Zusammenfassung der BRK-Einsätze im Berchtesgadener Land

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Durch Hochwasser (wie hier am Königssee) und Muren mussten hunderte Menschen ihre Häuser verlassen. Das Rote Kreuz kümmerte sich mit um den Aufbau und Betrieb der Not-Unterkünfte Foto: BRK/BGL

Nach einem einsatzintensiven Sonntag konnten die Einsatzkräfte im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land mit Stand 17 Uhr insgesamt 634 Fälle abarbeiten. Dabei waren über den ganzen Tag beständig 500 bis 600 Personen im Einsatz. Auch ein Geologe ist vor Ort, der fortlaufend die bedrohten Gebiete überprüft.


Ehrenamtliche der BRK-Bereitschaften, der BRK-Wasserwacht und der Bergwacht im BRK unterstützen seit Samstagabend die Unwetter-Einsätze in Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau und Schönau.

Berchtesgaden – Ein Spezialfahrzeug des Technischen Hilfswerks (THW) ist am Sonntagmittag gegen 12 Uhr während des großen Hochwasser-Einsatzes in Berchtesgaden auf der Salzbergstraße (B319) bergab auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem VW-Golf zusammengestoßen, wobei sich der MAN-Laster überschlug und vier Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Feuerwehr und Rotes Kreuz versorgten die Insassen beider Fahrzeuge, darunter die ehrenamtlichen Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) der BRK-Bereitschaften, die seit Samstagabend durchgehend den regulären Rettungsdienst und Krankentransport in den Gemeinden des von Hochwasser und Muren stark betroffenen inneren Landkreises mit zusätzlichen Sanitätern und Fahrzeugen verstärken, da Ortsteile über nicht mehr passierbare Straßen nur noch über zum Teil weite Umwege erreichbar sind.

Den bisherigen Ermittlungen der Berchtesgadener Polizei zufolge war der 42-jährige Fahrer des mit auf Paletten gelagerten Sandsäcken befüllten THW-Lasters zusammen mit seinem 25-jährigen Beifahrer bergab auf der B319 unterwegs, als er aus bisher nicht geklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn geriet, dort mit dem VW-Golf eines Urlauber-Ehepaars aus der Oberpfalz zusammenstieß, sich dann am Beginn der Schießstättbrücke überschlug und am dortigen Treppenaufgang auf dem Dach liegen blieb. Die Polizei meint, dass eventuell die Bremsen des Lasters heiß gelaufen waren.

Die Einsatzkräfte mussten die Besatzung des THW-Fahrzeugs mit dem Technischen Rettungssatz befreien, wobei der 25-jährige Beifahrer nach erster Einschätzung des Roten Kreuzes so schwer verletzt worden war, dass Notarzt und Notfallsanitäter den Pongauer Notarzthubschrauber „Martin 1“ nachforderten, der den jungen Mann dann zum Salzburger Unfallkrankenhaus flog. Der Lastwagen-Fahrer wurde mittelschwer verletzt. Das Urlauber-Ehepaar hatte mehr Glück und kam leicht verletzt davon, obwohl ihr Golf völlig zerstört worden war. Das Rote Kreuz brachte die drei Patienten in die Kreiskliniken Bad Reichenhall und Berchtesgaden.

Beamte der Berchtesgadener Polizei nahmen den Unfall auf und schätzen den Sachschaden an beiden Fahrzeugen auf von mehrere zehntausend Euro. Zur Klärung der genauen Ursache müssen sie noch einige Zeugen befragen. Neben den Feuerwehren Berchtesgaden, Schönau, Königssee und Bischofswiesen war das Rote Kreuz mit zwei Notfallkrankenwagen der ehrenamtlichen BRK-Bereitschaften Bad Reichenhall und Berchtesgaden, beiden regulären Reichenhaller Rettungswagen, drei Notärzten, dem Einsatzleiter Rettungsdienst und dem Pongauer Notarzthubschrauber „Martin 1“ im Einsatz. Eine Spezialfirma barg den Lkw; der Pkw musste auch abgeschleppt werden, wobei die Straße mehrere Stunden lang komplett gesperrt war.

Zum Vorausbericht der PI Berchtesgaden

Bereits am Samstagabend gegen 19.30 Uhr hatte sich in Bischofswiesen vor dem Feuerwehrhaus ein Unfall zwischen einem Feuerwehr-Versorgungslastwagen und einem Mazda ereignet, der aber wesentlich glimpflicher ausgegangen war: Die Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes untersuchte die Autofahrerin, musste sie aber nicht mit ins Krankenhaus nehmen.

Rettungsdienst-Verstärkung & Betreuung Evakuierter

Die ehrenamtlichen BRK-Bereitschaften Ainring, Stadt Freilassing, Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Teisendorf ergänzen seit Samstagabend im Schichtdienst mit zusätzlichen Sanitätern und Fahrzeugen den regulären Rettungsdienst und Krankentransport im inneren Landkreis, um vor allem eine effiziente Versorgung trotz der teilweise nur noch über Umwege und mit Verzögerung erreichbaren Ortsteile zu gewährleisten, wobei sie immer wieder zu Notfällen und Krankentransporten ausrücken und die Arbeiten von Feuerwehr und THW absichern. 

Sie organisieren darüber hinaus die Betreuung, Verpflegung, Unterkunft und Psychosoziale Notfallversorgung (Kriseninterventionsdienst) von einigen hundert unverletzten, evakuierten Hochwasser-Opfern und die Verpflegung der Einsatzkräfte, wobei die Einheiten der Bereitschaften, der BRK-Wasserwacht und der Bergwacht im BRK von der Sanitätseinsatzleitung mit Unterstützungsgruppe koordiniert werden.

Abgetriebenes Auto & gestrandete Bergsteiger am Königssee

Die ehrenamtlichen BRK-Wasserwachten Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing-Ainring und Laufen-Leobendorf stellen der Führungsgruppe Katastrophenschutz durchgehend einen Fachberater als Experten für Wasserrettung zur Seite und mussten am Samstagabend gegen 21.50 Uhr wegen eines auf der B305 Höhe Wiesenweg im Hochwasser von der übergetretenen Ache mitgerissenen Autos ausrücken, wobei die Insassen bereits von der Feuerwehr gerettet wurden.

Die Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) der Wasserwacht waren danach auf Kontrollfahrten und zur schnellen Rettung bei weiteren möglichen Notfällen stundenlang im südlichen Landkreis unterwegs und in Bereitschaft. Am Samstagmorgen musste die BRK-Wasserwacht dann mit ihrem Rettungsboot die Feuerwehr samt Pumpen über den Königssee fahren, da auch die Gebäude in Sankt Bartholomä vom Hochwasser betroffen waren. Die Wasserretter helfen darüber hinaus beim Aufbau und Betrieb lokaler Betreuungsstellen für evakuierte Anwohner und holten mit dem Rettungsboot am Königssee-Südufer (Salet), Ostufer (Kessel) und in Sankt Bartholomä immer wieder gestrandete Bergsteiger ab, die nicht mehr mit der wegen des Hochwassers eingestellten Schifffahrt zur Seelände zurückfahren können. „Die Wanderer sollen unbedingt bei uns anrufen und bei diesen Verhältnissen nicht versuchen, selbst über das unwegsame Ostufer oder den ausgesetzten Rinnkendlsteig zurückzukommen“, appelliert der Technische Leiter der Berchtesgadener Wasserwacht, Martin Planegger.

Bergwacht rettet die eigene Wache und angrenzende Gebäude

Die ehrenamtlichen Bergwachten Berchtesgaden, Marktschellenberg und Ramsau wurden Samstagabend vorsorglich alarmiert, um mit ihren Allrad-Fahrzeugen und ihrer fürs unwegsame Gelände konzipierten Spezialausrüstung trotz schwer oder nicht mehr passierbarer Straßen überall die rettungsdienstliche Versorgung weiter gewährleisten zu können und bei der Evakuierung von durch Wasser und Muren betroffener Anwohner zu helfen.

Die Bergwacht Ramsau musste dabei zur Lageerkundung zu einem nicht über eine Fahrstraße erreichbaren Anwesen ausrücken, wo eine Mure ein Stadel erwischt hatte, die Anwohner sich aber weitgehend selbst helfen konnten. Danach sicherten die Bergretter zusammen mit der Feuerwehr erfolgreich ihre eigene Wache und die angrenzenden Gebäude vor dem Hochwasser des ausufernden Gröllbachs, indem sie den durchs Geschiebe blockierten Bachlauf zunächst händisch und dann mit Baggern freihielten.

„Herzlichen Dank an alle Ehrenamtlichen unserer heimischen BRK-Gemeinschaften, die so tatkräftig mithelfen und die ganze Nacht und den Sonntag über hoch motiviert für die Sicherheit unserer Bevölkerung im inneren Landkreis gefordert waren und sind und dabei immer wieder auch hoch emotionale und belastende Eindrücke wie die Notfälle mit zwei Toten und den schweren Verkehrsunfall mit den beiden THW-Kameraden verarbeiten müssen“, lobt Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter.

BRK/BGL