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Wuchtbrummen mit Poesie zum Anbeißen

»Schwitzen dean ma mia aa – aber mia spuckan net dauern auf'n Bod'n«, klärte die bayerische Liedermacherin Edeltraud Rey ihr Publikum im Traunsteiner NUTS über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihr und den »PrimaTonnen« einerseits und Fußballfans andererseits auf. Mit den zwei kernigen Münchner »Wuchtbrummen« Johanna Wolff von Schutter und Bettina von Haken bot sie ein Vollweib-Musikkabarett vom Feinsten. Und die trotz des Fußball-EM-Halbfinales zahlreich erschienenen Zuschauer konnten sich am Ende diebisch freuen, dass sie an diesem Abend mehr zum Lachen hatten als so mancher vor dem heimischen Bildschirm oder beim »Public Viewing«.

Die in Traunstein wohlbekannten Künstlerinnen zeigten ein »Best of« aus drei Programmen: »Be(r)eit sein ist alles«, »Alles (Ein)bildung« und »(M)unter belichtet«. Auf Tuchfühlung mit dem Publikum gingen die beiden wohl- proportionierten »Tonnen« gleich zu Beginn beim Einzug als Putzfrauen-Duo. Kein Wunder, meinten sie in ihrem derb-deftigen Ratsch, dass beim allgemeinen Schlankheitswahn mangels weiblicher Milchspenderinnen (wie sie selber) lauter »Magermilchkrüppel« aufwachsen, die sich nur noch in Chatrooms treffen. Als die kleinere »Tonne« (Johanna) der größeren (Bettina) einen altrosa Lippenstift leiht, meint sie keck: »Wos werd denn des, naive Bauernmalerei?« »Na, bei mir is' des Altbausanierung«, lautet die schlagkräftige Antwort. Man merkt von Anfang an, dass die beiden eine Riesengaudi miteinander haben, und das reißt mit.

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Natürlich sind die in minderer Anzahl erschienenen Herren im Visier der rotzfrechen Aufreißerinnen mit ihrer Erotik zum Anbeißen. »Reinhard«, der sich herausredet, er habe keine Hand frei, wird mit dem Spruch aufgezogen, er müsse sich am Bier festhalten. Als das Duo in Gestalt von alternden, Wodka-saufenden Ballerinas droht, zu Werbezwecken einen Mann in ihre Mitte auf die Bühne zu holen, duckt sich das »starke Geschlecht« weg. Nach einem Parforceritt durch die russische Geschichte stoßen die beiden auf Putin und seinen Busenfreund »Tawarisch Schröder« in der Führungselite des Staatskonzerns Gasprom an.

Dazu passen gut die Lebensweisheiten und Erkenntnisse der aus dem Kreis Ebersberg stammenden Edeltraud Rey: Der »Weichspüler« des Trios, ein blonder Engel mit sanftem Augenaufschlag, hat es faustdick hinter den Ohren, wenn sie über Hypochonder oder über bestimmte Arten von Männern herzieht, für die sie herrliche Mundart-Namen wie »wieslharigs Mande«, »Loamsiada«, »Stenz« oder »Weibara« hat. Der Gerechtigkeit halber bekommen auch die »Zupfgeing«, »Krampfhenna« oder »Bissgurn« unter den Frauen ihr Fett weg. Und so mancher US-Filmstar ist für Rey die reinste Giftmüll-Deponie.

Zwischen den Songs strapazierten jede Menge Situationskomik und figurbetonte Verkleidungen die Lachmuskeln – etwa, wenn Bettina von Haken als findige Beamtin die Frau »Sükülü« mit köstlichen Eselsbrücken durch den Einbürgerungstest schleift oder wenn sie zeigt, wie einfach die Umschulung von der resoluten Hausfrau zur Domina ist: Statt zum Nudelholz greift sie nun zur Peitsche, und aus Wäscheklammern werden Brustklemmen. »Des hätt' mei Oida ois umsonst hob'n kenna. Jetzt zahlt er dafür«, bemerkte sie im hautengen Lack-Kostüm trocken. Und Johanna Wolff von Schutter offenbart als »Schönheitskönigin von Schneizlreuth« ihre weiblichen Reize und ihre voluminöse Altstimme.

Als krönenden Abschluss gab es heitere Gesangsparodien zu dritt. Eine überraschende Pointe setzte eine mit vielen schwarz-rot-goldenen Accessoires gewürzte Auswandererhymne: Anders als die hin- und her geschwungenen Wimpel vermuten ließen, ging es keineswegs um Fußball, sondern ein Rap prangerte soziale Missstände an. Dazwischen konnte das Publikum beim Kehrvers in der Melodie des Gefangenenchores aus Verdis »Nabucco« schwelgen: »Teures Deutschland, ich liebe deine Auen…« Für seinen begeisterten Applaus bekam es zwei Zugaben. Veronika Mergenthal