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Jahrgang 2010 Nummer 18

Die Baugeschichte der Haslacher Pfarrkirche

Der Name Haslach wird abgeleitet vom Alt-Hochdeutschen Hasala - hasal

Die Aufnahme von 1980 zeigt die Haslacher Pfarrkirche mit dem alten Pfarrhof.

Die Aufnahme von 1980 zeigt die Haslacher Pfarrkirche mit dem alten Pfarrhof.
Pfarrkirche Haslach: Ansicht von Norden, gezeichnet im Januar 1684 von Wolfgang Gottsmann, Maurermeister in der Wiesen bei Eisen

Pfarrkirche Haslach: Ansicht von Norden, gezeichnet im Januar 1684 von Wolfgang Gottsmann, Maurermeister in der Wiesen bei Eisenärzt und Adam Aicher, Zimmermeister zu Humhausen.
Grundriss der St. Johann Nepomuk Kapelle.

Grundriss der St. Johann Nepomuk Kapelle.
Die erste Kultivierung der Haslacher Ortsflur dürfte der »Moier« durchgeführt haben, denn sein Hof wurde schon im 11. Jahrhundert zum Kloster Seeon erwähnt, dessen Gründer der Chiemgaugraf Aribo war. Die aus dem Geschlecht der Aribonen hervorgegangenen Geschlechter der Trauner, Tettelhamer und Surberger besiedelten die bisher unbewohnten Landstriche an der Traun, gründeten den Pfarrsitz Haslach und statteten die Kirche reichlich mit Grund und Boden aus. Das damalige Gebiet der ursprünglichen Pfarrei umfasste die jetzigen Pfarreien Traunstein, Haslach, Erlstätt und Nußdorf.

Um 1140 wird erstmals in Haslach ein Priester »Otto von Hasilach« urkundlich erwähnt. Nachdem Haslach schon eine Seelsorgstätte war, dürfte der Ort noch wesentlich älter sein.

In der hiesigen Umgebung bestanden ehedem drei Urpfarreien: Im Norden das sehr alte Otting (Gründungszeit 749), im Süden Vachendorf und in der Mitte Erlstätt mit dem Petrus-Patrozinium. 1263 wurde spätestens, wenn nicht schon früher, der Pfarrsitz von Erlstätt nach Haslach verlegt und verblieb bis zur Verlegung der Pfarrei nach Traunstein bis 1851. In diesem Jahr zog der Haslacher Pfarrer – damals Pfarrer Ernst – nach Traunstein. Der Haslacher Pfarrhof mit Pfründe wurde verkauft. Haslach wurde Filialkirche von Traunstein-Sankt Oswald. Im Juni 1914 wurde die alte Mutterpfarrei Haslach als selbstständige Pfarrei wieder errichtet.

Der romanische Bau

Der erste Haslacher Kirchenbau ist im romanischen Stil (Rundbogenstil) ausgeführt gewesen. Die Kirche war sicherlich ziemlich klein und raumbeschränkt; sonst wäre der um 1400 erfolgte Neubau (gotisch) nicht notwendig gewesen. Wir sind in Haslach nicht in der glücklichen Lage, einen Grundriss dieser romanischen Kirche zu haben, wie das in unserer Nachbarpfarrei Vachendorf der Fall ist. Dort war es eine mehrschiffige romanische Basilika mit drei Apsiden im Osten mit ziemlichen Ausmaßen. Der Vachendorfer Bau blieb auch bis zur Barockzeit stehen. Dagegen war die Haslacher Kirche viel kleiner. Wie sie ausgesehen hat, lässt sich nur mehr erahnen. Man könnte versucht sein zu meinen, beim gotischen Bau habe man die Langhausmauern der romanischen Kirche hergenommen. Dies geschah des öfteren auch an anderen Orten. Auffallenderweise zeigt der Aufriss des Baumeisters Viscardi auf der Nordseite der gotischen Kirche nur ein Fenster, u. z. im vorderen Teil. Auch steht der massive spätgotische Turm in schlechter Proportion zur damaligen gotischen Kirche. Ebenso unklar ist, dass das Langhaus keine Strebepfeiler hatte, während das gotische Prespyterium solche aufwies. Man kann sich vor das Langhaus sehr gut eine kleine romanische Apsis denken. Sehr leicht könnte die rückwärtige Wand der romanischen Kirche dort gestanden haben, wo heute die Empore beginnt. Dafür spricht, dass der Eingang auf der Südseite der Kirche noch vor dem Emporenteil gewesen ist. Wenn dies alles nur Hypothesen sind, so könnte trotzdem der gotische Bau die romanischen Langhausmauern benutzt haben. Dass der erste romanische Bau an der selben Stelle wie der zweite gotische stand, daran ist nicht mehr zu zweifeln. Eine genaue Untersuchung der früheren Grundmauern, die jetzt zum Teil unter dem Gestühl liegen, könnte darüber endgültig Aufschluss geben.

Der gotische Bau

1376/97 wurde unter Pfarrer Conrad Lanzinger bei der ursprünglich im romanischen Stil erbauten Pfarrkirche »Unserer Lieben Frau« der gotische Neubau begonnen und unter Pfarrer Zainacher vollendet.

Von dem Wenigen, was wir über Pfarrer Lanzinger wissen, ist ein päpstliches Breve Gregors IX. aus dem Jahre 1376 (Diöz.-Archiv, München), wodurch einer Vergeudung der Pfarrgüter vorgebeugt werden sollte. Dies ist so erklärbar, dass der Pfarrer vielleicht für seinen Kirchenbau Geld gebraucht und dafür Kirchengut verkauft hat. Ebenso auffallend ist, dass gerade Pfarrer und Dechant Lanzinger ein so ansehnliches Grabdenkmal bekommen hat, das eines der Besten des Chiemgaus genannt werden kann. Sein Grabstein befindet sich neben dem Priestergrab an der Westmauer des Friedhofs. Der Verstorbene muss zu Lebzeiten in besonderer Beziehung zur Pfarrkirche gestanden haben, was nicht anders zu erklären ist, als dass er ihr Erbauer gewesen ist. Vom Pfarrer Conrad Zainacher (1411 - 1424) haben wir noch einen Grabstein, der uns Aufschluss geben kann über die Beendigung des Neubaus. Der Stein ist heute an der nördlichen Friedhofsmauer und lag einst in seiner ganzen Breite vor den Altarstufen des Hochaltars. In späteren Zeiten hat man noch drei weitere Pfarrer darauf vermerkt: Drattner, Weyler, Antensteiner. An so hervorragender Stelle beerdigt zu sein, kann kein Zufall sein. Vermutlich hängt die Fertigstellung der Kirche, vielleicht der Turmbau oder die Aufstellung neuer Altäre mit diesen Pfarrherren zusammen. Aus dieser Zeit dürfte vor allem (nach Ansicht von Dr. Bomhard) der Turm stammen, dessen Stilformen (Maßwerk) auf die Zeit nach dem Anfang des 15. Jahrhunderts verweisen. Der Turm hat eine besonders wuchtige Ausführung in drei Geschoßen, jedesmal mit einem Maßwerkband abgegrenzt und einen Spitzhelm, an den vier Seiten kleine Giebel. Im Erdgeschoß ist die Eingangshalle mit dem Hauptportal. Dieser Turm steht heute noch, mit Ausnahme des oberen Abschlusses.

Zur Ausführung des gotischen Baues der Kirche und Turm wurde grauer Nagelfluh verwendet, der wohl aus der Westseite des Wartberges (Haslacher Hang) gebrochen wurde. Das Presbyterium war etwas eingezogen, das heißt es war etwas schmäler als das Langhaus, hatte zwei Joche und endete in einem dreiachtel Schluss. Außen waren fünf Strebepfeiler angebracht. Am Chorbogen standen die Seitenaltäre. Das Langhaus hatte vier Joche einschließlich der Empore und war nach außen ohne Strebepfeiler. Chor und Langhaus waren vermutlich mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Das Gewölbe ruhte im Langhaus auf schwachen, der Wand vorgelagerten Diensten.

Im Süden, außen an das letzte westliche Joch angebaut, war die sogenannte Amerangerkapelle. Sie war ein einfacher rechteckiger Raum und wurde als Gruftkapelle der Ameranger von Neuamerang bei Sondermoning benutzt. Ihr Anbau dürfte um 1500 erfolgt sein. Möglicherweise kann die Kapelle bedeutend älter gewesen sein, da noch die Grabplatte des Otto Ameranger, = 1368, vorhanden ist. Anna Amerangerin, die Witwe des Heinrich Ameranger, kann diesen Platz als Grablege ihres Geschlechts aufs Neue bestimmt haben. Die Kapelle musste aber der Erweiterung der Kirche im Jahre 1847 weichen. In der Kapelle befand sich früher der Ölberg, wovon noch drei Figuren vorhanden sind. Heute werden diese drei Ölbergfiguren in der Karwoche am rechten Seitenaltar am heiligen Grab aufgestellt.

1474 wurde die St.-Michaels-Kapelle, wohl als eine Grabkapelle für die Traunsteiner Geschlechter, erbaut. Sie dient heute als Leichenhaus und steht unter Denkmalschutz.

Die Barockisierung der Kirche

Zwischen 1683 - 1685 wurde der Innenraum der Pfarrkirche barockisiert. In den nächsten zwei Jahrhunderten werden Renovierungen gemeldet, so des Turmhelmes durch Zimmermeister Georg Haizer aus Traunstein im Jahre 1617, dann eine vollständige Erneuerung der Inneneinrichtung der Kirche, so des Hochaltares 1671 und 1672 der beiden Seitenaltäre, die der Hl. Apollonia und dem Hl. Achatius geweiht wurden. Diese Altarbilder erinnern heute noch an diese Heiligen; sie sind an den vorderen Pfeilern angebracht.

Im Sommer 1683 schlug bei einem schweren Gewitter ein Blitz in den gotischen Turm und zerstörte ihn so schwer, dass er im oberen Teil abgetragen werden musste. Wolfgang Gotsmann, Maurermeister in der Wiesen bei Eisenärzt und Adam Aicher, Zimmermeister, fertigten einen Entwurf. Doch von München her kam der Befehl, dass ein Kuppelturm gebaut werden muss. Kein Geringerer als der bedeutende kurfürstliche Hofmaurermeister Giovanni Antonio Viscardi von München fertigte den Entwurf, der durch den Baumeister Lorenzo Sciassa 1685 ausgeführt wurde. Damals erhielt der Kirchturm von Haslach das erste Kupferdach im ganzen Chiemgau, als, wie es heißt: »Die Mutterkirche so volksreicher Pfarr«. Der Turmbau ist eine Anlehnung an die Türme der Theatiner Kirche in München.

1689 bekam die Kirche neue Glocken – die früheren stammten aus 1462 –, die der Salzburger Glockengießer Andre Gartner goss. Die schwerste Glocke hatte ein Gewicht von 22 Zentnern.

1718 wurde ein Katastrophenjahr für Haslach. Am 8. Juni nachts 24 Uhr brach ein Brand aus. Aus Rachsucht, wie es heißt, von einem Schneider aus Grassau, namens Oswald Vachenauer, gelegt. Am Morgen waren acht Höfe mit sämtlichen Nebengebäuden, wie auch der Pfarrhof niedergebrannt. Das Feuer hatte sich auch auf die Kirche niedergeschlagen. Auch sie brannte nieder bis auf die Mauern, ebenso war der Turm ausgebrannt und die Glocken geschmolzen. Nur das Innere der Kirche blieb erhalten, da das gotische Gewölbe dem Feuer standhielt. Von ganz Haslach waren nur mehr drei Häuser übriggeblieben: Das Grazenhaus mit Zuhaus, die um 1900 abgerissen und neu erbaut wurden, sowie das Kargessanwesen. Bei diesem Brand gingen auch unersetzliche Urkunden, archivalisches Material (Matrikelbücher) verloren. Die Matrikelbücher datieren in Haslach erst seit 1719 wieder. Nur das Sterbebuch von 1622 blieb vom Brand unversehrt.

Die Not der Haslacher war durch den Brand so groß geworden, dass erst 1720 Kirche und Turm, die nur ein Notdach durch Anton Rumgraber, Stadtzimmermeister von Traunstein, bekommen hatten, wieder auf- und ausgebaut werden konnten. Die Gesamtkosten der Wiederherstellung beliefen sich auf 3784 Gulden. 1720 erhielt die Kirche auch wieder ein neues Geläut. Vier Glocken von Ernst Langenegger in München gegossen: Gesamtkosten mit Glockenstuhl 2000 Gulden. Diese vier Glocken hängen heute noch im Turm, nachdem sie die Kriegsfahrt nach Hamburg im Jahre 1942 und dann von dort zurück im Jahre 1947 glücklich überstanden hatten.

1721 bekam die Kirche eine Turmuhr, geliefert von Franz Ringler, Uhrmacher in Traunstein. Diese Uhr musste nach dem 2. Weltkrieg einer elektrischen Anlage weichen und befindet sich heute im Traunsteiner Heimathaus.

1728 ließ der damalige Pfarrherr Johann Phil. Cajetan Graf von Lamberg an die Nordseite der Kirche eine Kapelle erbauen und darin einen Johann-Nepomuk-Altar erstellen, u. z. von dem bedeutenden Meister Wenzel Mirowski, Hofkistler und Bildhauer in München. Mirowski war ein Schüler des Johann von Hildebrand, der vor allem in Wien und Salzburg als großer Meister tätig war.

Kunstkritiker meinen sogar, dass die Entwürfe der beiden Seitenaltäre von ihm stammen. 1832 wurden die beiden Altäre überarbeitet. So gilt der Mirowski-Altar als der künstlerisch vielleicht wertvollste Altar, in der Haslacher Kirche.

Hatte das Kirchengewölbe beim Brand von 1718 schwer gelitten, so waren um 1747 die Risse derart stark gewesen, dass Einsturzgefahr bestand. Man entschloss sich, das gotische Gewölbe abzutragen.

Von Georgi bis Wintereinbruch 1748 erfolgte ein weiterer Umbau der Kirche durch Meister Balthasar Fuchs in der Wiesen. Die Malerarbeiten machte Timotheus Carl Baumgartner von Traunstein. Die Kosten des Umbaues beliefen sich auf 1148 fl 45 kr.

1754 erhielt die Kirche ein Abschlussgitter durch Daniel Frommknecht, Schlossermeister von Traunstein um 555 fl.

Die kommenden Jahre berichten die Archivalien von einer Reihe von kleineren Renovierungen und Neuanschaffungen, so eine Orgel, Altarleuchten etc.

1848 erfolgte der Erweiterungsbau der Kirche durch den Anbau von zwei Seitenschiffen an das Langhaus. Dabei mussten die Ameranger Grabkapelle der Herren von Neuamerang im Süden und die Johann-Nepomuk-Kapelle im Norden weichen. Die an bzw. in der Kirche befindlichen Grabsteine wurden an der Westwand der Friedhofsmauer angebracht.
1938 wurde unter Pfarrer Stephan Blum eine weitere Restaurierung durchgeführt, die als eine recht gelungene Arbeit bezeichnet wurde. Die im Nazarenerstil dunkel ausgemalte Kirche von 1848 wurde nun wieder in neuen, hellen Glanz versetzt.

Bedingt durch die schweren Bombenangriffe in Haslach und Umgebung in den Jahren 1944/45 wurde auch die Pfarrkirche schwer in Mitleidenschaft gezogen. In den Gewölben und Mauern entstanden Risse, die sich mit den Jahren vergrößerten und der Einsturz des Gewölbes drohte. In den Jahren 1979/80 wurde der Turm innen und außen saniert und die Kirche mit einem Ring verankert. Einige Jahre später nahm die Pfarrei die Innenrenovierung in Angriff. Die Außenrenovierung von Turm und Kirche kosteten über 2 Millionen DM. Die Erzbischöfliche Finanzkammer finanzierte dieses Bauvorhaben. Die Innenrenovierung wurde von der Pfarrei getragen.


Karl Rosenegger

Quellen: Pfarrarchiv »Mariä Verkündigung« Haslach,
»Die Geschichte der Pfarrei Haslach« von Pfarrer Josef Rosenegger, 1963.



18/2010