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Wohlige Schauer

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Hisako Kawamura und Maximilian Hornung musizierten beseelt und lebendig. (Foto: Heigl)

In atemloser, entrückter Stille lauschten die Zuhörer im Saal des Traunsteiner Landratsamts, als Hisako Kawamura (Klavier) und Maximilian Hornung (Cello) Beethovens Cellosonate Nr. 5 in D-Dur, op. 102 spielten. Obwohl der ursprünglich eingeplante Pianist Herbert Schuch, kurzfristig absagen musste, wurde das Konzert ein großartiger Erfolg.


Die Absage Schuchs hatte einen erfreulichen Grund: Er wollte die Geburt seines Kindes nicht verpassen. Hisako Kawamura, eine mit ebenfalls vielen Preisen ausgezeichnete, befreundete Pianistin, half glücklicherweise aus. Mit ihr hat Maximilian Hornung in der Vergangenheit schon oft musiziert, und so kam das vorletzte Konzert der Traunsteiner Sommerkonzert-Reihe dann doch zustande.

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Solo-Cellisten beim Spiel zuzusehen, ist immer etwas ganz Besonderes. Das Spannende an Hornungs Art zu musizieren ist seine völlige Hingabe, sein Sich-ausliefern an die Emotionen der Musik, die nicht nur sein Klangbild formten, sondern auch in seiner expressiven Körpersprache ihren innigsten Ausdruck fanden.

Das geistig reife, beseelte und lebendige Musizieren der beiden Künstler durchleuchtete zur Freude des Publikums auch die vorgestellten Werke für Cello und Klavier von Francis Poulenc, Nadia Boulangers und Cäsar Francks. Wie schweres Parfüm lag Poulencs 2. Satz in der Luft. Sequenzen magischer Melancholie luden die Zuhörer zu einer Innenschau ein.

Die Furcht, es könne nun »zu modern« werden, erwies sich bei Nadia Bolangers (1887 bis 1979) Komposition als unbegründet. Mit einem samtweichen, ohrenschmeichelnden »Prelude« konnte das Publikum vor dem Werk Cäsar Francks eine kleine Entspannungspause einlegen.

Bei Franck zuckten die Wechsel zwischen Fortissimo und Pianissimo voll von nervöser Erregung. Sie spiegelten vor allem im letzten Satz »Allegretto poco mosso« den für den Franzosen nicht unüblichen Zustand seelischer Überspanntheit in der Kunst, die bisweilen eben nicht nur wohlgefällig, sondern auch anstrengend sein kann. Aber auch intensive Momente der innerlichen Zurückgelehntheit fanden sich in den Sätzen, die auch in der Körpersprache Hornungs ihren Ausdruck fanden.

Geheimnisvolle Momente voller ästhetischer Sinnlichkeit hingen dann in der Luft. Die innige Verschmelzung süßester Cellotöne mit den hauchzart hingetupften, vielfarbig schimmernden, aufsteigenden Klaviersequenzen, die fast durchsichtig den Äther emporschwebten, ließen das Publikum wohlig erschauern.

Mit dem letzten Satz der Sonate »Allegretto poco mosso« holten die Musiker mit einem gewaltigen Fortissimo-Muskelspiel die Zuhörer aus ihren Träumen, in das Hier und Jetzt. Als Zugabe kündigte Hornung mit jungenhaftem Charme verständnisvoll ein »Schmankerl« aus Frankreich an, das eine Entspannung der aufgeladenen Atmosphäre bewirkte. Mit Claude Debussys »Nocturne et Scherzo«, das einem leichtfüßigen »Bonsoir« entsprach, verabschiedeten sich die beiden sympathischen Künstler.

Barbara Heigl