Jahrgang 2018 Nummer 25

Heilige Edeltraud, Königin und Abtissin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Ediltrudis (Edeltraud = edle Frau) war die Tochter des Königs Anna und der heiligen Hereswyda in England und die Schwester der heiligen Sexburga, Withburga und Ethelburga. Sie war geboren zu Ermynga in der Grafschaft Suffolk. In der Jugend weihte sie sich schon Gott durch das Gelöbnis der Jungfräulichkeit, musste aber auf Zureden der Eltern Tonbert, Fürsten der Girvier, heiraten. Sie entdeckte ihm ihr Gelöbnis und bewog ihn durch Bitten zu einer jungfräulichen Ehe. Nach dessen Tode zog sie sich auf die Insel Ely zurück. Aber der König Egfried von Northumberland bewarb sich um ihre Hand. Edeltraud musste nachgeben, konnte aber in jungfräulicher Ehe mit ihm leben. Nach 12 Jahren traf sie mit dessen Erlaubnis in das Kloster Coldingham, dem die heilige Ebba vorstand. Im Jahre 672 gründete sie in den unbewohnten Sümpfen von Ely zwei Klöster für die Benediktiner-Mönche und Nonnen. Letzteren wurde sie vom heiligen Bischofe Wilfried von York als Abtissin vorgesetzt und leuchtete allen durch das Beispiel ihrer Tugenden vor. Groß war ihre Gottes- und Nächstenliebe. Die Heilige starb den 23. Juni 679. Viele Wunder bestätigten ihre Heiligkeit.

Lehre. Die heilige Edeltrudis lebte sogar in der Ehe jungfräulich und bewog auch ihren Gemahl zu einem frommen Leben. Die Frauen haben großen Einfluss auf ihre Männer, wenn sie selbst fromm sind und sanftmütig und klug zu Werke gehen. Möchten doch die Verheirateten stets Gott fürchten und nichts begehen, was gegen den Willen Gottes ist.

Kirchengebet. O Gott, du erhabener Schöpfer aller Dinge, der du uns deinen Dienern, durch die jährliche Feier dieses Festes, wodurch wir deine glorreiche Jungfrau Edeltrudis verehren, Freude erteilest: wir bitten dich, dass wir durch deren Fürbitte die schädlichen Versuchungen der verkehrten Neigungen zu überwinden und zu dir, dem höchsten Gute, der du das wahre Licht, der Weg und die Güte bist, durch deine Gnade zu gelangen vermögen, durch seine Fürbitte stets beschützt werden mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

25/2018