Jahrgang 2018 Nummer 32

Die Kultpuppe Barbie

Sie erobert das Stadt- und Spielzeugmuseum in Traunstein

(Alle Bilder: Katrin Schmauß)

Jeder kennt sie, fast jeder hat schon einmal mit ihr gespielt – die Barbie-Puppe. Seit fast 60 Jahren begeistert die Puppe sowohl Kinder als auch Sammler auf der ganzen Welt. Renate Bauditz aus Saaldorf bei Freilassing ist eine dieser Sammlerinnen. Sie überließ ihre Barbiepuppen kürzlich dem Stadtund Spielzeugmuseum in Traunstein, das ihnen aktuell eine kleine Sonderausstellung widmet.

Obwohl sich Barbie als eine Institution etabliert hat, reicht die Geschichte von erwachsen anmutenden Puppen in der Geschichte viel weiter zurück. Schon in der Römer-Zeit (ca. 100 n. Chr.) waren Gliederpuppen ein beliebtes Spielzeug, wie Funde aus Kindergräbern bestätigen. Im Frankreich des 14. Jahrhunderts kamen die ersten »Modepuppen« auf. Frankreich war Zentrum der Modetrends an dem sich Europa orientierte. Deshalb sendete die englische Königin eine Bitte an Frankreich, man solle sie über die aktuellen Trends auf dem Laufenden halten. Wie sollte man dieser Bitte allerdings nachkommen in einer Zeit ohne Internet oder sogar Fotografie? So entstand die Idee, Puppen anzufertigen und diese mit einem Miniaturentwurf des Kleides zu versehen und zurück nach England zu schicken. Diese Modepuppen hatten darüber hinaus aber auch einen anderen Zweck. Sie waren pädagogische Hilfsmittel zur Erziehung junger Mädchen. Allerdings waren diese Puppen einerseits in der Herstellung recht teuer und andererseits änderte sich die Mode so schnell, dass die Puppen bald ihre Aktualität verloren. Eine neue Form der Modepuppe musste her. Eine die günstig und anpassungsfähig war. Um 1790 kamen deshalb Modepuppen aus Papier auf den Markt. Ihre Kleidung, ebenfalls aus Papier, konnte man ausschneiden und die Puppen damit immer wieder neu und nach Belieben einkleiden.

Alles was Barbie verkörpert, hat es im Laufe der Zeit also schon einmal gegeben. Erwachsene Gelenkfiguren, Modepuppen und auch Modepuppen, die man einkleiden konnte. Woher also kommt Barbies enorme Popularität? Einerseits natürlich, dass es sich um eine dreidimensionale Puppe handelt aus widerstandsfähigem Vinyl. Praktischer und robuster als eine Papierpuppe. Außerdem hat mit Sicherheit Ruth Handler einen erheblichen Teil zu Barbies Erfolg beigetragen. Die Ehefrau des Mattel-Mitbegründers Elliot Handler kam auf die Idee, Kleidung und Accessoires einzeln zum Verkauf anzubieten. Damit wurde garantiert, dass schon gekaufte Barbies immer auf dem neuesten Stand der Mode blieben, ohne dass man zu jedem neu gekauften Outfit eine weitere Barbiepuppe anschaffen musste. Somit sind der Phantasie der Kinder keine Grenzen gesetzt.

Barbie, die nach Barbara Joyce, der Tochter des Ehepaars Handler benannt wurde, hat ihren ersten Auftritt 1959 auf der New Yorker Toy Fair. Von da an beginnt ihr Einzug in die Kinderzimmer. Um ihre Aktualität beizubehalten, wird jedes Jahr eine neue Barbie auf den Markt gebracht, angepasst an die jeweiligen Schönheitsideale der Frauenwelt. Waren es in den 50er Jahren noch geschwungene Augenbrauen und volle rote Lippen, hoher Pferdeschwanz mit Pony wandelt sich ihr Look in den 60er Jahren zu fast gerade gezeichneten Augenbrauen und einem voluminösen Kurzhaarschnitt. Auch ihre Kleidung wird den derzeitigen Modetrends angepasst. Von Petticoat-Kleidern, Mänteln mit Fellbesätzen über Miniröcke bis hin zur Jeans. Aber nicht nur Barbies Freizeit kann nachgespielt werden, sogar ihr Berufsleben. Auch dort liegen die jeweiligen Berufsbilder im Wandel der Zeit. Von typischen Frauenberufen der 60er Jahre wie Stewardess oder Tänzerin kann Barbie heute in alle Bereiche des Arbeitslebens schlüpfen. Von der Boutique-Besitzerin bis hin zur Soldatin. Wem das Nachspielen von Freizeit- und Berufsleben zu langweilig sein sollte, der kann auch auf Barbie als Meerjungfrau oder Fee zurückgreifen. Egal, ob Reale oder Fantasiewelt, es gibt nichts, was Barbie nicht kann!

Mancher wird sich nun die Frage stellen: Wie passen Barbie-Puppen in ein bayerisches Heimatmuseum? Die Frage ist leicht zu beantworten. Renate Bauditzs Barbie-Puppensammlung gliedert sich wunderbar in das Konzept des Stadt- und Spielzeugmuseums ein. Denn neben der Sonderausstellung sind auch dauerhaft Spielzeuge zu besichtigen, die so manches erwachsene Herz höher schlagen lassen und einen Exkurs in die eigene Kindheit erlauben. Neben Kuscheltieren, Blechspielzeug und Puppenstuben findet man zum Beispiel auch eine ganze Eisenbahnstrecke im 3. Obergeschoß.

Wer die Sonderausstellung der Barbiepuppen gerne besuchen möchte, kann dies noch bis zum 14. September 2018 machen, während den Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 10 - 15 Uhr, am Sonntag von 10 - 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Katrin Schmauß

 

32/2018