Jahrgang 2003 Nummer 13

Der Heilige Franz von Paula

Er gründete den Orden der Paulaner

Lange Zeit war die Ehe seiner Eltern Jacob Martotilla und Vienna kinderlos geblieben. Doch, so wird berichtet, auf die Fürbitte des Heiligen Franz von Assisi wurde den überglücklichen Eltern am 27. März 1416 ein Junge geschenkt, Franz von Paula, wie er später genannt wurde. Er wurde in Paola als Sohn armer Eltern geboren. Letztere, wohl tiefgläubige Menschen, versprachen den Sohn aus Dankbarkeit dem Kloster der Franziskaner.

Bereits in seinem 13. Lebensjahr lösten die Eltern ihr Versprechen ein und brachten ihren Sohn zum Kloster, wo er als Küchenjunge arbeitete. Obwohl er sich ohne Murren in die Klosterordnung einfügte und nach besten Kräften diente, konnte er sich doch nicht zum Eintritt in das Kloster entschließen.

Als er 15 Jahre alt war, muss er schon eine beachtliche Reife besessen haben. Zu diesem Zeitpunkt unternahm er mit seinen Eltern eine Wallfahrt nach Rom und Assisi. Dort fasste er den Entschluss, sich völlig in die Einsamkeit zurück zu ziehen und künftig als Eremit zu leben. Nachdem Kirche und Eltern diesen Entschluss billigten, suchte er sich eine versteckte Felsenhöhle in den Bergen Kalabriens.

Von diesem Zeitpunkt an begann für Franz von Paula ein Leben, das von innigem Gebet, Buße und strengem Fasten bestimmt war. Er lebte von den Kräutern des Waldes und »bettete« sich abends auf einem Stein zur Ruhe.

Franz von Paula erlegte sich selbst äußerst strenge Regeln auf. Das lebenslängliche Fasten erhob er fast zu einem vierten mönchischem Gelübde, denn trotz seiner strengen Ordnung gesellten sich ihm mehr und mehr Gleichgesinnte zu, so dass Zelle um Zelle entstand. Bald gründete Franz von Paula eine Ordensgemeinschaft, die er »Minimi«/»O-Minim«, die Allergeringsten, nannte. Seine Regeln lauteten: Nachtwachen, Stillschweigen, Gebet und Fasten.

Bereits 1454 konnte er mit Genehmigung des Bischofs von Cosenza und der Hilfe ungenannter Wohltäter das erste Kloster bauen. Es folgten weitere Klosterbauten in Spanien, Deutschland und Frankreich.

In seinem kleinen Garten zog er heilkräftige Arzneikräuter, denn Franz von Paula besaß die seltenen Gaben der Krankenheilung und Weissagung. So etwas blieb natürlich nicht verborgen, im ganzen Land verbreitete sich die Kunde vom Heiligen Eremiten und vertrauensvoll kamen die Menschen zu ihm.

So heilte er eine bis zu diesem Zeitpunkt von den Ärzten als unheilbar erklärte Krankheit, was im Prozess seiner Heiligsprechung später auch bezeugt werden konnte.

Durch Gottes Kraft und Gnade geschahen durch Franz von Paula viele Heilungen und Wunder, welche sogar bis zur Auferweckung von Toten gegangen sein sollen. Dennoch blieb Franz von Paula stets ein demütiger Mensch. Sein Leitsatz, der auch sein Leben wesentlich prägte, hieß »alles in Liebe« zu tun. Fürsten, Päpste und Könige seiner Zeit ersuchten ihn um seinen Rat.

Selbst den König von Frankreich, Ludwig XI sandte, als er todkrank war, seine Boten mit vielen Geschenken zu Franz von Paula, damit er ihm helfe und vielleicht heile. Doch wieder Erwarten wies der Heilige die Geschenke von sich und lehnte die Hilfe ab. Erst durch eine Art Befehl des Papstes war er bereit, der Bitte des Königs nachzukommen. Nachdem Franz von Paula den König zur Beichte bewegen konnte, starb dieser friedlich in den Armen des Heiligen.

Nachfolger des verstorbenen Königs wurde Karl VIII, der den Heiligen bat, im Lande zu bleiben. Er ließ Franz von Paula im Park von Plessis-les-Tours, sowie in Amboise Klöster errichten. Weitgehend wurden die Ordensregeln des Heiligen Franz von Assisi übernommen. Der Orden nannte sich Paulaner »Ordo minimorum St. Franzis kini de Paulo«, die mindesten Brüder.

Auch in Bayern trafen 1629 »Paulaner« ein. 1660 ist in München ein Kloster mit Braurecht bestätigt. Es entstand das »Paulaner Bier«.

Bekannt wurde der Braumeister des Klosters Bruder Barnabas Still, denn er kreierte dieses ordenseigene Bier nach geheim gehaltenem Rezept.

Am Festtag des Heiligen, dem 2. April, wurde ein besonderes Starkbier bebraut, dass so genannte »St.-VATER Bier«, gleichbedeutend mit »Salvator«. Es wurde 8 Tage lang ausgeschenkt und arm und reich pilgerte zu der Brauerei, um von dem begehrten Bier, das man auch unter dem Namen »Heilig-Vater Öl« kannte, etwas zu bekommen. Noch heute wird am 2. April der »Salvator«, das Paulaner Bockbier, ausgeschenkt. Heute befindet sich in dem Gebäude am Salvatorplatz das Bayerische Kultusministerium.

In Bayern erlangte der Paulaner Orden nicht so große Bedeutung, bekannter wurde er hingegen in Böhmen. Im bayerischen Gebiet gab es noch ein Kloster in Neuenburg vorm Wald, das 1652 nach Amberg verlegt wurde. So dürfen wir eigentlich von Glück sagen, dass uns wenigstens das Paulaner, der Salvator und damit vielleicht die gesamte Starkbierzeit überhaupt, erhalten blieb, denn sonst wäre der begnadete Heilige vielleicht gänzlich in Vergessenheit geraten.

Franz von Paula starb 91-jährig am 2. April 1507. Seine sterblichen Überreste wurden in der Kirche des Klosters Plessis beigesetzt. 1562 wurden diese von den Kalvanisten/Hugenotten verbrannt.

AB



13/2003
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