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Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl freut sich über die vierte Glocke für die Auferstehungskirche – Segnung am Sonntag

»Glocken bereichern das Lebensgefühl in unserer Stadt«

Traunstein – Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl erinnert sich gerne zurück:

Sie wiegt 318 Kilogramm, hat einen Durchmesser von 77 Zentimetern und kostete 12 250 Euro – gestern wurde die vierte und letzte Glocke für die evangelisch-lutherische Auferstehungskirche in Traunstein geliefert. (Fotos: Reiter)

Er gehörte als Bub und später auch als junger Erwachsener zu jenen, die sonntags die Glocken mittels der Seile zum Läuten brachten – bevor 1964 eine sogenannte Glockenläutemaschine angeschafft wurde. Deshalb ist es für ihn auch eine besondere Freude, »dass mit der vierten Glocke das Geläut der Auferstehungskirche vervollständigt wird. Glocken gehören einfach zum Leben und sie bereichern das Lebensgefühl in unserer Stadt«. Am kommenden Sonntag wird die gestern angelieferte neue Glocke gesegnet.

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Seit 2005 ertönen die Glocken der evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche nach der Melodie des bekannten Kirchenlieds »Christ ist erstanden«. »Die Melodie blieb jedoch unvollständig, da die vorgesehene vierte Glocke bisher gefehlt hat«, sagt Dr. Manuél Ceglarek, Pfarrer der evangelischen-lutherischen Kirchengemeinde Traunstein. Vom Glockenstuhl läuteten bisher eine Sonntagsglocke, eine Gebetsglocke und eine Taufglocke. »Die vierte Glocke wird nun die Auferstehungsglocke werden«, sagt der Pfarrer. »Ihre Funktion passt nicht nur namentlich zum Gotteshaus und vervollständigt das unvollendete Geläut, sondern sie wird an unsere Vergänglichkeit und die Hoffnung auf das ewige Leben, die Auferstehung, erinnern.«

Dr. Manuél Ceglarek blickt für uns auch zurück auf die Geschichte der Glocken in der Auferstehungskirche: Bis 1917 läuteten drei Bronzeglocken, dann mussten sie dem Kriegsfiskus geopfert werden. Erst 1922 »riefen« wieder drei Glocken – diesmal aus Glockenstahl, Bronzeglocken wären seinerzeit zu teuer gewesen. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam immer wieder einmal der Gedanke auf, doch neue Bronzeglocken mit einem schöneren Ton anzuschaffen, aber das Geld reichte nicht. Am 25. November 2001, am Ewigkeitssonntag des Jahres, läuteten die Glocken ein letztes Mal. Das Geläut wurde aus Sicherheitsgründen stillgelegt, denn das Gefüge im Inneren von Glocken aus Eisenhartguss wird leicht porös. Deshalb herrschte vier Jahre Stille rund um die Traunsteiner Auferstehungskirche, bis im Jahre 2005 die Kirche wieder ein klangvolles Geläut aus Bronze erhielt. Nun ist das Geläut mit der Anlieferung der vierten Glocke vollständig. Gefertigt wurde sie in rund sechs Wochen von der Glockenschmiede Perner aus Passau. Sie wiegt 318 Kilogramm, hat einen Durchmesser von 77 Zentimetern und kostete 12 250 Euro. Finanziert wurde sie aus Spenden.

»Wenn nun die vierte Glocke das Geläut der Auferstehungskirche vervollständigen und abrunden wird, genießen sicher viele Bürger und Gäste den vollen Klang mit noch mehr Freude als bisher«, ist Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl überzeugt, der 30 Jahre Mitglied des evangelischen Kirchenvorstands war.

Die neue Glocke wird am kommenden Sonntag um 10 Uhr bei einem Gottesdienst mit der Regionalbischöfin des Kirchenkreises München, Susanne Breit-Keßler, zum ersten Mal läuten. Im Anschluss wird es einen Empfang im evangelischen Gemeindesaal geben, bei    dem Oberbürgermeister Christian  Kegel  und der katholische Stadtpfarrer Georg Lindl Grußworte sprechen werden. Außerdem wird der Verein »Freunde der Benedikt-Glocke« eine Spende überreichen. KR