Jahrgang 2001 Nummer 1

Salzburg und Bayern in alten Landkarten

Auch Kohlbrenners »Mautkarte« ist in der Ausstellung in Salzburg zu sehen

Franz Seraph Kohlbrenner, Schöpfer der Mautkarte für Bayern von 1764

Franz Seraph Kohlbrenner, Schöpfer der Mautkarte für Bayern von 1764
Bayerische Mautkarte von Johann Franz Seraph Kohlbrenner

Bayerische Mautkarte von Johann Franz Seraph Kohlbrenner
Straßenkarte des Erzstifts Salzburg von Leopold Faber, 1796

Straßenkarte des Erzstifts Salzburg von Leopold Faber, 1796
Als einziges geistliches Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches ist Salzburg bis heute im wesentlichen in seinen alten Grenzen als eigenes Land erhalten geblieben. Diese Sonderstellung hat nicht nur ein sehr ausgeprägtes Heimat- und Landesbewußtsein bei den Salzburgern bewirkt, sondern sie ist auch der Grund für die Faszination, die von den Zeugnissen der ehemaligen Stellung als eigenständiges Fürstentum ausgeht. Solche Zeugnisse sind beispielsweise die Münzen und Medaillen der Salzburger Fürsterzbischöfe, aber auch die historischen Karten des Landes, in denen sich der ästhetische Reiz alter Graphik mit vielseitigen kartographischen Informationen verbindet – zur Freude aller Salzburg-Liebhaber und Sammler heimatgeschichtlicher Raritäten.

Ein leidenschaftlicher Sammler von Salzburger alten Landkarten war der Journalist und Schriftsteller Wilhelm Schaup. Der aus einer alten Salzburger Familie stammende Heimatforscher hatte bei Hans Sedlmayr Kunstgeschichte studiert. Sein beruflicher Werdegang führte ihn über das EFTA-Generalsekretariat in Genf und die Generalintendanz des ORF zurück nach Salzburg, wo er als erster Geschäftsführer das neu gegründete »Salzburger Institut für Raumforschung« aufbaute. Sein im Jahre 1967 erschienenes Buch »Altsalzburger Photographien« wurde als »der Schaup« zu einem Standardwerk. Nach seiner Pensionierung nahm Wilhelm Schaup, der inzwischen in das Tessin übersiedelt war, sein wichtigstes Werk in Angriff: die Katalogisierung aller von 1551 bis 1867 gedruckten Landkarten von Salzburg. In Zusammenarbeit von Archiv der Stadt Salzburg, dem Salzburger Landesarchiv und dem Salzburger Museum Carolino Augusteum liegt nun mit dem Buch »Salzburg auf alten Landkarten – 1551 bis 1866/67« das Ergebnis von Schaups jahrelangen Arbeiten vor, ein systematischer, reich illustrierter Katalog sämtlicher gedruckter Landkarten Salzburgs. Anläßlich des Erscheinens dieses Standardwerks, das der Verfasser leider nicht mehr erleben durfte, zeigt das Salzburger Museum Carolino Augusteum in einer Sonderausstellung noch bis zum 14. Januar 2001 einen repräsentativen Teil dieser Landkarten, ergänzt durch historische Globen, Vermessungsgeräte und Druckplatten.

Die in zehn Abteilungen gegliederte Ausstellung beginnt mit der im Jahre 1551 in der Offizin von Hans Baumann erschienenen Karte Salzburgs von Makus Setznagel (1520-1580). Drei Nachdrucke aus dem 17. Jahrhundert haben diese Originalkarte mit dem Titel »Das Land und Erzstift Salzburg mit den anstoßenden Coherenzen« weit bekannt gemacht. Die Baumann´sche Offizin wurde mit allen wertvollen Druckstöcken im Jahre 1669 beim katastrophalen Mönchsberg-Felssturz an der Gstättengass vernichtet.

Die nach Süden orientierte Setznagel-Karte blieb für lange Zeit die einzige Originalkarte Salzburgs. Sie diente auch dem angesehenen Antwerpener Humanisten und Kartographen Abraham Ortelius als Vorlage für dessen 1570 publiziertes bahnbrechendes Werk »Theatrum Orbis Terrarum« und ist dort in Westorientierung wiedergegeben. Auch der Niederländer Geograph Gerard Mercator, von dem der Begriff »Atlas« für ein Kartenwerk in Buchform stammt, griff auf die Vorlage von Setznagel zurück, überarbeitete und verbesserte sie jedoch. Den größten Fortschritt bildet die Vereinheitlichung der Graduierung und die Nordorientierung. Negativ fallen bei Mercators Salzburgkarte die falschen Größenverhältnisse der Salzkammergut-Seen auf, ebenso der unrichtige Verlauf der Tauerntäler und die Verschiebung des Lungaus nach Norden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwarf der Benediktiner Odilo von Guetrather, der Prior des Stiftes Michaelbeuern, aus eigenem Interesse eine neue Landeskarte. Seine kartographischen Zeichnungen wurden bei Georg Mattäus Seutter d. Ä. in Augsburg gestochen und gedruckt. Schon zuvor hatten sie dem Nürnberger Kartenverleger Johann Baptist Homann als Vorlage für dessen umfangreiche Atlanten gedient. Homanns Erben und andere zeitgenössische Kartographen bearbeiteten die Vorlagen Guetrathers weiter und schufen dabei einige der schönsten Karten von Salzburg bis zu seinem Ende als selbständiges geistliches Fürstentum im Jahre 1803. Diese Stiche sind durch die weitgehende Übereinstimmung ihrer Inhalte, des Formats, des politischen Flächen- und Grenzkolorits sowie durch ihre prächtige Verzierung gekennzeichnet. Daraus erwächst die einheitlich ästhetische Wirkung der Blätter, bei denen es sich zumeist um echte Landeskarten handelt unter Verzicht auf die Wiedergabe aller benachbarter Territorien.

Im Zeitraum zwischen 1803 und 1816 erlebte die Salzburger Bevölkerung nicht weniger als sechs verschiedene Herrschaftsformen. Trotz des Wechsels vom geistlichen »Erzstift Salzburg« zum Kurfürstentum unter dem Habsburger Ferdinand III. als Entschädigung für die verlorene Toskana, der anschließenden ersten Zugehörigkeit zu Österreich, der französischen Militärverwaltung, der Übergabe Salzburgs an das Königreich Bayern und der schließlich endgültigen Angliederung an Österreich blieb Salzburg weitgehend in seinen alten Grenzen erhalten.

Kartographen und Verleger dieser unruhevollen Zeiten schufen in rascher Folge aktualisierte Neubearbeitungen der jeweiligen politischen Situation, obwohl sie die topographische Darstellung in der Regel unverändert übernahmen. Ein kartograpisch-historisches Kuriosum bilden die britischen Karten: Sie zeigen unverändert die Situation vor dem Jahre 1803, weil England die Auflösung des Reichs und die Säkularisierung des Erzstifts Salzburgs nicht anerkannte.

Die damaligen Kartenzeichner befleißigen sich eines eher sachlichen Stils und stellen ihre Blätter in strenge, einfache Rahmen. Nüchternheit tritt an die Stelle des früheren reichen ornamentalen Schmucks. Im übrigen steigerten die beinahe pausenlosen Kriegszüge den Kartenbedarf des Militärs, das diesen immer wieder durch rigorose Konfiskationen zu decken suchte.

Schon der letzte regierende Erzbischof, Hieronymus Graf Collorede, hatte zwar schon ab 1784 durch das »Hochfürstliche Mappierzimmer« die kartographische Neuaufnahme Salzburgs in die Wege geleitet, die systematische durchgehende Katastralvermessung des Landes erfolgte aber erst nach der endgültigen Angliederung Salzburgs an Österreich im Jahre 1816. In den Jahren von 1823 bis 1830 wurde Salzburg als Kreis Oberösterreichs im Maßstab 1:2880 kartographisch aufgenommen, die systematischen Höhenmessungen folgten ab 1860.

Dem Stil nach sind diese Karten teilweise nach dem Klasizismus, teils schon dem beginnenden technischen Zeitalter zuzuordnen. Auf den topographischen Karten finden sich als neue Elemente moderne Geländeprofile, Panoramen und thematische Zusätze. Die Nordorientierung aller Karten ist allgemein üblich geworden, so daß meist auf Kompaßrosen, Nordpfeile oder die Angabe der Himmelsrichtungen verzichtet wird.

Eine eigene Abteilung der Ausstellung im Museum Carolino Augusteum ist den thematischen Karten gewidmet, die allgemeine Sachverhalte oder wissenschaftliche Erkenntnisse in graphischer Form vermitteln, beispielsweise die Verwaltungs- und Gerichtsgliederung, Straßen und Wege, bodenkundliche Informationen und geschichtliche Ereignisse. Unter den Verkehrskarten befindet sich auch die mehrfach aufgelegte »Mauth-Charte von Bayern« des aus Siegsdorf stammenden Hofkammerrats Johann Franz Seraph Kohlbrenner (1728-1783). Der auch als Sammler von Kirchenliedern und Herausgeber des »Churbaierischen Intelligenzblattes« bekannt gewordene Sohn eines Traunsteiner Salinenarbeiters schuf seine Karte nach dem Vorbild von Appians »Landtafel« in einer großformatigen Fassung (65,7 cm mal 55 cm) und im kleineren Handformat (25,2 cm mal 28,8 cm). Sie enthält neben dem Gewässernetz alle größeren Orte in Bayern, vor allem die Mautstellen. In der beigefügten Tabelle gibt Kohlbrenner die insgesamt 59 geldpflichtigen Straßenabschnitte beziehungsweise Mautstationen an, darunter Traunstein, Trostberg, Altenmarkt, Marquartstein, Reichenhall, Burghausen, Neuötting und Rosenheim. Die Karte war einerseits für den öffentlichen Aushang in den Amtsstuben, andererseits für den privaten Gebrauch der Reisenden bestimmt.

Julius Bittmann



1/2001