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Zu viele Autos, zu wenig Blumen

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Kirchenpfleger Manfred Weber und Bürgermeister Herbert Gschoßmann informierten die Bürger über Aktuelles aus der Gemeinde. Landrat Georg Grabner lobte die Ramsauer für ihr Interesse am Gemeindeleben. (Foto: Voss)

Ramsau – Nicht auf den Mund gefallen sind die Ramsauer, die kürzlich zur Bürgerversammlung in das Gasthaus »Oberwirt« kamen. Ihnen brannten viele Fragen rund um ihre Gemeinde unter den Nägeln – beginnend mit dem alten Feuerwehrhaus, über das Hotel »Hochkalter« bis hin zu der viel kritisierten Parkplatzsituation. Georg Grabner verfolgte diese, seine letzte Ramsauer Bürgerversammlung als Landrat, gespannt und sprach noch ein paar lobende Worte. Manfred Weber gab das Neueste aus der Kirchengemeinde bekannt.


Zunächst stellte Bürgermeister Herbert Gschoßmann die aktuelle Planung zur Bebauung des »Reichlfeld II« vor (wie berichtet). Die Erschließung des Gebiets soll bis Herbst erfolgen. »Ein Gros der Baumaßnahmen soll im Frühling beginnen«, informierte Gschoßmann. Dazu erkundigte sich Alois Resch, was mit dem alten Feuerwehrhaus und dem alten Bauhof-Gebäude geschieht. Dies sei noch nicht entschieden, antwortete der Bürgermeister. Auf die Kritik, dass der Bauhof zu klein geplant sei, reagierte der Geschäftsleiter der Gemeinde, Martin Willeitner: »Wir planen hier mit vier Millionen Euro. Wir können nur bauen, was finanziell geht, und kein Traumschloss.« Zudem sei der Plan mit dem Bauhof abgesprochen.

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Da es von Bürgern in der ersten Bürgerversammlung des Jahres gefordert worden war, gab Gschoßmann noch einen Überblick darüber, wie der Haushaltsplan einer Gemeinde aussieht und stellte dabei nur wenige aktuelle Zahlen vor. Der Plan für das Jahr 2019 wurde gestern Abend in der Gemeinderatssitzung beschlossen, ein ausführlicher Bericht folgt. Bei seinem Vortrag in der Bürgerversammlung verwies der Rathauschef noch auf einen Termin: Am Montag, 17. Juni, präsentieren die verschiedenen Arbeitskreise der Gemeinde ihre Maßnahmen. Jeder kann dazu um 18.30 Uhr in den Vortragssaal des Rathauses Ramsau kommen und sich informieren.

Nach Herbert Gschoßmann ergriff Kirchenpfleger Manfred Weber das Wort. Er berichtete vom Schädlingsbefall der Kunterwegkirche. Mittlerweile seien die Holzwürmer vergast, in dieser Woche sollte die Kirche nun eingerüstet werden. Denn bei einer Begutachtung werde festgestellt, welche Schäden es gibt.

Holzwurmbefall in der Kunterwegkirche

»Man sieht der Kirche den Schaden so nicht an«, erklärte Weber. Jedoch seien etwa manche Verzierungen weg, dafür sei neben den Schädlingen auch Feuchtigkeit verantwortlich. »Was nun geschieht, ist eine Konservierungsmaßnahme. Das bedeutet, es wird nicht alles mit Blattgold überzogen, sondern die Kirche wird in dem Zustand konserviert, in dem sie jetzt ist. Am Kalvarienberg in Ramsau habe kürzlich die Tragwerksprüfung durch einen Statiker stattgefunden. Auch hier muss nun geprüft werden, was zu machen ist. Die Sanierung wird dann von einem Kirchenmaler gemacht, der dafür extra aus Italien kommt.

Landrat Georg Grabner kam an diesem Donnerstag extra in die Ramsau, um ein paar Worte zu sprechen. Allerdings sage er nicht, wie es Gschoßmann zuvor laut vermutet hatte, »leise Servus«. Denn wenn er erst einmal im Ruhestand sei, hätte er viel mehr Zeit, um herzukommen, betonte er. Den Ramsauern sprach er aufgrund des Andrangs ein »großes Kompliment« aus: »Ihr habt's Interesse am gemeindlichen Zusammenleben.« Grabner blickte auf die »ausgesprochen gute Entwicklung« der Gemeinde zurück, etwa, was die Konjunktur betrifft. Er unterstütze die großen Baumaßnahmen Feuerwehrhaus und Bauhof, auch, wenn dies bedeute, dass wieder Schulden aufgenommen werden. »Die Zinsen werden nimmer niedriger. Wann soll man denn sonst bauen?« Man müsse Visionen haben, man dürfe nur keine Illusionen haben. »Und die habt ihr sicher nicht.«

Verschmutzter Brunnen und Holztrog

Es folgte die Diskussion, bei der Bürger ihre Anliegen äußern konnten. Zunächst verlas ein Bürger den Brief einer anderen Ramsauerin, Rita Dunkel. Sie wünschte sich von der Gemeinde, dass der Platz vor der Kirche St. Sebastian »ansehnlich« gestaltet werde. Sie schreibt, er sehe aus wie eine öde Steinwüste und wünschte sich mehr Blumen. Zudem seien der Springbrunnen und der Holztrog verschmutzt. Gschoßmann sagte ihr Verbesserungen zu. Der Ramsauer, der den Brief verlesen hatte, erkundigte sich noch, warum ein Schild am Riesenbichl verschwunden ist. Tourismusdirektor Fritz Rasp gab daraufhin zu, dass die Tourist-Info das Schild entfernt habe. Es sei ein altes Holzschild gewesen und nicht mehr aktuell. Dafür wird ein neues montiert, wie Rasp dem »Berchtesgadener Anzeiger« bestätigte. Des Weiteren erkundigte sich der Ramsauer, warum es im Gemeinderat keine Bürgerfragestunde mehr gebe. Gschoßmann erklärte, dass diese einmal im Quartal stattfindet, es sei denn, es habe in diesem Quartal eine Bürgerversammlung gegeben. »Wir sind aber immer froh über die Hinweise der Bürger«, so der Rathauschef.

Kosten für Feuerwehr und Bauhof zu hoch?

Ein anderer Bürger bemängelte, die finanzielle Belastung durch den Bau des Gebäudes für Feuerwehr und Bauhof sei zu hoch für die Gemeinde. »Ohne Steuererhöhung wird es wahrscheinlich zu viel werden«, so seine Einschätzung. Man solle überlegen, die Belastung im Haushalt zu mindern, so sein Appell. Vom Kurbeitrag bleibe der Gemeinde nur ein Viertel. »Wie sollen wir eine Neuverschuldung finanzieren, wenn die Grundbelastung schon an der Grenze ist?«, fragte er. Gschoßmann betonte, bei anderen Gemeinden bleibe davon nichts in der Gemeinde. Zum Vorwurf der zu hohen Belastung sagte er: »Wenn ich heute Angst vor einer zu hohen Belastung in der Zukunft habe – an was orientiere ich mich dann?« Die dauerhafte Leistungsfähigkeit sollte gegeben sein. Die Gemeinde habe immer noch eine Sicherheitsreserve einberechnet. »Mit Disziplin und Konsequenz ist alles ohne Steuererhöhung möglich«, so der Bürgermeister. Eine andere Frage aus dem Publikum betraf den Bergkurgarten. »Hierzu gibt es einen Punkt im Haushaltsplan.« Wenn der Haushaltsplan genehmigt werde, soll im Herbst mit der Baumaßnahme angefangen werden. Die zweite Frage des selben Bürgers betraf das Kaspernfeld. Im Flächennutzungsplan steht dazu, dass es bebaut werden solle. Gschoßmann sagte: »Ich glaube nicht, dass es im nächsten Jahr angefangen wird.« Auf die Frage nach einer Ringlinie, also einem Wanderbus in der Ramsau, der auch das Hochschwarzeck anfährt, hieß es, die Chancen stünden ausgesprochen gut, dass sie ab dem Jahr 2020 kommen könnte. Der Bus müsse nur auch genutzt werden, betonte Gschoßmann. Der Tourismusverein arbeite aber »massiv« daran. Kritik äußerten die Ramsauer an den Parkgebühren, die extrem gestiegen seien. »Sieben Euro sind die oberste Grenze«, so ein verärgerter Bürger.

Eine »absolute Zumutung«

Er fuhr fort mit der Anmerkung zur schlechten Situation am Café »Gelfart« am Hintersee. »Der Bereich war am Sonntag dermaßen zugeparkt«, sagte er. »Alle standen kreuz und quer. Das ist eine absolute Zumutung.« Das wisse die Gemeinde aber schon seit zehn Jahren. Zu den beiden Punkten sagte Gschoßmann: »Es ist ein Widerspruch zwischen zu hohe Parkgebühren und zu viel Verkehr. Die Gebühren sollen abschrecken.« Zum Café »Gelfart« sagte er, in Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt Traunstein würden dort entlang der Straße Pfosten aufgestellt, damit keine Autos mehr Platz haben.

Zum Hotel »Hochkalter« wollte Herbert Gschoßmann noch nichts Konkretes sagen. Jedoch habe er bereits Gespräche mit dem Landratsamt geführt, und: »Es könnte sich eine erfreuliche Entwicklung anbahnen, man könnte hier zu einer sehr guten Lösung kommen. Im Juli gibt es dazu mehr Infos.« Annabelle Voss