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Jahrgang 2020 Nummer 22

Heiliger Felix I., Papst und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Felix (= glücklich) I. regierte die Kirche Gottes von 269 bis 274. Bereits einige Jahre hindurch hatte die Irrlehre des Paulus von Samosata, Bischof von Alexandria, Unruhen in der heiligen Kirche verursacht. Zu Antiochia wurden wegen seiner drei Konzilien gehalten; aber er unterwarf sich nicht, sondern blieb trotz des Kirchenbannes in seinem Bistum und gab sohin doppeltes großes Ärgernis. Kaiser Aurelian kehrte von seinem Feldzuge gegen die Königin Zenobia in Palmyra nach Antiochia zurück. Man brachte die Streitsache wegen der gewalttätigen Behauptung der bischöflichen Wohnung vor den Kaiser. Dieser, obwohl Heide, entschied, dass die bischöfliche Wohnung jenem gehöre, welchen der Bischof von Rom und die italienischen Bischöfe anerkennen würden. Dies ist ein Beweis von dem Ansehen des Bischofs von Rom, das heißt des Papstes auch zu jener Zeit. Der heilige Papst Felix entschied selbstverständlich gegen den Widerspenstigen, und so musste derselbe seinen ungerechten Sitz verlassen. Jener Irrlehrer hatte behauptet, Jesus sei nur ein bloßer Mensch gewesen, in welchem das Wort (d.i. der Sohn Gottes) durch seine Wirkung wie in einem Tempel wohnte. – Würde die Kirche, würden die Päpste sich nicht des besonderen Beistandes des heiligen Geistes erfreuen, so wären die Lehren Christi bei der Menge von ausbrechenden Irrlehren schon längst verzerrt, gefälscht und in ihrer Reinheit und Erhabenheit uns entzogen worden. Der heilige Felix starb als Martyrer den 30. Mai 274.

Lehre. Der heilige Felix gab die Verordnung, dass die heilige Messe nur über den Gräbern der Martyrer gefeiert werden dürfe. Diese Verordnung ist aber nur ein neuer Hinweis auf die schon bestehende Sitte und gab Veranlassung, dass jeder Opferaltar Reliquien von heiligen Martyrern enthalten muss. Hiebei wird erinnert an die geheime Offenbarung, wo (6. Kap. 9. Vers.) geschrieben steht: »Und als es (das Lamm) das 5. Siegel öffnete, sah ich unter dem Altare die Seelen derjenigen, die getötet wurden um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, an dem sie hielten«.

Kirchengebet. Allmächtiger Gott, siehe auf unsere Schwachheit, und weil die Schwere unserer Sündhaftigkeit uns niederdrückt, so möge uns die glorreiche Fürsprache deines heiligen Martyrers und Oberhirten Felix Schutz gewähren. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

22/2020