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Jahrgang 2005 Nummer 30

Das Ende des Landshuter Erbfolgekrieges

Es war ein Krieg voll Greuel und Mord, der das Land schwer verwüstete

Burg Kropfsberg am Inn bei Rattenberg, heute Ruine, fiel 1505 wieder an Tirol.

Burg Kropfsberg am Inn bei Rattenberg, heute Ruine, fiel 1505 wieder an Tirol.
Burg Trausnitz/Landshut, Residenz der Herzöge von Niederbayern

Burg Trausnitz/Landshut, Residenz der Herzöge von Niederbayern
Herzog Ludwig im Bart

Herzog Ludwig im Bart
Mit dem Waffenstillstand vom 5. Februar 1505 und den königlichen Schiedspruch zu Köln am 30. Juli 1505 – heute vor 500 Jahren – endete eines der dunkelsten Kapitel wittelsbachischer Erbstreitigkeiten.

Warum kam es dazu? Das Herzogtum Bayern fiel im Jahre 1180 an das heimische Geschlecht von Scheyern-Wittelsbach, in dessen Händen es bis 1918 blieb. Ihr erster Herzog war Otto I. (1180 bis 1183). Ihm folgte sein einziger Sohn Ludwig I. (1183 bis 1231). Durch die Heirat dessen Sohnes Otto II. mit der welfischen Erbtochter Agnes konnten sie die Pfalzgrafschaft bei Rhein gewinnen (1214). Nach dem Tode Otto II. im Jahr 1252 teilten seine Söhne 1255 das Herzogtum. Ludwig II. erhielt den westlichen Teil Bayerns mit dem Nordgau (spätere Oberpfalz) und die Pfalz am Rhein. Heinrich XIII. das große Niederbayern. Das damalige Ober- und Niederbayern hat mit den heutigen Regierungsbezirken, außer den Namen, nichts gemeinsam.

Dort wurde ein Weg beschritten, der sich in den kommenden 250 Jahren öfter wiederholen sollte. Streitigkeiten untereinander blieben dabei nicht aus. Auch Herzog Ludwig IV. (1302 bis 1347) konnte sich mit seinem Bruder Rudolf I. nicht einigen und verdrängte ihn aus Bayern (1313), ihm blieb nur die Pfalz am Rhein. 1329 verständigte sich Herzog Ludwig IV. mit den Söhnen Herzog Rudolf I., gestorben 1319, und überließ ihnen die Pfalz am Rhein und weite Teile im Nordgau. Von dort an gibt es die altbayerische und pfälzische Linie der Wittelsbacher. Herzog Ludwig IV., seit 1313 König, ab 1328 Kaiser bis 1347, konnte 1340 das Niederbayern wieder gewinnen. 1323 die Mark Brandenburg, 1342 Tirol, 1346 Holland (Niederlande), Seeland, Friesland und den Hennegau. Obwohl Ludwig der Bayer seine sechs Söhne beschwor, die Lande nicht zu teilen, taten sie dies 1349 und 1353. Alle von ihm erworbenen Lande, außer Niederbayern, gingen noch im gleichen Jahrhundert verloren. Wobei der Verlust von Tirol am besten schmerzte. Nur die Gebiete Kufstein, Kitzbühel, Rattenberg und das Zillertal blieben noch bei Bayern. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gab es die vier Teilherzogtümer: Bayern-Ingolstadt, Bayern-Landshut, Bayern-München und Bayern-Straubing. Die Wittelsbacher Herzöge gerieten öfter aneinander was bis zum Krieg ausartete, wie bei der Ingolstädter Fehde (1420 bis 1422).

Zwischendurch einigte man sich wieder und teilte im Jahre 1429 das heimgefallene Straubing unter sich auf. Herzog von Bayern-Ingolstadt war Ludwig VII., im Barte (1413 bis 1447), mit dem es besonders Reibereien gab. Ein folgenschwerer Konflikt beginnt, als sein gleichnamiger Sohn Ludwig VIII. die Tochter seines Feindes, Margarethe von Brandenburg heiratete. Es kam zum Kampf und nach viermonatiger Belagerung nimmt der Sohn seinen Vater in der Feste Neuburg 1443 gefangen. Er gibt ihn für 6000 Gulden seinem Schwager, dem Markgrafen von Ansbach. Der überlässt ihn für 18 000 Gulden Herzog Heinrich XVI. der Reiche, von Landshut-Niederbayern (1393 bis 1450). Der hält den greisen Herzog, der jedes Lösegeld verweigert, bis zum Tode 1447 auf Burghausen fest, obwohl sein Sohn Herzog Ludwig VIII., (gestorben 1445), testamentarisch verfügt, dass sein Vater nicht länger festgehalten werden darf. Der Tod des greisen Herzogs spielt letztlich dem Landshuter das ganze Ingolstädter Erbe in die Hände, denn er kann sich gegen alle durchsetzen. Das Herzogtum Landshut-Niederbayern umfasst jetzt zwei Drittel der bayerischen Lande und reicht von Neuburg an der Donau bis zum Mondsee, sowie vom Bayerischen Wald bis ins Zillertal. Der ganze niederbayerische Reichtum kam zum Ausdruck als sein Nachfolger, Herzog Ludwig IX. (1450 bis 1479), seinen Sohn Georg 1475 mit der polnischen Königstocher Jadwiga (Hedwig) vermählte. Es soll die prunkvollste Hochzeit gewesen sein, die es je gegeben hat. Herzog Georg der Reiche (1479 bis 1503) trifft 1485 mit seinem wittelsbachischen Vetter, Albrecht IV. der Weise, Herzog von München Oberbayern (1465 bis 1508), eine Vereinbarung. Sie setzten sich gegenseitig als Erben ein, wenn sie keinen männlichen Erben hinterlassen.

Als Herzog Georg sah, dass er ohne männliche Erben bleibt – seine drei Söhne starben im Kindesalter – vermachte er verabredungswidrig 1496 das Herzogtum seiner Tochter Elisabeth und ihrem zukünftigen Gemahl Ruprecht von der Pfalz. Herzog Georg starb 1503. Nach den bestehenden Gesetzen und Hausverträgen wäre sein Herzogtum an Albrecht von München gefallen. Dies versuchte der Reiche Landshuter mit allen Mitteln zu verhindern. Eine Einigung kam auch durch kaiserliche Vermittlung nicht zu stande. Ein Krieg als Entscheidung stand unmittelbar bevor. Pfalzgraf Ruprecht konnte seinen Vater, den Kurfürsten Philipp von der Pfalz, und den König von Böhmen, für sich gewinnen. Herzog Albrecht von München zog seinen Schwager, den Kaiser Maximilian I., den schwäbischen Bund, Herzog Ulrich von Württemberg und den Markgrafen Friedrich von Ansbach auf seine Seite.

Es wurde ein Krieg voll Greuel, Mord und Brand, in dem das Land schwere Verwüstungen erlebte. Dabei gab es keine größere Schlacht außer jener am Wenzelsbach bei Regensburg, wo der Kaiser das böhmische Heer besiegte. Drei Tage danach starb die Pfalzgräfin Elisabeth und folgte ihrem kurz vorher verstorbenen Gatten nach. Die Erbansprüche vererbte sie auf ihre Söhne Ottheinrich und Philipp. Ein herausragendes Ereignis dieses Krieges war die Verteidigung der Feste Kufstein durch ihren Pfleger Hans Pinzenauer. Nach ihrer Eroberung ergaben sich auch Rattenberg, das Zillertal, Reichenhall und Traunstein. Ein Feldzug im Winter 1504/05 ins innerste Niederbayern beendete diesen schrecklichen Krieg mit dem Waffenstillstand vom 5. Februar 1505. Die letzte Entscheidung blieb dem königlichen Schiedsspruch am 30. Juli 1505 zu Köln vorbehalten. Die Anhänger Ruprechts wurden in Acht getan. Für seine Kinder wurde ein neues Fürstentum gebildet, das Herzogtum Pfalz-Neuburg. Dieses umfasste Neuburg und den Landstrich an der Donau bis Gundelfingen, die Besitzungen Herzog Albrechts auf dem Nordgau: Sulzbach, Lengenfeld (Burg), Velburg, Hemau, Kallmünz, Weiden, Hiltpoltstein, Schwandorf und Regenstauf. Die ganze Oberpfalz nördlich der Donau, außer Ingolstadt, war nun in der Hand der pfälzer Wittelsbacher, die 1628 wieder an Bayern kam. Das Herzogtum Landshut fiel, außer der vom Kaiser und seiner Verbündeten Interessen, an Herzog Albrecht IV. von München. Was die genannten »Interessen« betraf ist im Buch »Bayern 1657« folgendes vermerkt:

In dem Pfaltz-Bäyerischen Krieg des Jahres 1504 seyn viel Orth von Bäyern/ vnd der ObernPfaltz/ hinweg kommen; wie bisher gesetzet/ was das Hochlöblichste Ertz-Haus Oesterreich/ vnd etliche ander Fürsten/ Grafen vnd Herren/ wegen Ihrer dem Durchleuchtigsten Hause Bäyern/ in dem Pfältzischen Krieg/ Anno 1504 geleysten Kriegsdienste/ zur Recompens/ vnd Vergeltung bekommen vnd zwar

Das Höchstgedachte Ertz-Haus Oesterreich

1. Das Schloß/ vnd Statt Rattenberg am Yhn/ vnd das Zillerthal dabey/ allda Gold vnd EisenBergwerck.
2. Schloß/ vnd Statt Kueffstain am In/ sampt dem Schloß Thierberg/ auch den Wäldern vnd Höltzern/ so viel der Grafschafft Tyrol zu den Bergwercken dienen mag.
3. Schloß/ vnd Herrschafft Newburg am Yhn/ oberhalb Passaw.
4. Schloß Rumaridl an der Thonaw.
5. Die Graffschafft Kirchberg.
6. Statt vnd Herrschafft Weissenhorn.
7. Obenhausen/ vnd was von den Ferbern zu Ulm herkompt.
8. Maurstetten vnd Buech.
9. Pfaffenhoffen bey Ulm.
10. Schloß Schmihen am Lech.
11. Werther vnd Weissenburger Forst.
12. Die Werther Aw zu der Grafschafft Burgaw.
13. Die Gerechtigkeit/ so Hertzog Georg (in Bäyern) auff Ellerbach gehabt.
14. Die Vogtey/ vnnd Schirm/ vber die Stifft Saltzburg/ vnd Passau.
15. Vogtey vber das Gottshauß Königsbrunn bey Giengen.
16. Alle Fürstliche Obrigkeit/ sampt der hohen Jagbarkeit in d’ Marggrafschafft Burgaw/ zwischen der Thonaw vnd der Wertach.
17. Die Juden/ vnd Pfandschafft/ so Hertzog Georg in der Statt Regenspurg gehabt.
18. Die hohe Jagbarkeit zu Spitz in Oesterreich/ sambt aller Fürstl. Obrigkeit daselbst.
19. Herrschafft/ Schloß vnd Statt Kitzbühel/ allda vornehme edle Silber=vnd andere Bergwerck.
20. Die Vogtey Mansee/ sampt dem Closter daselbst.
21. Schloß Wildeneck.
22. Für zehntausendt Gülden Rheinisch Werth/ Getraid vnnd Korn/ von deß Hertzog Georgen vorhandenem Vorrath.
23. Hunderttausend Gülden Steuergelt/ so Hertzog Georgen (in Bäyern) von dero Landtschafft bewilligt/ aber erst nach dessen Todt erlegt worden.
24. Alle Schulden/ so Ihre Käys. Mayest. Maximilianus I. Hertzog Georgen zu Thun gewesen.
25. Item/ daß der Zoll vnd Umbschlag zu Rattenberg an kein anders Ort gelegt werden soll.
Der Hertzog Ulrich von Würtemberg hat damals bekommen/ Hellenstain das Schloß/ sampt der Statt/ vnnd gantzen Herrschafft Haydenheim/ vnnd das LandtGericht im Prentzthal/ mit den dazu gehörigen Clöstern.
Deß Käysers Maximiliani Hoffmeister/ Graf Eytl Friedrich von Zollern/ Die Herrschafften Spitz/ vnnd Schwainbach in Oesterreich.
Die Grafen von Oetingen haben wider zurück bekommen/ Baldern/ Schloß/ vnd Herrschafft.
Hanß Langenmantel zu Augspurg/ deß Bundts zu Schwaben Hauptmann/ Das Schloß vnd Herrschafft/Wolffsberg/ vnd Igling/oberhalb Landsperg.
Der übrigen Recompensen/ welche andern Privat=Personen/ ihrer Dienst halben/ geschehen/ zugeschweigen.

Zu diesen gehören unter anderem die Oberpfälzer Ämter Altdorf, Hersbruck und Lauf, die die Reichsstadt Nürnberg besetzte und nicht mehr herausgab. Trotz der schweren Opfer war das Ziel mit Abstrichen erreicht. Ober- und Niederbayern waren wieder ein Land. Doch alle diese Opfer des Krieges wären vergeblich gewesen, wenn das Land später wieder geteilt worden wäre. Um dies zu verhindern, erließ Herzog Albrecht IV. das Promogenturgesetz vom 8. Juli 1506. Dieses bestimmte: »Daß die im Herzogtum Bayern vereinten Fürstentümer für alle Zukunft eins und unteilbar sind, vererbbar nach der Erstgeburt in männlicher Linie.« Ein weiser Schritt des Wittelsbacher Herzog Albrecht IV. »Der Weise genannt«, vor fast 500 Jahren. Er starb am 18. März 1508.

SM

Benützte Literatur:
Bayerische Geschichte, von Benno Hubensteiner, München 1967.
Bayerischer Geschichtsatlas, herausgegeben von Max Spindler, München 1969.
Die Wittelsbacher, Geschichte unserer Familie, Adalbert Prinz von Bayern, München 1979.
Handbuch der bayerischen Geschichte, herausgegeben von Max Spindler Band II, München 1977.
Merian Topographia Germaniae, Bayern 1657 Faksimileausgabe, Kassel 1962.
Von Garibaldi bis Ludwig III., Die Herzöge, Kurfürsten und Könige Bayerns, von Nikolaus Orlop, München 1979. Und andere.



30/2005