Zwischen Erleichterung und Ungewissheit: In bayerischen Gastronomien gilt weiterhin die 2 G-Regel

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Auch im »Fassl« freut man sich, dass die 2 G plus-Beschränkung in Bayern nicht umgesetzt wird. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Gastronomen haben am Dienstagnachmittag bayernweit aufatmen können. Die am Freitag in der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossene 2 G plus-Regel für die Gastronomie wird in Bayern nicht umgesetzt werden. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich zu diesem Thema am Mittwoch bei den Talkessel-Wirten umgehört. Dabei wurde aber auch klar, dass die Lage keineswegs entspannt ist.


»Dann mache ich eben wieder ganz zu« – die Stimmung vieler Wirte war unmittelbar nach der Konferenz am vergangenen Freitag sichtlich getrübt. Solch drastische Schritte müssen sie nun aber nicht in Erwägung ziehen, denn vorerst bleibt alles beim »Alten«. Wer essen gehen will, muss entweder geimpft oder genesen sein.

Sonderweg

Ministerpräsident Markus Söder geht damit nun einen eigenen Weg, denn in den anderen Bundesländern wird 2 G plus in der Gastronomie weitgehend umgesetzt. Dass die Bayerische Regierung von einer solchen Verschärfung zum aktuellen Zeitpunkt nicht überzeugt war, zeichnete sich bereits am Freitagnachmittag ab, denn in der Konferenz gab das Bundesland zu Protokoll: »Bayern hat bereits sehr strenge Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, die über die Regelungen vieler anderer Länder deutlich hinausgehen. (...) Der Beschluss bleibt in weiten Teilen hinter der bereits geltenden Rechtslage in Bayern und einigen anderen Ländern zurück. Weitere Verschärfungen freiheitseinschränkender Maßnahmen, wie eine inzidenzunabhängige 2G plus-Regel in der gesamten Gastronomie, müssen erst auf Basis einer möglichst gesicherten wissenschaftlichen Expertise sorgfältig geprüft werden.«

Ganz vom Tisch ist das Thema freilich nicht, denn nach wie vor können einzelne Landkreise unter die Hotspot-Regelung fallen. Schießt die Inzidenz wieder auf über 1 000, dann müssen auch die Wirtschaften schließen. Das wissen auch die Gastronomen.

Dr. Bartl Wimmer vom »Kulturhof Stanggass« sieht in der Nichtumsetzung von 2 G plus einen kurzfristigen Vorteil für die Gastronomie, immerhin würden so auch mehr Gäste kommen. Allerdings befürchtet er, dass die Inzidenz in den nächsten Wochen rasant ansteigen wird. »Sollte die Inzidenz über 1 000 gehen rechnen wir mit kurzfristigen Schließungen und damit gibt es auch keinen Vorteil mehr.« Das Schlimmste für die Gastronomie sei die fehlende Planbarkeit. »Ich hoffe jedoch, dass die Omikronvariante einfach weniger pathogen und damit weniger gefährlich ist. Wie das jedoch alles ausgeht, ist schwierig zu beurteilen.«

Peter Hofmann vom »Bistro Dalmacija Da Branka« in Berchtesgaden ist erleichtert wegen der Entscheidung der Bayerischen Regierung. »Gott sei Dank! Das wäre sonst für die Gastronomie katastrophal, denn 2 G plus würde einem Lockdown gleichkommen«, sagt er. »Wir können jetzt weiter arbeiten und unsere Türen bleiben geöffnet. Ich bin auch optimistisch und denke, dass Omikron nicht so gefährlich ist. Außerdem sind schon sehr viele Leute geimpft.« Man müsse das Wirtschaftssystem wieder ankurbeln, das schwächer als das Gesundheitssystem sei. »Ich glaube, Omikron kann uns nichts mehr anhaben. Ich blicke optimistisch in die Zukunft, denn nach zwei Jahren muss sich etwas ändern.« Auch Familie Bönsch vom »Wirtshaus Waldquelle« in Ramsau freut sich, dass es keine weiteren Beschränkungen gibt. »Denn bei 2 G plus hätten wir unseren Betrieb schließen können. Es ist ja schon 2 G eine Rieseneinschränkung.« Aber auch in der Ramsau befürchtet man, dass sich die Lage schnell wieder ändern könnte. »Wenn die Wellen aus dem Norden kommen und später dann Fasching ist, dann wird es gefährlich. Unser großes Problem ist, dass wir überhaupt nicht planen können. Keine Veranstaltungen, Versammlungen und dergleichen, die Menschen resignieren allmählich. Wir leben jetzt schon so lange von der Hoffnung, da muss endlich wieder ein Licht am Horizont erscheinen.«

Für existenziell notwendig erachtet Tilbert Ganahl vom »Waldhauserbräu« in Schönau am Königssee die Entscheidung der bayerischen Regierung. »Jetzt haben wir vier Tage von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Wenn 2 G plus gekommen wäre, hätte es nur Essen zum Mitnehmen gegeben. »Man hofft zwar darauf, dass Omikron harmloser ist, aber wir wissen ja nicht, was der Regierung noch einfällt. Wenn sich alle impfen lassen würden, dann hätten wir dieses Dilemma gar nicht.«

Andreas Massury vom »Gasthaus Echostüberl« in Schönau am Königssee ist positiv überrascht, dass 2 G plus nicht gekommen ist. »Denn gerade in der Gastronomie wird auf alle Regeln besonders geachtet, das wird leicht vergessen. Ich freue mich, dass ich nicht zumachen muss. Ich habe zuletzt gar keine Waren mehr bestellt, weil ich darauf gewartet habe, dass man uns praktisch wieder zusperrt. Wir kontrollieren alles und es gibt wohl wenige Bereiche, in denen die Regeln so eingehalten werden können, wie in der Gastronomie.« Angst vor steigenden Zahlen hat Massury nicht.

»Seit einiger Zeit leben wir ohnehin nur von heute auf morgen. Ich reagiere halt auf das, was uns angeschafft wird. Ändern können wir daran ohnehin nichts. Es kennt sich doch allmählich niemand mehr aus. Die meisten Menschen können Corona einfach nicht mehr hören, ich auch nicht.«

Freude löste die Entscheidung der Regierung auch im »Alpenhotel Kronprinz« in Berchtesgaden aus. Inge Hansen sprach vor allem für das Gasthaus »Fassl«, das nun offen bleiben kann. Sie hofft auf einen milden Omikron-Verlauf.

Hofmann ruft zum Impfen auf

Auch der Dehoga-Kreisvorsitzende Johannes Hofmann atmete am Dienstag erst mal erleichtert auf, wie er gestern am Telefon erzählte. Mit Spannung hatte er die Entwicklung rund um 2 G plus in den Medien verfolgt. »Die meisten Leute stecken sich nicht im Wirtshaus an.« Er ist überzeugt, dass die steigenden Infektionszahlen in Deutschland auf private Treffen zurückzuführen sind. »Mit einer 2 G plus-Umsetzung hätten die Entscheidungsträger junge Leute wieder in die Partykeller getrieben.«

Die aktuelle 2 G-Regel zu kontrollieren, stelle die Gastronomiebetriebe vor eine große personelle Herausforderung. »Für die Wirte ist es ohnehin schwer, kostendeckend zu arbeiten«, so Hofmann. Er hofft, dass die 2 G-Regel Menschen dazu motiviert, sich impfen zu lassen. Auch bislang ungeimpfte Gastronomen und Mitarbeiter ruft er dazu auf, sich impfen zu lassen.

kll/cw