 25. Gründungsfest.

Auch die Feuerwehr stand dem technischen Fortschritt aufgeschlossen gegenüber. 1893 wurde die stille Alarmierung eingeführt. Damit konnte die Feuerwehr schneller und vor allen Dingen ohne Schaulustige am Brandort sein. An der Kindergartenstraße wurde 1897 ein neues Feuerhaus für die erste »Compagnie« gebaut. Bis zum Umzug in das neue Feuerwehrhaus an der Scheibenstraße 1979 bleibt dieses Gebäude die Heimat der Feuerwehr. Die älteren Traunsteiner haben es noch gut in Erinnerung. Am 1. Januar 1914 wurde die Gemeinde Au in die Stadt Traunstein eingemeindet und die Freiwillige Feuerwehr Au der Stadtfeuerwehr angegliedert. Ein großer Teil der Ausrüstungsgegenstände wurde übernommen, der Rest ging an den städtischen Baustadel und das Heimathaus. Der Erste Welt-krieg geht auch an der Feuerwehr nicht spurlos vorüber. 268 von 289 aktiven Mitgliedern standen 1917 im Militärdienst, so dass der Brandschutz mit nur 21 Mann und beurlaubten Soldaten aufrecht erhalten wurde.

Im Dezember 1924 wurde die erste Motorspritze bei der Feuerwehr Traunstein und damit auch im Landkreis Traunstein in Dienst gestellt. Sie versah bis in die 1950er Jahre ihren Dienst. Von Max Binder erwarb die Feuerwehr einen Lkw, der bereits seit 1925 im Feuerhaus untergestellt war, so dass das Beladen der Spritze nicht mehr notwendig war. 1931 spendete Peter Osenstätter einen Peugeot Paris, der zu einem Vorspannwagen für die zweite Motorspritze umgebaut wurde. Drei Jahre später wurde das erste spezielle Feuerwehrauto beschafft: Ein Mannschafts- und Gerätewagen LF 12.

Im Zuge der staatlichen Umorganisation wurden 1936 die Feuerwehren zur Feuerschutzpolizei. Peter Osenstätter wurde zu deren Kommandan-ten ernannt. Auf dem Horst-Wessel-Platz (Maxplatz) fand 1941 die Übergabe einer Motorspritze an die HJ-Feuerwehr statt. Ein Jahr später wurde ein Löschgruppenfahrzeug LLG in Dienst gestellt, damals das Standardfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehren. Da immer mehr Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden, stellte die Traunsteiner Feuerwehr 1942 eine Frauengruppe auf. Kriegsbedingt waren die Traunsteiner vom April 1944 bis Januar 1945 in München eingesetzt. Die ersten Wahlen nach dem Krieg erfolgen 1946. Willi Hilger wurde neuer Kommandant. Rund 3000 Feuerwehrleute von 128 Wehren waren dabei, als die Traunsteiner 1959 das 100. Gründungsfest begingen. Das Geburtstagsgeschenk der Stadt war ein neues Tanklöschfahrzeug. Im Dezember 1963 wurde eine neue Drehleiter DL 25/2 übergeben.

Am 1. Juli 1972 trat die Gebietsreform in Kraft. Die Gemeinde Kammer und Teile der Gemeinde Hochberg kommen zur Stadt Traunstein, die Feuerwehren bleiben jedoch eigenständig. 1976 weihte Pfarrer Wilhelm Schels in der Stadtpfarrkirche die neue Fahne. Die Strahlentherapie hielt im Traunsteiner Krankenhaus immer mehr Einzug, so dass 1977 ein Atem- und Strahlenschutzfahrzeug nach den Plänen von Gerätewart Sepp Eichschmid angeschafft wurde. Da das Feuerhaus am Maxplatz aus allen Nähten platzte, erfolgte 1977 die Ausschreibung zum Bau des neuen Feuerwehrhauses an der Scheibenstraße. Im Juli 1979 bezogen die Floriansjünger dort ihr neues Domizil. Zum 125. Jubiläum gab es von der Stadt eine neue Drehleiter DLK 23/12. Der Landkreis übergab 1986 der Traunsteiner Wehr einen Einsatzwagen des Katastrophenschutzes. Das Fahrzeug musste von ihr bei größeren Einsätzen mit anderen Hilfsorganisationen besetzt werden. Eine Ära war 1994 zu Ende, als Sepp Eichschmid, der über 30 Jahre Gerätewart war, in den Ruhestand ging. Ein lang gehegter Wunsch ging 2004 in Erfüllung, als ein neuer Rüstwagen das Fahrzeug von 1976 ablöste. Nach alter Tradition gibt es zum runden Geburtstag 2009 wieder ein Geschenk der Stadt. Im April 2008 wurde eine neue Drehleiter bestellt. Die ausgefahrene Leiter erreicht eine Rettungshöhe von 30 Meter bzw. eine Arbeitshöhe von 31,5 Meter. Die Kosten betragen 710 000 Euro. An den Kosten beteiligen sich der Landkreis und der Freistaat. Zum 150. Jubiläum wird es am kommenden Wochenende offiziell eingeweiht.

Günter Buthke



20/2009