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Zusätzliches Standbein für Bauern gesichert

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Aufträge vergibt der Landschaftspflegeverband nach Möglichkeit auch für die Biotoppflege an gut aufgestellte kleine Landwirte mit Spezialgeräten wie diesem Motorbandrechen, mit dem Hias Fuchsreiter am Hangquellmoor in Teisenberg tätig ist. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Landschaftspflege ist in Zeiten des Strukturwandels in der Landwirtschaft im Kommen. Viele Bauern brauchen Unterstützung bei der Pflege ihrer für die Landwirtschaft nicht erforderlichen, aber für den Naturschutz wertvollen Flächen.


Um den Eigentümern unter anderem Fördermittel zu sichern, beschloss der Marktgemeinderat nach langer Debatte mit 13 zu 4 Stimmen den Beitritt zum Landschaftpflegeverband (LPV), Biosphärenregion Berchtesgadener Land.

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Im November 2015 hatte der Marktgemeinderat den Beitritt noch abgelehnt, da es keine Vorstandschaft und seiner Ansicht nach zu wenig konkrete Infos gab. Seit der Gründung des LPV im September 2016 sind bis auf Teisendorf, Schneizlreuth und Bad Reichenhall alle Kommunen einschließlich des Landkreises Mitglied geworden.

2350 Euro für die Gemeinde im Jahr

In der Beschlussvorlage sprach sich Marianna Baumgartner vom Bauamt aus Sicht des Rathauses klar für den Beitritt aus, der die Gemeinde heuer 2350 Euro kosten würde: Landschaftspflege bedeute Arten- und Biotopschutz, Heckenpflege, Mahd von Feucht- und Streuwiesen sowie Magerrasen und vieles mehr. Bei der Entwicklung von Ökokonto-Flächen sei die Gemeinde bereits bei kleinen Projekten auf externe Fachbüros angewiesen. Hier könne sie stattdessen der LPV beraten. Nicht nur die Verwaltung, auch der Bauhof stoße an seine Grenzen bei der Pflege solcher Flächen, etwa bei Kothbrünning, wo künftig Spezialfahrzeuge für die Mahd nötig seien, da bei der Pflege durch den Maschinenring im vergangenen Jahr Flurschäden entstanden seien. Probleme habe es auch durch den verstopften Ablauf eines bisher nicht gepflegten Tümpels in Helming gegeben. Bei Neukirchen sei dem Markt eine Ökokonto-Fläche angeboten worden, deren Pflege sehr aufwendig ist durch steiles Gelände mit Steinhaufen. Auch für eine geplante Streuobstwiese der Gemeinde am Freidlinger Berg erhoffe man sich Unterstützung durch den LPV.

Verbands-Geschäftsleiterin Susanne Thomas betonte die zentrale Rolle der Freiwilligkeit bei der Kooperation mit dem LPV, der keine Behörde sei und keine Konkurrenz zur Landwirtschaft, sondern deren Partner. Daher kaufe oder pachte er auch keine Flächen an. Heuer rufe der LPV Fördermittel in Höhe von 80 000 Euro ab.

In einer von Baumgartner verlesenen Stellungnahme lieferte Robyn Rauscher von der Unteren Naturschutzbehörde im Landschaftsamt acht Argumente für den Beitritt. Dieser ermögliche, dass Landwirte Arbeiten in der Landschaftspflege bezahlt bekommen. Teisendorf profitiere als Flächengemeinde am stärksten. Bei einem Anteil von etwa 16 Prozent Biotopflächen lägen die Fördersätze oft bei 90 Prozent. Auch die bisher über die Untere Naturschutzbehörde organisierten Maßnahmen könnten ohne Beitritt nicht aufrecht erhalten werden, da die Kreismittel für die Landschaftspflege größtenteils in die Mitgliedsbeiträge für den LPV flössen. Der Fördertopf für Landschaftspflege wachse stetig. »Wenn wir die Gelder nicht abschöpfen, werden es die Nachbarlandkreise tun und deren Landwirte haben dadurch einen klaren wirtschaftlichen Vorteil gegenüber den unseren«, erläuterte Robyn Rauscher.

Andreas Neumeier (CSU) begrüßte diese Art der interkommunalen Zusammenarbeit und sprach sich als erster für den Beitritt aus. Auf Rückfrage von CSU-Rat Alois Stadler räumte Susanne Thomas ein, dass zwar auch einzelne Landwirte beitreten könnten; doch laut Beschluss der LPV-Vorstandschaft könnten Maßnahmen auf Flächen im Gemeindegebiet Teisendorf derzeit noch nicht gefördert werden. Peter Schuhbeck (FWG) sah nicht ein, dass die Allgemeinheit vernachlässigte private Flächen herrichten soll. »Dann ist ja der der Dumme, der sich von Haus aus um seine Flächen kümmert.« Hans Rauscher (SPD) zeigte sich auch skeptisch, dass sich die 2350 Euro für die Gemeinde rentieren.

Dramatischen Artenschwund stoppen

Für Edwin Hertlein (Grüne) ist der Beitritt ein Beitrag zum Stoppen des »dramatischen Artenschwunds« durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Die Zahl der Höfe im Landkreis sei doch seit 1983 von 2750 auf 1024 gesunken. Es sei sinnvoll, 2350 Euro für so etwas auszugeben.

Unter den Befürwortern plädierte Georg Baumgartner (CSU) als Landwirt besonders eindringlich für das Ja zum Verband. Wenn ein Landwirt seine moorigen Schilfflächen nicht bewirtschafte, könne er keinen Förderantrag stellen. Über den Hebel LBV könne ein solcher Antrag gestellt werden. Am Höglwörther See laufe die Landschaftspflege seit Jahren gut, ebenso wie der Traunsteiner LPV seit 25  Jahren, bei dem alle Kommunen Mitglied seien. »Ich glaube, dass wir da für ein paar Bauern ein zusätzliches Standbein schaffen und unsere Landschaft gut gepflegt wird.« Dies überzeugte die Mehrheit. Johann und Anita Niederstraßer (FWG), Hans Rauscher und Peter Schuhbeck stimmten mit Nein. Die Mittel werden im Haushalt 2018 eingestellt. vm