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Jahrgang 2016 Nummer 6

Wöchentlicher Anschlag

1950 – Alpine Bayerische Skimeisterschaft in Schleching

»Alpine Bayerische Skimeisterschaft Schleching«, 1950 (Plakat Nr. 5819); beige, Motiv: Skifahrer, im Hintergrund die Schlechinger Kirche vor den Bergen, rechts das Bayerisches Staatswappen (Linolschnitt von Hans Schwarz), Farbgebung braunrot, schwarz und pastellblau, gedruckt bei Ed. Leopoldseder (Inh. Wilhelm Baur), Traunstein; 41 mal 60 cm, sehr gut erhalten.

Was man 1928 (siehe Artikel vor einer Woche) für Traunstein »nordisch« feststellen musste, galt auch für Schlechings Alpine Bayerische Skimeisterschaft 1950. Der Wettergott war dem Achental nicht gnädig. Dies führte sogar soweit, dass die Traunsteiner Nachrichten die Veranstaltung ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen einfach absagten: »Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns die Meldung, daß die »Bayerische Alpine« in Schleching wegen ständig schlechter werdenden Schneeverhältnissen an diesem Wochenende nicht durchgeführt werden kann.«(1) Das drei Tage später folgende aufrichtige Bedauern konnte da nur noch wenig retten. Gewiss: »Jede Zeitung kann einmal das Opfer einer solchen Falschmeldung werden.«(2) Aber natürlich waren die Schlechinger wenig begeistert, und die Redaktion des Traunsteiner Wochenblattes kommentierte genüsslich den Fauxpas der Konkurrenz: »Gottseidank aber klappte es trotzdem mit der Meisterschaft wie mit dem Besuch aus dem Achental und aus Traunstein, – ein Hinweis, daß man auch mit Tatarennachrichten nichts ausrichten kann, wenn man wenig Leser hat.«(3)

Tatsächlich konnte man trotz widriger Umstände ein positives Fazit ziehen, vor allem, weil »der SC Schleching unter seinem rührigen Vorstand Josef Wehweck und seinen Mitarbeitern alles daransetzt[e], um seinem Ruf als guter Durchführer alpiner Meisterschaften gerecht zu werden«.(4) Und, Zufall oder nicht, die Meisterschaften gingen einher mit »50 Jahre Skilauf in Schleching«; unter dieser Überschrift brachte unsere Zeitung einen wunderbaren Rückblick auf die Geburtsstunden des Schlechinger Skilaufs: »Zu Beginn des Winters 1899/1900 las der damals noch junge Peter Hächer, Schlechings Skipionier, in einer illustrierten Zeitschrift über den Skilauf und die dazu benutzten »Geräte« zum ersten Mal Genaueres. Selbst ein Holzfachmann, machte er sich auch gleich ans Werk. Doch so einfach war die Sache nicht. Keinerlei Erfahrungen über die Herstellung solcher Schneebretter standen ihm zur Verfügung. Da nahm er einen krumm gewachsenen Fichtenstamm, einen »Krümpling«, und begann, sich solche Schartlinge auszusägen. Aber von der Bindung stand in der Illustrierten leider nichts. Guter Rat war teuer. Da nahm unser Peter halt ein paar alte Bergschuhe und schraubte sie, von vorne durch die Sohle, an die Ski an. »Dann hob i halt d’ Schuah zamt de Brettl in da Stubn ozogn und bin zum Teifi.« Die ersten Gehoder Rutschversuche belehrten bald über die Notwendigkeit, die »Schartling« unten rutschiger zu machen. Hirschtalg erwies sich als recht brauchbares Wachs. Während die ersten Skiausflüge auf die Mühlauer Hänge erfolgten, wagte man bald auch eine Tour auf Deutschlands höchste Alm, die unweit des Geigelsteingipfels gelegene Roßalm. Die Brettl erwiesen sich hier schon als sehr praktisch, wenn auch noch keinerlei Abfahrtstechnik Schlechings ersten Skiläufer beschwerte.«(5)

Zurück zu den Wettbewerben. Den Torlauf am Freitag begleiteten heftiger Regen und Föhnsturm. »Die von Franz Högl am Langgschwendt gesteckte Strecke litt unter diesen Bedingungen wesentlich. Die Piste, die einen Höhenunterschied von etwa 200 Metern aufwies und mit rund 40 Toren gespickt war, hatte keine übermäßigen Schwierigkeiten, doch die äußerst ungünstige Wetterlage trug das ihre dazu bei, daß sie zu einem wahren Grab der Favoriten wurde. Auch auf die Beteiligung des Publikums wirkte sich der Regen aus [...]«.(6) Die Siege gingen an Lia Leismüller und Klaus Schwaighofer, beide SC Partenkirchen. Etwas besser sah es bei der Abfahrt am Samstag aus, und das war auch gut so. Denn »FOX Tönende Wochenschau« hatte sich angekündigt, um in Ausschnitten zu filmen(7) – »auf dieser schnellen Meisterschaftsstrecke, die mit ihrer Länge von 3100 Metern und einem Höhenunterschied von über 1000 Metern zu einer der schönsten Abfahrten in ganz Bayern zählen kann. Dies demonstrierte der heuer sehr wetterwendische Petrus mit einigen lichten Augenblicken, wo er uns im schönsten Sonnenschein diese ideale Rennstrecke präsentierte.«(8) Es gewannen Hildesuse Gärtner aus Feldberg im Schwarzwald und – etwas überraschend – der »unverwüstliche« Altersklassenläufer Christl Stauffer aus Rosenheim.

Den Höhepunkt allerdings bildete der Kombinations-Torlauf. »Autokolonnen und Menschenmassen zogen am Sonntag Vormittag durch den schmucken Gebirgsort Schleching in Richtung Torlaufhang. Auch die Sonne kam durch und brachte Teilnehmer und Zuschauer in die richtige Meisterschaftsstimmung.« Und dieses Mal stimmte aus einheimischer Sicht auch das Ergebnis. Bei den Damen gewann die amtierende Chiemgaumeisterin Rosl Amort aus Schellenberg, bei den Herren kam Lokalmatador Hias Mayer auf Platz drei. Was aber noch viel wichtiger war: Beide sicherten sich damit den begehrten Silbernen Ski als Bayerische Meister in der (damals im Vergleich zu heute noch immens hoch gewerteten) Alpinen Kombination. Sie gaben »in diesem zähen und harten Kampf ihr Letztes« und zogen »damit auch in die Nationalmannschaft ein und werden unseren Chiemgau würdig vertreten«.(9) In der Tat: Drei Jahre später errang Rosl Amort an gleicher Stelle auch den Titel einer Deutschen Meisterin in der Alpinen Kombination. Und in Hias Mayers Fußstapfen trat das Schlechinger Urgestein Hans Hächer, der auch noch den Abfahrtslauf für sich entscheiden konnte.(10)


Franz Haselbeck


Anmerkungen:
(1) Traunsteiner Nachrichten vom 11. 2. 1950, S. 6.
(2) Traunsteiner Nachrichten vom 14. 2. 1950, S. 6.
(3) Traunsteiner Wochenblatt vom 14. 2. 1950, S. 9. Die beiden Blätter waren sich über Jahrzehnte in aufrichtiger Feindschaft tief verbunden. Sie endete erst 1967, als die »Nachrichten« nach dem Tod des Herausgebers Dr. Conrad Adlmaier ihr Erscheinen einstellten.
(4) Traunsteiner Wochenblatt, vom 11. 2. 1950, S. 5.
(5) Wie vor.
(6) Traunsteiner Wochenblatt, vom 11. 2. 1950, S. 7.
(7) Traunsteiner Wochenblatt, vom 11. 2. 1950, S. 5.
(8) Traunsteiner Wochenblatt, vom 14. 2. 1950, S. 4.
(9) Wie vor.
(10) Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Deutschen_Meister_im_Alpinen_Skisport.

 

6/2016