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Zauberhafte Kutschenpartie mit Familie Mozart

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Als neugieriger Nachtwächter und Postkutscher Ägidius Schrattenecker führte Schauspieler Werner Friedl durch die Marionetten-Matinee. (Foto: Mergenthal)

Die Begeisterung für die Zauberwelt des Salzburger Marionettentheaters durchflutete das erste gemeinsame Projekt des Radauer Ensembles und der Hellbrunner Geigenmusik. »Unterwegs mit Mozart« – unter diesem Motto begaben sich die Musiker mit dem Salzburger Dreigesang, Schauspieler Werner Friedl und den von drei Puppenspielern geführten Marionetten auf Reisen. Die zahlreich erschienenen Zuschauer waren hingerissen.


Das Unterwegssein prägte das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart. Sein Vater Leopold hatte die Reisen minutiös geplant, um seinen Sohn mit wichtigen Kontaktpersonen, vornehmlich aus den Adelshäusern, bekannt zu machen und ihm die europäische Musikkultur nahe zu bringen. Die gesammelten Eindrücke ließen Mozart künstlerisch reifen.

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Der Nachtwächter muss als Fahrer einspringen

Als Nachtwächter Ägidius Schrattenecker, der Leopold Mozart und seine Wunderkinder Wolferl und Nannerl in aller Herrgottsfrüh für die große Reise aufwecken soll, führte Werner Friedl durchs Stück. Weil der Kutscher einen Herzinfarkt erlitten hatte, musste der früher im Postdienst tätige Schrattenecker auch noch als Fahrer einspringen und er erlebte so die Reise hautnah mit.

Auf sympathische Weise bezog Friedl das Publikum ein und trat in Dialog mit den von Pierre Droin, Heide Hölzl und Philippe Brunner virtuos geführten Marionetten, die die Reisestationen zauberhaft illustrierten. Dass er stimmlich leicht indisponiert war, fiel kaum ins Gewicht. Vom Dreck in Paris, wo das Trinkwasser aus der Seine geholt wurde, war der auch als Briefbote genutzte Postkutschenfahrer schockiert und vom faden Menuetttanzen so gelangweilt, dass er im Park einschlief. Dort umtanzten ihn allerlei Tier-Marionetten wie Schmetterlinge, Hunde oder Eichhörnchen – eine originelle Szene voller Leichtigkeit, von den Instrumentalisten mit zarten Mozartklängen, dem Andantino aus »Les petits riens« und einer Gavotte, untermalt.

Allein wegen der schönen Frauen wollte er länger verweilen. Leopold Mozart war da anderer Meinung, wie ein vom Kutscher heimlich gelesener Brief an Maria Theresia Hagenauer verriet: »Ob die Frauenzimmer in Paris schön sind, kann ich ihnen mit Grund nicht sagen; denn sie sind, wider alle Natur, wie die Berchtesgadener Docken so gemahlt, daß auch eine von Natur schöne Person, durch diese garstige Zierlichkeit den Augen eines ehrlichen deutschen unerträglich wird.« Baron Grimm in Marionettengestalt blieb unerbittlich und mahnte zum Aufbruch nach London.

Musikstücke von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart wechselten mit Volksgut wie dem »Raufgockel Boarischen« oder der zu London passenden »Schnürlregen-Polka« von Tobi Reiser sowie von Christl Klappacher, Helene Widauer und Elisabeth Radauer gefühlvoll gesungenen Liedern. Deren Bandbreite reichte von »Will die Nacht herniedersinken« von Cesar Bresgen über das Volkslied »I fahr mit da Post« mit seinem schönen Jodler bis hin zu »Kleine Blumen kleine Blätter«, ein von Wolfgang Amadeus Mozart gesetztes Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe.

Sprühendes Temperament und feine Saitenklänge

Das sprühende Temperament der jungen Hellbrunner – Alexandra Seywald, Sarah Meyer (Geigen) und Leonhard Hartinger (Harmonika) – verband sich auf geglückte Weise mit den feinen Saitenklängen von Silvia Reith-Höfer (Zither), Waltraud Stögner (Hackbrett), Heidi Reicher (Harfe) und Dominik Meissnitzer (Gitarre) und dem Bass von Josef Radauer. Irmgard Messin an der Quer- und Piccoloflöte verlieh der Musik einen Hauch höfische Eleganz.

Teils köstlich derbe Zitate aus Briefen der Jahre 1777/78 von Wolfgang Amadeus aus Mannheim, wo er sich dank diverser Liebschaften offenbar »sauwohl« fühlte, ließen gespannt vorausblicken auf ein geplantes zweites Gemeinschaftsprojekt zum Thema »Mozart und die Frauen«.

Dazu passte gut das Volkslied »Diandl bist stolz«, das ein Männerdreigesang mit Radauer, Meissnitzer und Hartinger im Wechsel mit dem Salzburger Dreigesang darbot. Wehmütig blickte in der Schlussszene der seiner Gruft entstiegene Graf Pachta (Werner Friedl) auf Mozarts Triumph in Prag zurück: »Wenn er in Prag geblieben wäre, würde er heute noch leben!« Zur Canzone aus »Figaros Hochzeit« ließen die Spieler ein letztes Mal die Puppen tanzen. Veronika Mergenthal