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Jahrgang 2004 Nummer 20

Der Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz« wurde vor 50 Jahren eingeweiht

Traunstein hat seit jeher herausragend für die Gefallenen gesorgt – Teil I

Obelisk zur Erinnerung an die Gefallenen des Russland-Feldzuges unter Napoleon.

Obelisk zur Erinnerung an die Gefallenen des Russland-Feldzuges unter Napoleon.
Denkmal mit Friedensengel zur Erinnerung an die Gefallenen des französischen Krieges.

Denkmal mit Friedensengel zur Erinnerung an die Gefallenen des französischen Krieges.
Das 1942 errichtete Mahnmal in der Kriegergedächtnisanlage.

Das 1942 errichtete Mahnmal in der Kriegergedächtnisanlage.
Immer wenn es Kriege gibt, sind zwangsläufig auch viele Tote zu beklagen. Es ist dann die selbstverständliche Pflicht des Volkes in seiner Gesamtheit, zumindest Voraussetzungen zu schaffen für ein ehrenvolles Gedenken an die Toten. Dies geschieht durch die Errichtung von Gedenkstätten verschiedener Art und am Beispiel der Stadt Traunstein kann dies eindrucksvoll dargestellt werden.

Es begann mit einem Obelisken. 1823 bildeten gediente Soldaten einen Zusammenschluss und gründeten 1836 den Verein mit der Bezeichnung »Verein beabschiedeter Soldaten der kgl. bayerischen Stadt Traunstein, der Gemeinde Au nebst Umgebung«. Dieser Verein errichtete 1837 zur Erinnerung an die Gefallenen des Russland-Feldzuges unter Napoleon einen Obelisken im damaligen Gottesacker, der heutigen Kriegergedächtnisanlage. Die Denkmalenthüllung fand am 15.10.1837 unter Beteiligung der königlichen Landwehr, der Geistlichkeit, des Stadtrates und vieler anderer statt.

Am 10. Mai 1871 ging mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Frankfurt am Main der französische Krieg offiziell zu Ende und schon vier Wochen später forderte das königlich bayerische Staatsministerium des Innern im Namen des Königs alle Städte und Gemeinden auf, in den Kirchen Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen aufzustellen.(1) Am 28. Juli 1871 beschloss der Stadtrat, dem allerhöchsten Wunsch zu entsprechen und bestellte bei der Marmorhandlung der Gebrüder Pfister in München eine entsprechende Gedenktafel. Die im Januar 1873 gelieferte Tafel kam zerbrochen in Traunstein an; die Ersatzlieferung entsprach dann den Erwartungen und konnte wie vorgesehen in der St. Oswaldkirche installiert werden. Sie befindet sich auch heute noch an der Wand beim südlichen Seiteneingang und hat folgenden Wortlaut:

Denkmal
für die im französischen Kriege 1870/71
gebliebenen Söhne Traunstein’s:
DEGGENDORFER LUDW. gest. zu Draveil
GAENSLER XAVER gef. b. Leigny
GASTBERGER LUDW. gest. zu Vitry le francois
GIESSER JOSEF » « Epernay
OBERHAUSER GEORG » « Creteil
PROGINO LUDW. verw. b . Bazeilles
gest. zu Darmstadt
SEBERTINGER ANT. gef. B. Bazeilles
URBAN CARL » « Cravant
VOLKSWINKLER JOH. » « Beaugency
R.I.P.
Errichtet von ihrer dankbaren Vaterstadt 1873

Die Enthüllung der Gedenktafel fand am 8. Mai 1873 im Rahmen einer entsprechenden kirchlichen und militärischen Feier statt.

Am 27. April 1874 beschloss der Stadtrat, ein Grundstück zu erwerben, das für die Aufstellung eines Kriegermonumentes zu Ehren der im französischen Krieg 1870/71 gefallenen Soldaten der Distrikte Traunstein und Trostberg geeignet war. Die Wahl fiel auf die nun seit längerem als Stadtpark gestaltete Parkanlage. An der Stelle des jetzigen Bürgerbrunnens entstand 1876 das schon lange geplant gewesene Kriegerdenkmal. Die feierliche Enthüllung erfolgte am 28. Mai 1876. Das Traunsteiner Wochenblatt berichtete über das Denkmal und seine Enthüllung ausführlich. Hier ein Auszug: »Ja in der That, es steht nun auf dem schönsten Platze, umgeben von herrlicher Anlage ein Prachtdenkmal, hehr und würdig der heiligen Sache, die es zu vertreten hat.« Die Höhe des Denkmals beträgt elf Meter und besteht aus drei Hauptteilen. Auf breiter Grundlage beginnend, gruppiren sich sehr gewichtige Felsenfindlinge und steigen in ungekünstelter Abstufung schräg an bis zur Basis der fein bearbeiteten Steine, wovon der große mittlere die Inschriften trägt. Auf dem Capitäl derselben erhebt sich hoch emporragend der eherne Engel mit Lorbeerkranz und Palmzweig, als sprechende Attribute, in den Händen.«(2). Die Enthüllungsfeier war dreigeteilt. Nach dem feierlichen Gottesdienst in der St. Oswaldkirche fand eine Feierstunde im Rathaussaal statt und anschließend marschierte der Festzug durch die reich geschmückten Straßen zum Festplatz. An den Feierlichkeiten nahmen unter vielen anderen auch 53 Veteranen- und Kriegervereine mit insgesamt 46 Fahnen teil.

Anfangs der dreißiger Jahre fiel der Friedensengel einem Sturm zum Opfer. Als Ersatz setzte man dann einen bayerischen Raupenhelm aus Stein als Krönung auf das Denkmal.(3)

Die frühere wirklich schöne Kriegergedächtnisanlage mit dem beeindruckenden Denkmal für die Gefallenen des französischen Krieges 1870/71 wurde von der Stadt Traunstein am 16. August 1933 in »General von Epp-Anlage« umbenannt. Veranlasst durch die Kontrollratsdirektive Nr. 30 wurde die »General von Epp-Anlage« 1947 wieder in »Kriegergedächtnisanlage« umgewidmet.(4)

Etwa 1964 begannen Planungen des Stadtrates dahingehend, den bis dahin als Kriegergedächtnisanlage benannten Park zu einem Stadtpark mit Bürgerbrunnen umzugestalten. Da stand aber schon das obenbeschriebene Kriegerdenkmal. Am 8. April 1965 beschloss der Stadtrat einstimmig, dieses Kriegerdenkmal in die Anlage mit der Kriegergedächtniskirche zu verlegen. Dies geschah am 22. April 1966. Soldaten der Traunsteiner Garnison übernahmen die Umsetzungsarbeiten. Zuerst wurden mit einem Bergepanzer die Einzelteile des Denkmals vorsichtig abgehoben, dann transportierte ein riesiger Laster der Bundeswehr die Teile zu dem neuen Standort und dort fügte der Bergepanzer das Denkmal wieder zusammen. An diesem Ort steht es heute noch.

Für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges gab es und gibt es auch heute noch einen würdigen Ort des Gedenkens; die 1639 aus dem Stadtkern in den 1638 neu angelegten Friedhof verlegte St. Georgs- und Katharinenkapelle. Sie wurde 1922 umbenannt in Kriegergedächtniskirche. Angesichts des Massensterbens an den Fronten des Ersten Weltkrieges befasste sich der Stadtrat schon 1915 mit der Gestaltung einer Kriegergedächtnisanlage und führte entsprechende Verhandlungen mit der katholischen Kirchenverwaltung Traunstein. Diese erklärte sich am 20. Dezember 1915 damit einverstanden, dass auf dem Grund des alten Friedhofes eine »Kriegergedächtniskirchenanlage« errichtet wurde.(5) Vermutlich bedingt durch die sich überschlagenden Kriegsereignisse und die Nachkriegswirren konnten die Planungen erst 1922 realisiert werden. Aber dann war es soweit. Am 26. und 27. November 1922 fand die feierliche Einweihung der Krieger-Ehrenanlage statt. Die Oberbayerische Landeszeitung berichtete hierüber: »Nach langen sorgfältigen Vorbereitungen, um welche sich H.H. Stadtpfarrer Joseph Stelzle, Herr Oberstleutnant Hugo Raila wie auch der Stadtrat Traunstein mit seinen beiden Herren Bürgermeistern Dr. Gg. Vonficht und Xaver Prandtner besonders verdient gemacht haben, konnte heute vormittag unsere Kriegergedächtniskirche mit ihren großen prächtigen Erinnerungstafeln und ihren weiten herrlichen Anlagen durch einen imposanten Festakt eingeweiht und eröffnet werden ...«.(6) Die 290 gefallenen Traunsteiner Soldaten des Ersten Weltkrieges hatten eine würdige Gedenkstätte bekommen.

Ein weiteres, heute weithin vergessenes Mahnmal, das viele Jahre ebenfalls in der Kriegergedächtnisanlage stand, muss hier noch angesprochen werden. 1942 erhielt der Traunsteiner Steinmetz Kassian Weinmann den Auftrag, für die gefallenen Traunsteiner des Ersten Weltkrieges und die bis dahin Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ein Mahnmal zu schaffen. Es entstand ein grofler rechteckiger Block aus rotem Marmor mit folgender Gravur:

1914-1918 Eisernes Kreuz 1939 – 194- DEN GEFALLENEN HELDEN VON TRAUNSTEIN.

Die Platte ruhte auf drei quadratischen Stützen. Die rechte und die linke Stütze trugen ein Hakenkreuz und die mittlere war mit dem Stadtwappen verziert. Auf beiden Seiten des Mahnmales standen schöne Holztafeln mit den Namen der Gefallenen. Im Lauf der Jahre verfaulten die Namenstafeln und irgendwann ließ die Stadtverwaltung das gesamte Mahnmal abbauen. 1968 ging man daran, die Kriegergedächtniskirche nach Plänen des Stadtbaumeisters Rudolf Simhofer umzugestalten. Im Frühjahr 1968 begannen die Vorarbeiten, als an der Nordseite der Kirche mit Hilfe der Bundeswehr der Vorbau abgerissen wurde. Dann entstand ein neuer Anbau an der Westseite. Zwei Nagelfluhsäulen tragen das Schindeldach, unter dem ein größeres Gedenkkreuz mit einer Reihe kleinerer Kreuze angebracht ist. Die Kreuze versinnbildlichen die Opfer der Soldaten und auf einem Podest liegt das Ehrenbuch aus vergoldeten Messingplatten, in das die Namen aller gefallenen Traunsteiner aus dem Zweiten Weltkrieg eingraviert sind. An der rechten Wandseite liest man in Bronzebuchstaben: »Den Gefallenen und Vermissten der Stadt Traunstein 1914 – 1918 und 1939 – 1945«. Das Traunsteiner Wochenblatt schrieb hierzu: »Stadtbaumeister Rudolf Simhofer vom Stadtbauamt Traunstein, der die Pläne für die Kriegergedenkstätte schuf, hat Vorbau und Gedenkkreuz so aufeinander abgestimmt, dass nun eine schlichte, würdige Gedenkstätte entstand, die dem Opfer der Gefallenen gerecht wird und die zudem die Zweckbestimmung der Kirche auch außen dokumentiert.«(7) Die Einweihung der neuen Kriegergedenkstätte fand am Volkstrauertag 1968 statt, dabei erfolgte auch die Übergabe an die Stadt Traunstein. Etwas ist noch erwähnenswert: Unter dem Vordach steht auch eine wertvolle aus Kupfer geschmiedete Flammenschale, die durch Vermächtnis von der ehemaligen allseits bekannten Traunsteiner Marktfrau Cäcilie Hornauer für die Kriegsopfer gestiftet wurde.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass in der Kriegergedächtnisanlage nun alle drei Mahnmale in würdiger und sehr ansprechender Weise vereint sind. Hierzu noch ein Zitat des Oberbürgermeisters Fritz Stahl: »Wir brauchen Mahnmale und Erinnerungen, um nicht verbindungslos zu werden, um stets zu wissen, dass Krieg Konflikte nicht löst, sondern Leid und Zerstörung seine zähen Weggenossen sind, auch wenn ein Krieg längst Geschichte ist.«(8)

Der Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz« in Traunstein ist nicht die größte aber nach Ansicht des Verfassers die schönste Kriegergedenkstätte in Bayern.

AS

Teil 2 in den Chiemgau-Blättern Nr. 21/2004

Quellen:
1Stadtarchiv Traunstein (weiter StA TS), 023/5-3,
2Traunsteiner Wochenblatt vom 11. Juni 1876,
3Traunsteiner Wochenblatt vom 23. April 1966,
4StA TS 070/1-16,
5STA TS 554/0-1,
6Oberbayerische Landeszeitung vom 26. November 1922,
7Traunsteiner Wochenblatt vom 15. November 1968,
8Oberbürgermeister Fritz Stahl am 30. August 1994.



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