Jahrgang 2018 Nummer 4

Hl. Johann Chrysostomus, Erzbischof und Kirchenlehrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Johannes, wegen seiner Beredsamkeit Chrysostomus (= Goldmund) beigenannt, war 344 zu Antiochia geboren. Der Vater, ein hoher Kriegsbeamter, ließ ihm wissenschaftliche Bildung angedeihen. Bischof Flavian weihte ihn 386 zum Priester und übertrug ihm das Predigtamt, das er mit wunderbarem Segen ausübte. Vom Kaiser Arcadius zum Erzbischofe von Konstantinopel ernannt, bewirkte Chrysostomus eine große Verbesserung der Sitten durch eifrige Predigten, sorgte für Arme und Kranke, forschte in der heiligen Schrift und verfasste selbst so herrliche Schriften, dass er zu den vier größten griechischen Kirchenvätern gerechnet wird. Die Welt belohnte aber den Heiligen mit schnödem Undank. Durch seinen Freimut fühlte sich die Kaiserin Eudoria arg beleidigt. Daher wurde der Heilige zweimal verbannt. Das zweite Mal musste Chrysostomus unsägliche Beschwerden und rohe Behandlung seiner Wächter erdulden, bis er an den bestimmten Ort Cucusus kam. Die Feinde aber wollten ihn noch weiter verbannt wissen. Deshalb wurde der Heilige wieder forttransportiert und erlitt so große Unbilden, dass er denselben zu Cumana erlag den 14. September 407. Unter Kaiser Theodosius dem Jüngeren kamen (438) seine heiligen Reliquien nach Konstantinopel; jetzt sind selbe zu St. Peter in Rom. Der 27. Januar ist der Ehrentag des Heiligen.

Lehre. Beherzige, o Christ! und befolge die Gesinnung des heiligen Chrysostomus: Ich lasse nicht ab, zu fragen: Herr, dein Wille geschehe! Ich werde mit Freuden tun und leiden, nicht was dieser oder jener wünschen wird, sondern, was dir gefallen wird, über mich zu verfügen. In dieser Stimmung meines Herzens finde ich sicheren Trost und eine niemals wankende Stütze.«

Gebet der Kirche. Wir bitten dich, o Herr! es möge deine himmlische Gnade die Kirche erweitern, welche du durch die glorreichen Verdienste und Lehren deines Bekenners und Bischofes, des seligen Johannes Chrysostomus, verherrlichen wolltest. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

4/2018