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Foto: dpa

Zehntausende kinderpornografische Bilder bei 60-Jährigem entdeckt – »Er fühlt sich als Künstler und Aktmaler«

Laufen – Die Mädchen waren zwischen drei und 14 Jahre alt. Allen Kindern gemein: Sie spreizten die Beine und waren nackt. 4800 solcher Bilder fand die Polizei auf Datenträgern eines 60-jährigen Mannes, von denen die Staatsanwaltschaft 28 Fälle angeklagt hatte.


Dazu 1076 Fotos mit jugendpornografischen Inhalten und 47.800 sogenannte Posingbilder. Vor dem Laufener Schöffengericht behauptete der Mann, diese Fotos als Vorlagen für künstlerische Zeichnungen zu verwenden. Doch ein Gutachten attestierte dem Angeklagten zweifelsfrei pädophile Neigungen. Die Freiheitsstrafe von zwei Jahren setzten die Richter auf vier Jahre zur Bewährung aus.

Auslöser der Ermittlungen war ein Urlaub in Kroatien. Dort war der Mann von außen an einen FKK-Strand geschwommen, hatte sich zwei zehnjährigen Mädchen genähert und dabei einem Kind den Rücken massiert. Doch dessen Großeltern erspähten seinen Wagen und somit das Kennzeichen in der Nähe des Strandes. Wenig später durchsuchte die Kripo Traunstein das Anwesen des Angeklagten und stellte eine Menge an Datenträgern sicher.

Früheres Verfahren wurde eingestellt

»Es gab keine sexuellen Handlungen«, erklärte Rechtsanwalt Udo Krause für seinen Mandanten und legte Zeichnungen vor, die den »künstlerischen Hintergrund« der Aufnahmen verdeutlichen sollten. Der ermittelnde Kriminaloberkommissar berichtete von einem »ähnlichen Vorfall« aus dem Jahr 2013, als der Besitz solcher kinderpornografische Bilder noch nicht strafbar gewesen ist, weshalb das Verfahren damals eingestellt worden war. Zu einer Gesetzesänderung kam es 2016, seit dem 1. Juli 2021 gilt der Besitz solcher Bilder als Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr.

Ein Gutachter attestierte dem 60-Jährigen entgegen dessen eigener Behauptung eine eindeutig »sexuelle Präferenz« und das »sehr deutliche Vorliegen einer Pädophilie«, was psychiatrisch als »schwere seelische Abartigkeit« gilt. »Sie lügen sich selbst und uns etwas vor«, konfrontierte Vorsitzender Richter Martin Forster den Mann mit dem eindeutigen Gutachten. Doch der 60-Jährige blieb zunächst dabei: »Es ist kein sexuelles Interesse.« Für ihn sei »das Lachen eines Kindes der schönste Lohn«. Als »eingefleischtem FKKler« seien diese Bilder eine »spannende Sache« gewesen, bei der er jedoch den »Überblick und die Grenzen verloren hat«. Allerdings habe er damit seit der Hausdurchsuchung im September 2021 nichts mehr zu tun, »und das ist gut so«.

Nach einem Vier-Augen-Gespräch mit seinem Verteidiger kam die Kehrtwende. Der Angeklagte räumte ein, dass das Gutachten zutreffend sei. So sah es auch Staatsanwältin Helena Neumeier. »Eindeutig sexuelles Interesse an Kindern, eindeutig pädophil.« Dazu habe der Angeklagte Software zur Verschleierung eingesetzt und einschlägige Suchbegriffe genutzt. Neumeier beantragte zwei Jahre, die sie zur Bewährung aussetzen mochte.

»Er fühlt sich als Künstler und Aktmaler«, erklärte Krause und betonte, dass es nie zu sexuellen Handlungen gegenüber Kindern gekommen sei. Der Verteidiger präsentierte einen Pressebericht, wonach ein Jugendtrainer trotz sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung lediglich zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden war, weshalb für seinen nicht vorbestraften Mandanten 18 Monate ausreichend seien. Der Angeklagte beteuerte, er sei »zutiefst betroffen und zerstört.«

Mann darf sich Kindern nicht mehr nähern

Wenngleich das Verhalten in Kroatien nicht strafbar war, so sah es das Gericht doch als »moralisch relevant« für eine Bewertung an. Der Vorsitzende sprach von »Bagatellisierungstendenzen« beim Angeklagten, bei dem sich jedoch über einen langen Zeitraum eine »pädophile Neigung verfestigt« habe. Das Schöffengericht entschied auf zwei Jahre und eine vierjährige Bewährungsfrist. Der Mann hat sich einer ambulanten Therapie für Sexualstraftäter zu unterziehen, muss von Einrichtungen für Kinder mindestens hundert Meter Abstand halten und ihm ist das Schwimmen in Seen und Bädern untersagt. In öffentlichen Verkehrsmitteln darf er sich nicht neben oder hinter Kinder setzen und er hat generell jeglichen Kontakt zu nicht verwandten Kindern und Jugendlichen zu unterlassen.

Die Gesamtkosten des Verfahrens inklusive zweier Gutachten bezifferte Martin Forster auf deutlich über 40.000 Euro, »die sich der Staat ganz sicher holen wird«. Die Geräte und Datenträger bleiben eingezogen. Übrigens: Der 60-Jährige hatte auch Bilder nackter erwachsener Frauen. Insgesamt rund 500.000 Stück.

höf